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Schnell teilnehmen! Endspurt für den Joseph-Haberer-Preis 2024!

Noch ist genügend Zeit am diesjährigen Joseph-Haberer-Preis, dem Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler für Demokratie und Toleranz, teilzunehmen. Der Preis soll Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren ermutigen sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Region auseinanderzusetzen und an die Opfer zu erinnern. Bis zum 14. September 2024 können Arbeiten für den Joseph-Haberer-Preis beim Stadtarchiv Villingen-Schwenningen eingereicht werden. Weitere Informationen finden sich unter Archiv und Schule.

Die Villinger Milchzentrale – Von der Milchverarbeitung zum Gedächtnis der Doppelstadt

Schon mal vom World Milk Day gehört?

Seit 2001, von der FAO* ins Leben gerufen, wird er immer am 01. Juni gefeiert, um die Bedeutung von Milch als wertvolles Lebensmittel für die Weltbevölkerung hervorzuheben. Diesen Monat haben wir passend zum World Milk Day ein paar archivarische 'Schmankerl' zur Villinger Milchzentrale und deren Geschichte ausgegraben.

Im Jahre 1937 wurde die, für rund 250.000 RM, neu erbaute Milchzentrale in der Lantwattenstraße in Villingen erstmals in Betrieb genommen. Die Milchzentrale war damals eine der Zweigstellen der Milchzentrale Radolfzell GmbH mit Sitz in Radolfzell. Das Einzugsgebiet erstreckte sich über die Amtsbezirke Donaueschingen, Neustadt, Villingen und Wolfach. Über die Jahre wurde modernisiert und umgebaut und das Gelände um weitere Gebäude und Einrichtungen erweitert. Regelmäßig wurde der Betrieb für die hervorragende Qualität seiner Erzeugnisse mit diversen Preisen ausgezeichnet, u.a. der Anton-Fehr-Plakette und der Benno-Martiny-Medaille der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Im Zuge der Rationalisierung wurde dann zunächst 1970 die Butterei stillgelegt und 1985 wurde der gesamte Standort aufgegeben.

20 Jahre nach dem Städtezusammenschluss wurden die Archive von Villingen und Schwenningen zusammengeführt und so bekam ein Teil der ehemaligen Milchzentrale eine neue Bestimmung als Gedächtnis der Doppelstadt. Ursprünglich als Provisorium angemietet, befindet sich das Stadtarchiv noch heute im alten Gebäude der Milchzentrale und platzt aus allen Nähten. Zudem wurden die wertvollen Bestände mehrfach durch Wasserschäden bedroht. Doch Abhilfe ist in Sicht: Zurzeit sind die Umbauarbeiten am Oberen Brühl im vollen Gange und voraussichtlich kann das Amt für Archiv und Schriftgutverwaltung seine über das Stadtgebiet verstreuten Dienststellen Ende 2025 an diesem neuen Standort zusammenlegen und das Stadtarchiv seine Besucher am neuen Standort empfangen.

*Food and Agriculture Organization (FAO) of the United Nations - Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen

Archivale des Monats im Mai: Der Schillerstein in den Anlagen am Riettor

Der Todestag des berühmten Dichters und Philosophen Friedrich Schiller jährt sich am 9. Mai dieses Jahres zum 219. Mal. Der Name des Schriftstellers ist zweifelsfrei auch heute noch der Allgemeinheit bekannt, wie sicherlich auch die bedeutendsten seiner Werke, etwa "Die Räuber" von 1782, "Kabale und Liebe" von 1784 oder "Wallenstein" aus dem Jahre 1799. Im 20. Jahrhundert führte die Erinnerung an den Dichterfürsten allerdings zu einer besonderen Begeisterung für seine Texte, welche regelmäßig auswendig gelernt wurden und im Sinne eines "geistiges Kapitals" als Statussymbol für das Bildungsbürgertum galten. Später wurde er zunehmend von aufkeimenden nationalistischen Bewegungen vereinnahmt. So wurde im Jahre 1906 der "Deutsche Schillerbund" in Weimar gegründet.

Auch wenn Friedrich Schiller keinen unmittelbaren biographischen Bezug zur Stadt Villingen hat, so entschloss sich die Stadtverwaltung im Februar 1905 trotzdem, an den Feierlichkeiten zum 100. Todestag des Dichters teilzunehmen. Dabei scheute die Verwaltung keine Kosten und Mühen und organisierte neben Theateraufführungen die Herstellung eines Gedenksteins sowie die Verteilung der Festschrift "Unser Schiller" des Professors Karl Brunner aus Pforzheim an die örtlichen Realschüler und die oberen Klassen der Volksschule.

Unser Archivale des Monats zeigt den Gedenkstein für Friedrich Schiller auf einer Postkarte des traditionsreichen Verlags Gebrüder Metz in Tübingen aus dem Jahre 1907. Die Einweihung des Denkmals am 9. Mai 1905 in den Anlagen schräg gegenüber der Benediktinerkirche war der Höhepunkt der Feierlichkeiten, nachdem zuvor die Schulkinder vom Marktplatz durch die Niederstraße, Marbacher-, Brigach-, Bicken- und Rietstraße zu den besagten Anlagen gezogen waren. Die Meldung im Amtsblatt wies die interessierte Bürgerschaft darauf hin, dass die Teilnahme kostenfrei sei; allerdings bat man darum, während der Feier nicht zu rauchen (heute selbstverständlich, damals offenbar keineswegs!)

Im Jahre 1955 erstellte der Bildhauer und Künstler Willi Dorn aus St. Georgen ein neues Denkmal anlässlich des Jubiläums zum 150. Todestag von Friedrich Schiller. Es wurde unweit des Schillersteins am Benediktinerring nahe des Riettors errichtet. Weiterführende Informationen bietet die Seite "Kunst im öffentlichen Raum" der Stadt Villingen-Schwenningen: https://www.villingen-schwenningen.de/kultur-vielfalt/staedtische-galerie/kunst-im-oeffentlichen-raum/willi-dorn/

 

 

Archivale des Monats im April: Die Reichenauer Güter in Pfaffenweiler

1300 Jahre sind seit der Gründung des Klosters Reichenau durch den später heiliggesprochenen Wanderbischof Pirmin im Jahr 724 vergangen. Was hat nun dieses Jubiläum mit Villingen-Schwenningen zu tun? Das Inselkloster verfügte über einen weit ausgedehnten Besitz. Dazu gehörten auch mehrere Güter in Pfaffenweiler. In mehreren Dokumenten erfahren wir, an wen die Äbte diese vergaben und wer die Höfe bewirtschaftete.

Mit der ältesten Urkunde vom 7. Juli 1421 belehnte Abt Friedrich (Graf von Zollern-Schalksburg, Abt von 1402 bis 1426) Konrad Stähelin den Jüngeren von Villingen mit drei Gütern in Pfaffenweiler. Weiter heißt es, dass ein Gut "Haering" bebaut, eins Lutholt genannt Neidinger, das als Wernhers Gut bezeichnete Anwesen bebaute der "Zenner". Außerdem erfahren wir hier, dass diese Güter Konrad von Tannheim mit Zustimmung des Reichenauer Dienstmanns Diechthelm von Salenstein verpfändet hatte. Das auf der Reichenau ausgestellte Dokument trägt das Siegel des Ausstellers. Im Folgenden kam es dann zu einem Streit über die Güter, über den Abt Friedrich am 19. Januar 1422 entschied.

In einer Urkunde vom 19. Februar 1528 betont Abt Markus (von Knöringen, im Amt von 1521 bis 1540) gegenüber Schultheiß, Bürgern und Rat der Stadt Villingen, das Lehnsrecht in einem "dorfflin nit unfer von Ewer stat gelegen".

 

 

Archivale des Monats im März – Die Schwenninger Allmendkarte von 1795

Unter Allmende (das allgemeine Land) versteht man Liegenschaften, die der Gemeinde gehörten und die die Gemeindemitglieder nutzen konnten.

 

Im Jahr 1795 entstand die 87,5 x 89,5 cm große Karte für Schwenningen: "Dass dieser Geometrische Grund-Riss mit aller Accuratesse verfertiget worden, bezeugt, Schwenningen, den 26ten August 1795, Examinirter, Beaydigter Feldmesser alda Thomas Weyler". In der Legende gibt der Verfasser an: "Geometrischer Grund-Riß und Vorstellung der ganzen dem Ort Schwenningen, Herzoglich Württembergischer Herrschaft, zugehörigen Allmand, ihrer Lage, Grenzen und der dadurch gehenden Wege, nebst den Namen der Plaeze, und ihrer Groeße!" In der Nebenbemerkung erfahren wir die Bedeutung der verwendeten Farben: bereits umgebrochene Felder sind rot, die noch als Weide genutzten grün und das Schwenninger Moos etwas dunkler grün ausgeführt. Weiter sind alle Flächen wie angekündigt genau bezeichnet und vermessen in der Legende angegeben. Sie können so in der Karte selbst aufgefunden werden. Das Stück ist nicht wie heute üblich genordet. Eine Kompassrose in der oberen rechten Ecke weist aber die Richtung.

 

Die Karte ist ursprünglich Teil einer Akte über die Vergabe der Allmende (Stadtarchiv Best. 3.1-3 Nr. 1393). Sie ist die Beilage zu einem Schreiben der "Herzogl. Landrechnungs-Deputation", Stuttgart vom 17. November 1795, in dem es um die Aufteilung der noch nicht vergebenen Flächen geht. Die Akte insgesamt umfasst Vorgänge bis ins Jahr 1810 u. a. auch zu Wiesen auf Gemarkung Mühlhausen. Im Jahr 1800 begegnet uns Feldmesser Weyler noch einmal. Im Zuge des Verkaufs des "Allmand Plaz Rihneloh" (Rinelen) war er mit Vermessungsaufgaben beauftragt und gibt am 28. Mai des Jahres an, seine Bezahlung erhalten zu haben.

Die Karte war mehrfach gefaltet, was im Laufe der Zeit zu einer starken Beschädigung geführt hat, wie unser Bild zeigt. Im Jahr 2007 ist sie von einer Fachfirma gereinigt und restauriert worden. Sie wird jetzt in einem Planschrank separat aufbewahrt.

 

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