Villingen-Schwenningen

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Willi Dorn Schillerstein

Willi Dorn, Schillerstein; Fotografie: Brotz-Studios Christoph Brotz VS

Willi Dorn
Schillerstein
Kalkstein
1955

Ort: Benediktinerring, Nähe Riettor, Villingen

Diese Skulptur wurde zum Gedenken an Friedrich Schillers 150. Todesjahr mit Motiven aus dem Gedicht 'Das Lied von der Glocke' errichtet.

 

Biografie
1916-1995
1936-1937 Holzbildhauerschule München
1938 Akademie für Angewandte Kunst bei Prof. Josef Henselmann
1939-1941 Akademie für Angewandte Kunst bei Prof. Richard Berndl
lebte und arbeitete in St. Georgen

Postkarte Schillerstein

Der 'Schillerstein'
Dieses Denkmal wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150sten Todesjahres von Friedrich Schiller am 18. September 1955 eingeweiht. Auftraggeber des Kunstwerkes war die Stadt Villingen. Der Ort vor dem Riettor wurde wahrscheinlich deshalb gewählt, da hier, nur wenige Meter vom heutigen Standort entfernt, schon seit 1805 – dem 100sten Todesjahr Schillers – bis einige Jahre nach dem 2. Weltkrieg ein 'Schillerdenkmal' stand. Die Straßenkreuzung vor dem Riettor wurde zum 'Schillerplatz'.

Der Künstler Willi Dorn

Willi Dorn wurde am 22. April 1916 in Pfronten-Ried im Allgäu geboren, besuchte dort die Schule und erlernte danach das Schreinerhandwerk. Ab 1936 besuchte er die Holzbildhauerschule in München, wechselte dann in die Bildhauerklasse an der Akademie für Angewandte Kunst und ergänzte sein Studium ab 1939 durch den Besuch der Architekturklasse. Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft ließ sich Willi Dorn 1945 zunächst in Villingen nieder, richtete sich in einer alten Schreinerwerkstatt ein und schuf erste plastische Arbeiten in Holz, Keramik, Metall und insbesondere immer wieder Skulpturen aus Bronze. Ausstellungen im süddeutschen Raum und im angrenzenden Ausland machten ihn bekannt und verhalfen ihm zu einem treuen Kundenkreis. Arbeiten für den öffentlichen Raum wie Brunnen, Wasserspiele, Wandkeramiken und die Gestaltung von Gedenkstätten zeigten die Vielfalt seiner künstlerischen Möglichkeiten. Ein besonders eindrucksvolles Zeugnis ist der Brunnen vor dem St. Georgener Rathaus, der an eine steingewordene Schwarzwaldtanne erinnert. Nach St. Georgen im Schwarzwald war Willi Dorn 1954 gezogen, hier hatte er 1949 geheiratet und hier verstarb er 79jährig am 27. März 1995.

Eine Reihe in Form und Material sehr unterschiedlicher Kunstwerke in Villingen erinnern an Willi Dorn. Hier eine Auswahl:
ein Figurenpaar an der heutigen Sparkasse Schwarzwald-Baar (1954),
der 'Schillerstein' am Riettor (1955),
ein farbiges Mosaik an der Außenwand des Villinger Krankenhauses (1958 – Es wurde beim Abriss des Gebäudes 2015 zerstört),
eine 'Dornenkrone' aus geschweißten Messingblechplatten als Gedenkstätte für die Heimatvertriebenen (1966),
die Wandgestaltung – ein Netz aus Messingdraht – im Staatlichen Vermessungsamt Villingen (1968)

Friedrich Schiller
Das Lied von der Glocke (veröffentlicht 1799)

Das Gedicht besteht aus insgesamt 19 Strophen mit unterschiedlicher Verszahl und ohne einheitlichem Versmaß. 10 Strophen stellen den Arbeitsgang des Glockengusses aus Sicht des Meisters dar, in 9 Strophen reflektiert der Autor Schiller den gesamten Lebenszyklus eines Menschen, von seiner Geburt bis zu seinem Tod. Ansichten zur Gestaltung des Familienlebens und die unterschiedliche Stellung von Mann und Frau in der Gesellschaft werden dezidiert dargestellt. Das Gedicht wird der Weimarer Klassik zugeordnet, deren Merkmale ein zum Ausdruck gebrachtes bürgerliches Selbstbewusstsein in einem noch absolutistisch regierten Staat ist. Die Abfolge der Strophen geschieht im regelmäßigen Wechsel zwischen Arbeitsgang und Reflexion. Warum hat sich der Künstler Willi Dorn gerade Motive aus diesem Gedicht für den 'Schillerstein' ausgewählt? Eine direkte Antwort ist nicht bekannt, aber es lässt sich eine Verbindung der abgebildeten Motive – Gießvorgang, Schlagen der Glocke und Abbild eines in sein Horn blasender Herter – mit dem Leben in der vorindustriellen Stadt Villingen herstellen. So könnte die Bedeutung des Handwerks exemplarisch an dem Gewerbe der Glockengießerei aufgezeigt werden, die seit dem 17. Jahrhundert in besonderem Maße durch die Dynastie der Familie Grüninger verkörpert wird. Neben dem Handwerk sorgte die Landwirtschaft für das Wohlergehen der Stadt und seiner Bevölkerung. Bis ins späte 19. Jahrhundert wurden die Viehherden der innerhalb der Stadtmauern ansässigen Ackerbürger jeden Morgen auf die Weiden hinausgetrieben, wobei der Herter für die Aufsicht über die Großtiere verantwortlich war. Dabei war das Herterhorn wichtiges Utensil, denn mit ihm wurde das Signal zum Auf- und Abtrieb der Tiere gegeben. Durch das 'Kuhreihenblasen' an Heiligabend in der Villinger Innenstadt soll auch heute noch an den ausgestorbenen Beruf des Herters erinnert werden.

Kurzbiografie: Friedrich Schiller

1759 Geburt von Johann Christoph Friedrich Schiller am 10. November als 2. Kind des Militärarztes Johann Kaspar Schiller und seiner Ehefrau Elisabeth Dorothea in Marbach am Neckar.
1764 – 1773  Privatunterricht und Besuch der Lateinschule in Ludwigsburg
1774 – 1780  Gegen den Willen der Eltern aber auf Befehl des württembergischen Herzogs Karl Eugen muss Schiller die 'militärische Pflanzschule' auf der Solitude, später dann die 'Hohe Karlsschule' in Stuttgart besuchen und ein Medizinstudium absolvieren. Beendigung des Studiums mit der Dissertation 'Über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen'. Schillers Interesse gehört jedoch der Literatur, der Philosophie und der Geschichtswissenschaft. Gegen seinen Willen muss er sich als Regimentmedicus in Stuttgart niederlassen.
1781 – 1782  Erste Gedichte erscheinen; die Aufführung seines heimlich verfassten Dramas 'Die Räuber' in badischen Mannheim und seine unerlaubte Reise dorthin führt zu Arrest und dem herzoglichen Verbots des 'Komödienschreibens'. Mit seinem Freund Andreas Streicher flüchtet Schiller aus Stuttgart, lässt sich zunächst in Mannheim, dann in Frankfurt am Main, schließlich in Oggersheim nieder.
1783 – 1787  Häufige Ortswechsel und die Veröffentlichung weiterer Dramen ('Kabale und Liebe', 'Die Verschwörung des Fiesco zu Genua'), Gedichte und philosophische Abhandlungen prägen diesen Zeitraum. Eine Verpflichtung als Theaterdirektor scheitert nach wenigen Monaten nicht zuletzt aus Krankheitsgründen.
1788 – 1790  Besuche in Weimar und Jena. Beschäftigung mit historischen Themen und Veröffentlichungen ('Geschichte des Abfalls der Niederlande', 'Geschichte des Dreißigjährigen Krieges'). Übernahme einer Geschichtsprofessur in Jena. Erste Begegnung mit Johann Wolfgang von Goethe.
Heirat am 22. Februar 1790 mit Charlotte von Lengenfeld. Zwischen 1793 und 1804 werden zwei Söhne und zwei Töchter geboren.
1791 – 1796  Schiller erkrankt an Rippenfell- und Lungenentzündung, zieht sich aus seiner Lehrtätigkeit zurück. In prekärer finanzieller Situation erhält er für drei Jahre eine finanzielle Unterstützung von Herzog Friedrich Christian von Schleswig-Holstein-Augustenburg. Veröffentlichung philosophisch-ästhetischer Schriften ('Über Anmut und Würde', 'Über die ästhetische Erziehung des Menschen'). Die französische Nationalversammlung ernennt Schiller 1792 zum Ehrenbürger der Französischen Republik. Erstmaliger Besuch der Eltern in Schwaben seit seiner Flucht. Die Familie Schiller nimmt Jena zu ihrem festen Wohnsitz. Freundschaft und Zusammenarbeit mit Goethe (intensiver Briefwechsel, Herausgabe der Zeitschrift 'Die Horen').
1797 – 1802  Balladenjahr 1797: Es entstehen u.a. 'Der Taucher', 'Der Handschuh', 'Die Kraniche des Ibykus', 'Der Ring des Polykrates'. Die Familie siedelt 1799 nach Weimar um. In jährlicher Abfolge werden die historischen Dramen 'Wallensteins Lager', 'Wallensteins Tod', 'Maria Stuart' und 'Die Jungfrau von Orleans' uraufgeführt. Schiller wird in den Adelsstand erhoben.
1803 – 1805  Fertigstellung der Dramen 'Die Braut von Messina' und 'Wilhelm Tell'. Schiller erkrankt und stirbt am 9. Mai 1805. Als Todesursache wird eine Tuberkuloseerkrankung vermutet.

 

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