An heißen Sommertagen ist ein Freibadbesuch kaum wegzudenken. Doch was heute selbstverständlich ist, war einst eine kleine Sensation. Das Archivale des Monats des Stadtarchivs wirft einen Blick auf die Anfänge der Freibadkultur in Villingen-Schwenningen – eine Geschichte von moorigem Wasser, revolutionären Ideen und der Freude am kühlen Nass.
Ende des 19. Jahrhunderts, als Schwimmen als körperliche Ertüchtigung populär wurde, entstanden die ersten Badeanstalten. Den Anfang machte 1877 das Schwenninger „Neckarbädle“. Von einer privaten Gesellschaft betrieben, wurde es direkt aus dem Schwenninger Moos gespeist - das Badevergnügen durch das braune Wasser und die kühlen Temperaturen getrübt. Auch kontinuierliche Verbesserungen konnten das Bad nicht retten: 1932 schloss es endgültig.
Auch in Villingen entstand 1883 ein Freibad an der Waldstraße, finanziert durch die Spar- und Waisenkasse. Dass es hier nicht nur um Spaß ging, zeigt eine Vorführung von Rettungsschwimmern im Jahr 1913. 1968 wurde das Gelände an die Firma Kienzle verkauft; heute befindet sich dort die Polizeiwache.
Einen naturheilkundlichen Ansatz verfolgte der Schwenninger Naturheilverein mit seinem 1908 eröffneten Licht-, Luft- und Sonnenbad. Die Gesundheit stand im Vordergrund: Daher gab es dort zunächst auch kein Schwimmbecken, aber ausleihbare Badewannen. Heute bietet das Sonnenbädle weiterhin Ruhe, Erholung und ein kleines Becken.
In Tannheim hatte man 1956 eine damals revolutionäre Idee: Ein Freibad sollte den Fremdenverkehr in dem kleinen, landwirtschaftlich geprägten Ort ankurbeln. Den Umstand, dass auch hier das Moorwasser dunkel und trübe war, vermarktete man geschickt als gesundheitlichen Vorteil.
Die Geschichte der ersten Freibäder zeigt den Wandel vom einfachen Badeplatz zur modernen Freizeit- und Sporteinrichtung. Geblieben sind jedoch der Wunsch nach Abkühlung, Bewegung, Erholung und gemeinsamer Zeit sowie die Herausforderungen rund um Wasserqualität, Betrieb und Finanzierung.


