Aktuelles aus dem Stadtarchiv
Der Hubenloch-Bunker – Schutz für 2.800 Menschen

Seit 1940 kam es in Villingen zu Fliegeralarmen. Von 1944 bis zum Kriegsende wurde besonders häufig Alarm ausgelöst. Durch Luftangriffe wurden insgesamt 55 Gebäude vollständig oder schwer beschädigt. Ein Schwerpunkt der Angriffe lag auf dem Bahnhof der Stadt. Hier das getroffene Bahnhofsgebäude nach den Angriffen im Februar 1945.
Was tun, wenn Fliegeralarm droht, aber kaum Keller vorhanden sind? Diese Frage stellte sich in Villingen während des Zweiten Weltkriegs besonders dringlich. Das Archivale des Monats Oktober führt mit den Plänen der Bunkeranlage unter dem Hubenloch mitten in diese schwierige Situation.
Wegen des hohen Grundwasserspiegels gab es in der Innenstadt nur wenige Kellerräume. Die vorhandenen Keller waren bereits ab 1940 zu Luftschutzräumen umfunktioniert worden. Eigentümer privater Keller mussten sie der Bevölkerung unentgeltlich als Schutzräume zur Verfügung stellen. Zusätzlichen Schutz boten später Deckungsgräben, etwa auf dem Platz vor dem Franziskanermuseum – dem damaligen Platz des 30. Januar – oder am Paradiesplatz. Sie schützten vor Splittern, Trümmern und Feuer, boten bei Bombeneinschlägen jedoch kaum Sicherheit.
Anfang 1944 wurde deshalb eine weitaus größere Lösung geplant: Unter dem Hubenloch sollte eine Bunkeranlage mit mehreren Stollen entstehen. Die unterirdischen Schutzräume sollten so tief im Muschelkalkgestein liegen, dass sie sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner der Innenstadt als auch der Südstadt vor Fliegerbombenangriffen schützten.

Der großformatige Plan aus 1944 erzählt von einem gewaltigen Vorhaben: Unter dem Hubenloch sollte eine Bunkeranlage entstehen, in der Tausende Menschen vor Fliegerangriffen Schutz finden sollten. Gut zu erkennen sind auch die beiden geplanten Bauabschnitte: Baubabschnitt 1 mit den drei Eingängen nahe dem Romäusring ist durchgehend mit Filzstift eingezeichnet; Bauabschnitt 2, der auch Bewohnern der Südstadt Schutz bieten sollte, ist mit gestrichelten Linien dargestellt.
Der Bau war in zwei Abschnitten geplant. Im ersten Bauabschnitt sollten nahe dem Romäusring drei voneinander getrennte Eingänge entstehen. Nach dessen Fertigstellung hätten dort rund 1.500 Menschen Schutz finden können. Die gesamte Anlage war sogar für etwa 2.800 Personen ausgelegt. Vorgesehen waren außerdem Toiletten, Wasserversorgung, Beleuchtung und eine elektrische Heizung.
Die Pläne zeigen, wie groß die Anlage gedacht war – und wie schwierig ihre Umsetzung. Wegen des kriegsbedingten Mangels an Eisen sollte der Ausbau vollständig in Beton erfolgen. Die Stollen wurden mit größerem Abstand voneinander geplant, damit das Muschelkalkgestein des Hubenlochs nicht ins Rutschen geriet.
Mit dem Bau der drei Eingänge wurde noch Ende 1944 begonnen. Die bergmännischen Arbeiten wurden überwiegend von Kriegsgefangenen aus dem Stalag V B ausgeführt. Akten aus den 1960er- und 1970er-Jahren berichten, dass bereits ein Teil der Stollen fertiggestellt war. Doch die unvollendete Anlage entwickelte sich zunehmend selbst zur Gefahr: An einem Eingang waren Stollenabschnitte an mehreren Stellen eingebrochen, am Hang des Hubenlochs kam es zu Erdsenkungen. Ein weiterer Stollen war nach dem Krieg mit Erde verfüllt worden. Weil sich diese setzte, entstanden gefährliche Hohlräume und Kriechgänge. Um die Gefahr zu beseitigen, wurden die Stollen verfüllt.
Der Bunker unter dem Hubenloch blieb unvollendet. Seine Planung und die erhaltenen Unterlagen erzählen jedoch eindrücklich davon, wie sehr der Luftkrieg den Alltag bestimmte.
Das dickste Buch im Stadtarchiv – war ursprünglich gar keines!
Wer beim dicksten Buch im Stadtarchiv an eine Schmuckausgabe der Bibel oder einen alten, schön illustrierten Band denkt, irrt. Das dickste Buch im Bestand war ursprünglich gar kein Buch und es ist das Produkt von Verwaltungsakten. Es handelt sich um den „Inventuren und Teilungen“ Band von 1851 aus Schwenningen. Was es damit auf sich hat, erklärt das Archivale des Monats September.
Vom 17. Jahrhundert an bis 1899 waren Inventuren und Teilungen in Württemberg Pflicht. Dabei wurden die Vermögensverhältnisse einer Person anlässlich ihrer Heirat (Inventur) und nach ihrem Tode (Teilung) durch das zuständige Waisengericht der Gemeinde festgehalten. Ziel war es, Erbschaftsstreitigkeiten zu vermeiden. Nach vorgegebenem Schema wurden penibel alle Vermögensgegenstände der jeweiligen Person in verschiedenen Rubriken wie z.B. Liegenschaften und Bargeld aber auch Bettgewand, Kleidung und Geschirr aufgelistet. Auch der Erhaltungszustand wurde dokumentiert. So kamen bei manchen Bürgern durchaus seitenlange Listen zusammen. Diese wurden am Ende unterschrieben: Mancher Bürger hinterließ als Analphabet nur drei Kreuze, andere besiegelten die Aufzeichnung mit einem Familiensiegel.
Zunächst entstanden so unterschiedliche Einzeldokumente. Um alles dauerhaft beisammenzuhalten, wurden die Fälle später, meist als Jahresbände, chronologisch in einem Buch zusammengebunden. Das erklärt auch, warum im Inneren verschiedene Papiersorten verwendet wurden. Die Seiten wurden sodann nummeriert und mit einem Namensregister für die Recherche versehen.
Für den Band von 1851 wurden ein marmorierter Buntpapiereinband sowie ein Buchrücken aus Leder verwendet. Außerdem sorgten Schnüre dafür, dass der Band zusammenhielt – denn der Buchrücken ist sage und schreibe etwa 17 Zentimeter dick.
Die Unterlagen wurden über viele Jahre häufig benutzt. Daher ist der Band heute stark abgegriffen und weist deutliche Gebrauchsspuren auf. Von den ursprünglichen Schnüren ist nur noch ein kurzes Stück erhalten.
Der Band ist nicht nur das dickste Buch im Stadtarchiv, sondern vor allem ein historisches Zeugnis der Besitzverhältnisse und Lebensumstände der Schwenninger Bevölkerung. Ein dickes Buch – und ein bemerkenswerter Einblick in die Vergangenheit.
Wie der Badespaß nach VS kam: Die Anfänge der Freibäder
An heißen Sommertagen sind Freibäder aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Doch was heute selbstverständlich ist, war einst eine kleine Sensation. Das Archivale des Monats wirft einen Blick auf die Anfänge der Freibadkultur in Villingen-Schwenningen - eine Geschichte von moorigem Wasser, revolutionären Ideen und der Freude am kühlen Nass.
Gebadet wird schon seit Jahrtausenden. Im 19. Jahrhundert gewann das Schwimmen als körperliche Ertüchtigung und gesundheitsfördernde Aktivität an Bedeutung. Aus einfachen Flussbadeanstalten entwickelten sich die ersten öffentlichen Freibäder.
Im heutigen Stadtgebiet entstand die erste Badeanstalt 1877 in Schwenningen: das „Neckarbädle“ unterhalb der Möglingshöhe. Die von einer privaten „Bad-Gesellschaft“ betriebene Anlage wurde direkt aus dem Schwenninger Moos gespeist und konnte nicht erwärmt werden: Das Badevergnügen wurde durch das braune Wasser und die kühlen Temperaturen getrübt. Auch kontinuierliche Verbesserungen konnten das Bad nicht retten: 1932 schloss es endgültig.
In Villingen wagte man 1883 den Sprung ins Freibad an der Waldstraße. Finanziert durch Überschüsse der Spar- & Waisenkasse, diente das Bad der Abkühlung und der Ausbildung: 1913 demonstrierte der Schwimm- und Eisclub Schwenningen hier Rettungs- und Wiederbelebungsversuche. 1968 wurde das Gelände an die Firma Kienzle verkauft; heute befindet sich dort die Polizeiwache.
Einen naturheilkundlichen Ansatz verfolgte der Schwenninger Naturheilverein mit seinem 1908 eröffneten Licht-, Luft- und Sonnenbad. Zunächst stand nicht das Schwimmen, sondern die Gesundheit im Vordergrund: Daher gab es dort zunächst auch kein Schwimmbecken, aber ausleihbare Badewannen – Männer und Frauen badeten selbstverständlich getrennt. Heute bietet das Sonnenbädle weiterhin Ruhe, Erholung und ein kleines Becken.
In Tannheim hatte Bürgermeister Häsler 1956 eine damals fast revolutionäre Idee: Ein Freibad sollte den Fremdenverkehr in dem kleinen, landwirtschaftlich geprägten Ort ankurbeln. Auch hier war das Wasser anfangs dunkel, da es aus dem Moor gespeist wurde – ein Umstand, den man geschickt als gesundheitlichen Vorteil vermarktete. Zur Rettung des Freibads wurde 2005 der Förderverein Freibad Tannheim e. V. gegründet, der es seitdem betreibt.
Die Geschichte der ersten Freibäder zeigt den Wandel vom einfachen Badeplatz zur modernen Freizeit- und Sporteinrichtung. Zugleich wird deutlich, was sich bis heute nicht verändert hat: der Wunsch nach Abkühlung, Bewegung, Erholung und gemeinsamer Zeit – sowie die Herausforderungen rund um Wasserqualität, Betrieb und Finanzierung.
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