Ein Auswandererschiff nach New York, ein Reisebuch und eine historische Zeitung: Das Archivale des Monats November führt in die Ausgabe der Zeitung „Der Schwarzwälder“ vom 26. März 1847. Sie zeigt, wie der Villinger Drucker, Zeitungsverleger und Buchhändler Ferdinand Förderer aktuelle Themen aufgriff und für sein eigenes Geschäft nutzte und wie seine Werbeanzeigen damals gestaltet waren.
In der Ausgabe warb die in Rottweil ansässige Auswanderungsagentur von C. G. Held für die Auswanderung nach Amerika. Angeboten wurden noch verfügbare und günstige Plätze auf einem Schiff, das demnächst nach New York auslaufen sollte. Förderer griff dieses Thema geschickt in einer eigenen Werbebeilage auf und machte auf ein neu erschienenes „Hand- und Reisebuch für Auswanderer aller Klassen und jeden Standes nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika […]“ aufmerksam. Selbstverständlich wurde darauf hingewiesen, dass selbiges Buch in Förderers Buchhandlung in Villingen erhältlich sei.
Ferdinand Förderer wurde 1814 in Villingen geboren und in Freiburg ausgebildet. 1839 gründete er die erste Zeitung Villingens, das „Gemeinnützige Wochenblatt für den Schwarzwald“, das später in „Der Schwarzwälder“ umbenannt wurde. Seinen Wunsch, die Zeitung selbst zu drucken, konnte er erst 1847 verwirklichen – nach umfangreichem und langwierigem Schriftverkehr mit den Behörden.
Förderer war ein Unterstützer der Revolution von 1848/49 und nutzte seine Zeitung und Druckerei auch zur Verbreitung revolutionärer Ideen. Gleichzeitig erwies er sich als geschäftstüchtiger Unternehmer. In seiner Zeitung warb er regelmäßig für Neuerscheinungen und Publikationen. Seine Buchhandlung selbst stand dabei nicht im Mittelpunkt, wurde meist lediglich als Verkaufsort genannt. Auch ein eigenes Logo oder einen markanten Schriftzug, wie sie heute zur Wiedererkennung eines Geschäfts üblich sind, verwendete Förderer nicht. Stattdessen experimentierte er mit unterschiedlichen Papierformaten und Schriftarten. Die Werbebeilagen waren teilweise kleiner, teilweise größer als das eigentliche Zeitungsformat und reichten gestalterisch von sachlich und zurückhaltend bis hin zu verspielt und verschnörkelt.
Nachdem ihm 1849 das Publizieren verboten worden war, konnte Förderer erst 1856 wieder als Herausgeber und Redakteur des „Schwarzwälders“ tätig werden. 1874 verkaufte er das Unternehmen. Gesellschaftlich blieb er weiterhin aktiv – unter anderem als langjähriges Mitglied des Gemeinderats, Mitstreiter für den Bau der Schwarzwaldbahn und Mitgründer der Städtischen Altertümersammlung.


