Aktuelles

Archivale des Monats im April: Die Reichenauer Güter in Pfaffenweiler

1300 Jahre sind seit der Gründung des Klosters Reichenau durch den später heiliggesprochenen Wanderbischof Pirmin im Jahr 724 vergangen. Was hat nun dieses Jubiläum mit Villingen-Schwenningen zu tun? Das Inselkloster verfügte über einen weit ausgedehnten Besitz. Dazu gehörten auch mehrere Güter in Pfaffenweiler. In mehreren Dokumenten erfahren wir, an wen die Äbte diese vergaben und wer die Höfe bewirtschaftete.

Mit der ältesten Urkunde vom 7. Juli 1421 belehnte Abt Friedrich (Graf von Zollern-Schalksburg, Abt von 1402 bis 1426) Konrad Stähelin den Jüngeren von Villingen mit drei Gütern in Pfaffenweiler. Weiter heißt es, dass ein Gut "Haering" bebaut, eins Lutholt genannt Neidinger, das als Wernhers Gut bezeichnete Anwesen bebaute der "Zenner". Außerdem erfahren wir hier, dass diese Güter Konrad von Tannheim mit Zustimmung des Reichenauer Dienstmanns Diechthelm von Salenstein verpfändet hatte. Das auf der Reichenau ausgestellte Dokument trägt das Siegel des Ausstellers. Im Folgenden kam es dann zu einem Streit über die Güter, über den Abt Friedrich am 19. Januar 1422 entschied.

In einer Urkunde vom 19. Februar 1528 betont Abt Markus (von Knöringen, im Amt von 1521 bis 1540) gegenüber Schultheiß, Bürgern und Rat der Stadt Villingen, das Lehnsrecht in einem "dorfflin nit unfer von Ewer stat gelegen".

 

 

Archivale des Monats im März – Die Schwenninger Allmendkarte von 1795

Unter Allmende (das allgemeine Land) versteht man Liegenschaften, die der Gemeinde gehörten und die die Gemeindemitglieder nutzen konnten.

 

Im Jahr 1795 entstand die 87,5 x 89,5 cm große Karte für Schwenningen: "Dass dieser Geometrische Grund-Riss mit aller Accuratesse verfertiget worden, bezeugt, Schwenningen, den 26ten August 1795, Examinirter, Beaydigter Feldmesser alda Thomas Weyler". In der Legende gibt der Verfasser an: "Geometrischer Grund-Riß und Vorstellung der ganzen dem Ort Schwenningen, Herzoglich Württembergischer Herrschaft, zugehörigen Allmand, ihrer Lage, Grenzen und der dadurch gehenden Wege, nebst den Namen der Plaeze, und ihrer Groeße!" In der Nebenbemerkung erfahren wir die Bedeutung der verwendeten Farben: bereits umgebrochene Felder sind rot, die noch als Weide genutzten grün und das Schwenninger Moos etwas dunkler grün ausgeführt. Weiter sind alle Flächen wie angekündigt genau bezeichnet und vermessen in der Legende angegeben. Sie können so in der Karte selbst aufgefunden werden. Das Stück ist nicht wie heute üblich genordet. Eine Kompassrose in der oberen rechten Ecke weist aber die Richtung.

 

Die Karte ist ursprünglich Teil einer Akte über die Vergabe der Allmende (Stadtarchiv Best. 3.1-3 Nr. 1393). Sie ist die Beilage zu einem Schreiben der "Herzogl. Landrechnungs-Deputation", Stuttgart vom 17. November 1795, in dem es um die Aufteilung der noch nicht vergebenen Flächen geht. Die Akte insgesamt umfasst Vorgänge bis ins Jahr 1810 u. a. auch zu Wiesen auf Gemarkung Mühlhausen. Im Jahr 1800 begegnet uns Feldmesser Weyler noch einmal. Im Zuge des Verkaufs des "Allmand Plaz Rihneloh" (Rinelen) war er mit Vermessungsaufgaben beauftragt und gibt am 28. Mai des Jahres an, seine Bezahlung erhalten zu haben.

Die Karte war mehrfach gefaltet, was im Laufe der Zeit zu einer starken Beschädigung geführt hat, wie unser Bild zeigt. Im Jahr 2007 ist sie von einer Fachfirma gereinigt und restauriert worden. Sie wird jetzt in einem Planschrank separat aufbewahrt.

 

Archivale des Monats Februar

Archivale des Monats im Februar: Fastnacht in den Villinger Ratsprotokollen

Die Sitzungen des Stadtrats wurden, wie heute auch, schon früher in Protokollen festgehalten. Es handelt sich im Wesentlichen um Ergebnisprotokolle. Nach dem Vortrag des zu verhandelnden Sachverhalts beurteilte man ihn, zog daraus eine Folgerung (votum) und entschied im Anschluss (conclusum). Der älteste Band stammt aus dem Jahr 1540. Die Amtsbuchserie weist jedoch Lücken auf. So wurde in Kriegszeiten kein Protokoll geführt.

Hat man heute das Glück, dass die Niederschriften maschinenschriftlich vorliegen sind die älteren Dokumente handschriftlich verfasst. Wie man an unserem Beispiel erkennt, ist dabei von Schönschrift meist nicht die Rede.

Die Bandbreite der Entscheidungsfindungen ist sehr weitgefächert und umfasst beispielsweise die Festsetzung von Lebensmittelpreisen, Ämterbesetzungen, Almosen und vieles mehr. Es gab Einzelfälle und jährlich wiederkehrende Punkte. So musste auch das Abhalten von Bällen in der Fastnachtszeit jährlich neu beantragt werden. Die Fastnachtslustbarkeiten, die die Bürgersöhne immer genehmigt haben wollten, waren jedoch den Ratsherren nicht sehr lieb. Häufig lehnten sie dieses Ansinnen auch ab.

Der vorliegende Eintrag vom 10. Januar 1792 enthält die am Vortrag gestellte Bitte von Ignaz Majer, Wildermann-Wirt, um die Erlaubnis, am 5. und 12. Hornung (Februar) "Faschingsbälle" abhalten zu dürfen. Dies genehmigt der Rat unter der Bedingung, dass dabei keine Narrenkleider getragen werden. Der Fasnetmentig 1792 war übrigens der 20. Februar.

Archivale des Monats im Januar: Ein Künstler in der Verwaltung

Das Archivale des Monats im Januar sind Bilder aus dem Nachlass von Theodor Arnold. Er war über lange Jahre Leiter des Hauptamts der Stadt Villingen und prägte die Entwicklung der Stadt und ihrer Verwaltung. Doch neben seiner Verwaltungstätigkeit brachte Arnold ein besonderes künstlerisches Talent mit, das sich in seinem Nachlass wiederfindet. Manchmal schaffte er es auch diese beiden Seiten seines Lebens zu vereinen. Er fertigte für die Städte Villingen und St. Georgen Zeichnungen an, entwarf ein Stadtwappen für St. Georgen und illustrierte das Goldene Buch der Stadt Villingen mit eindrucksvollen Portraits.

Die im Nachlass von Arnold erhaltenen Zeichnungen aus Villingen sind hübsche Stadtansichten, meistens aus der historischen Innenstadt, die er in schwarz-weiß oder auch farbig illustriert anfertigte. Auch von anderen Städten und Landschaften aus der Region finden sich im Nachlass zahlreiche Zeichnungen. Außerdem war Arnold ein wacher Beobachter der regionalen und überregionalen Politik und erstellte dazu politische Karikaturen mit bissigen Kommentaren, die politische Entwicklungen aufs Korn nahmen. Durchaus selbstkritisch thematisierte er dabei auch immer wieder das Handeln der Verwaltung. Für die Fusion von Villingen und Schwenningen, die er maßgeblich begleitete entwickelte er das passende Wappentier, den "Adler-Schwan".

Verwaltungsdirektor mit Herz

Theodor Arnold war seit 1961 im Dienst der Stadt Villingen. Vorher hatte der die Verwaltungsarbeit in seiner Heimatstadt St. Georgen gelernt. Abseits seiner künstlerischen Tätigkeit widmete sich Arnold über Jahre dem Aufbau und der Pflege der Städtepartnerschaften von Villingen. So entstand die Partnerschaft mit Pontarlier auch durch seine vorhandenen Kontakte, die er als Soldat während des Zweiten Weltkriegs geknüpft hatte. Später engagierte er sich ebenfalls für die Partnerschaften mit La Valette und dem saarländischen Friedrichsthal. Auch die Städtefusion und Eingemeindungen bereitete Arnold als Verwaltungsdirektor mit vor und war dann für einige Zeit noch Hauptamtsleiter der neuen Doppelstadt Villingen-Schwenningen.

Sein Nachlass gibt uns nicht nur die Möglichkeit den "Verwaltungsdirektor mit Herz" kennenzulernen, wie er bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand genannt wurde. Er verschafft uns auch eine neue Perspektive auf die gesellschaftlichen und politischen Ereignisse in Villingen-Schwenningen in den 1960ern. Deshalb übernimmt das Stadtarchiv ergänzend zu den städtischen Akten immer wieder auch Nachlässe von wichtigen Persönlichkeiten.

Weihnachtsflair in Villingen? Archivale des Monats im Dezember

Das Archivale des Monats im Dezember verströmt Weihnachtsatmosphäre. Fast meint man den Duft des Glühweins in der Bude am Weihnachtsmarkt zu riechen und die mit Lichterketten geschmückten Tannenbäume lassen die ganze Villinger Innnenstadt gemütlich leuchten. Kalt war es im Dezember 1977 auch, denn der Film zeigt verschneite Dächer und Straßen. Die Filmaufnahmen eines privaten Filmemachers wurden dem Stadtarchiv überlassen und vermitteln ein eindrückliches Bild von der Innenstadt in den 1970ern. Vor dem Riettor stand noch das ZK Kaufhaus und der gesamte Verkehr floss durch das Bickentor und Riettor durch die Stadt. Wer für einen vorweihnachtlichen Einkaufsbummel durch die Läden schlendern wollte, musste also beim Überqueren der Straßen etwas aufmerksamer sein als heute. Erst im Jahr danach begann die Umgestaltung der Innenstadt mit der Fußgängerzone in der Rietstraße. Im Film versteckt sich allerdings auch eine Aufnahme, die gar nicht aus Villingen stammt. Wer erkennt in welcher Stadt der schöne Weihnachtsbaum ganz am Anfang des Films stand?

Startschuss - Joseph-Haberer-Preis 2024

Ab sofort können Schülerinnen und Schüler aus Villingen-Schwenningen Arbeiten für den Joseph-Haberer-Preis 2024 einreichen. Der Preis richtet sich an Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren. Sie können Arbeiten einreichen, die sich in Erinnerung an Joseph Haberer mit der Zeit des Nationalsozialismus in der Region auseinandersetzen. Der Teilnahmeschluss ist der 14. September 2024. Weitere Informationen zur Teilnahme finden sich unter Archiv und Schule.

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