Wie wird aus einer alten Akte eine spannende Geschichte? Dieser Frage gingen angehende Stadtführerinnen und Stadtführer bei einem Besuch im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen nach. Amtsleiterin Ute Schulze führte die Gruppe durch verschiedene Bereiche des Archivs und erklärte, was ein kommunales Archiv bewahrt, wie die Unterlagen übernommen und erschlossen werden und wie Interessierte selbst recherchieren können.
An verschiedenen Stationen erhielten die Gäste einen Einblick in die tägliche Arbeit des Stadtarchivs. Ein Faksimile der Marktrechtsurkunde von 999 bildete den eindrucksvollen Einstieg. Im Zugangsarchiv wurde anschließend erläutert, wie städtische Unterlagen ihren Weg ins Archiv finden – und nach welchen Kriterien entschieden wird, welche Dokumente dauerhaft aufbewahrt werden.
Besonders anschaulich wurde die Arbeit mit historischen Quellen anhand eines Inventuren- und Teilungsbandes aus Schwenningen. Die angehenden Stadtführerinnen und Stadtführer konnten selbst erfahren, wie anspruchsvoll es sein kann, alte Schriften zu entziffern. Außerdem zeigte Ute Schulze, wie im Stadtarchiv digital recherchiert werden kann und wie sich die Signaturen der Bestände zusammensetzen. Auch der geplante Umzug des Stadtarchivs an den Oberen Brühl war Thema des Besuchs.
Für großes Staunen sorgte eine Inkunabel aus dem Jahr 1498. Das Buch stammt aus der frühen Zeit des Buchdrucks, enthält zahlreiche gedruckte und handkolorierte Abbildungen und befindet sich bis heute in einem bemerkenswert guten, unrestaurierten Zustand.
Der Besuch machte deutlich: Wer Stadtgeschichte vermitteln möchte, findet im Stadtarchiv eine Fülle an Originalquellen, Geschichten und Anregungen. So wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern unmittelbar erfahrbar.


