Was macht Villingen-Schwenningen auch in herausfordernden Zeiten zu einem starken Standort? Dieser Frage widmete sich der diesjährige Wirtschaftsempfang der Stadt. Anders als in den Vorjahren gab es keinen langen Fachvortrag und keine Podiumsdiskussion. Stattdessen stand das Netzwerken unter den Unternehmerinnen und Unternehmern im Vordergrund.
Begrüßt wurden die Gäste von Tobias Herrmann, Geschäftsführer der WIR Villingen-Schwenningen GmbH. Im Rahmen seiner Begrüßung gratulierte er Oberbürgermeister Jürgen Roth zur kürzlich erfolgten Wiederwahl. Zugleich erläuterte Herrmann das neue Konzept des Abends: Zuhören, Austausch und eine lockere Atmosphäre sollten den persönlichen Gesprächen Raum geben und neue Kontakte ermöglichen.
Oberbürgermeister Jürgen Roth blickte in seiner Ansprache auf die aktuellen Herausforderungen für Unternehmen und Kommunen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen veränderten sich in immer kürzeren Abständen. Pandemie, gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise, Inflation und eine schwächelnde deutsche Wirtschaft träfen auf tiefgreifende strukturelle Entwicklungen. Dazu gehörten die Transformation der Automobilindustrie, die Digitalisierung, der Einsatz Künstlicher Intelligenz, der Renteneintritt der Babyboomer und die zunehmende internationale Konkurrenz. Für den Wirtschaftsstandort bedeute dies, dass bisherige Gewissheiten nicht mehr selbstverständlich seien und Veränderungen schneller als bisher bewältigt werden müssten.
Gleichzeitig betonte Roth, dass in diesen Herausforderungen auch Chancen lägen. Entscheidend sei nicht allein die Frage, was die Zukunft für Villingen-Schwenningen bereithalte. Vielmehr müsse gemeinsam gestaltet werden, welche Zukunft die Stadt haben solle. Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei die Unternehmen vor Ort. Sie investierten, bildeten aus, entwickelten Innovationen und übernähmen Verantwortung für die Stadtgesellschaft. Die Verwaltung wiederum müsse verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und als Partnerin agieren, die Entwicklungen ermögliche.
Eine besondere Bedeutung maß der Oberbürgermeister den Heimattagen Baden-Württemberg bei, die im kommenden Jahr in Villingen-Schwenningen stattfinden werden. Heimat sei weit mehr als die Pflege von Traditionen oder der Blick zurück auf vergangene Zeiten. Sie entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen, Gemeinschaft stärkten und an die Zukunft glaubten. Vereine, Familien, Ehrenamtliche und Unternehmen trügen gleichermaßen dazu bei, dass Menschen sich mit einem Ort identifizierten und dort gerne lebten und arbeiteten. Im Foyer konnten sich die Gäste über die Heimattage informieren und sich darüber austauschen, was Heimat heute für Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Unternehmen bedeutet.
Mit Blick auf die kommenden Jahre stellte Roth heraus, dass ein starker Wirtschaftsstandort vor allem Entwicklungsmöglichkeiten brauche. Dazu gehörten ausreichend Gewerbeflächen, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur und eine moderne digitale Infrastruktur. Der geplante Lückenschluss der B 523 sei deshalb von großer Bedeutung. Auch die Gewinnung und Bindung von Fachkräften sei eine gemeinsame Aufgabe von Stadt und Unternehmen. Fachkräfte suchten heute nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern einen attraktiven Lebensort mit Betreuungsangeboten, Schulen, medizinischer Versorgung, Freizeitmöglichkeiten und hoher Lebensqualität. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung, neuen Wohnangeboten und dem Medizinischen Versorgungszentrum am Muslenplatz seien bereits wichtige Schritte umgesetzt worden.
Darüber hinaus seien eine funktionierende Infrastruktur und lebendige Innenstädte zentrale Voraussetzungen für die Zukunftsfähigkeit des Standorts. Investitionen in Straßen, Brücken und öffentliche Einrichtungen seien ebenso notwendig wie attraktive Orte für Begegnung, Aufenthalt und Handel. Stadtentwicklung sei daher immer auch Wirtschaftspolitik. Die Stadt setze dabei auf Veranstaltungen und neue Formate in den Innenstädten und wolle zugleich den Dialog mit den Unternehmen weiter stärken. Oberbürgermeister Roth rief die Gäste dazu auf, ihre Erfahrungen, Hinweise und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Gute Entscheidungen entstünden dort, wo die Verwaltung die konkreten Herausforderungen aus dem Alltag der Unternehmen kenne.
Zum Abschluss seiner Rede dankte Oberbürgermeister Jürgen Roth den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern für ihr Engagement und ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Stärke der Stadt:
„Heimat entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, investieren, ausbilden. Dort, wo Menschen an eine gemeinsame Zukunft glauben.“
Für das leibliche Wohl sorgte das Gasthaus Ochsen aus Schwenningen mit einem Buffet. Bei Getränken und in ungezwungener Atmosphäre nutzten die Gäste anschließend die Gelegenheit zu zahlreichen Gesprächen und neuen Kontakten.
