Die Stadt Villingen-Schwenningen trauert um ihre Ehrenbürgerin Liselotte Gebauer. Die langjährige Geschäftsführerin und prägende Persönlichkeit der Lebenshilfe Villingen-Schwenningen ist im Alter von 99 Jahren verstorben. Mit ihrem mehr als sechs Jahrzehnte währenden außergewöhnlichen Engagement für Menschen mit Behinderung hat sie das soziale Leben der Stadt nachhaltig geprägt und ein Lebenswerk geschaffen, das weit über ihre eigene Generation hinaus Bestand haben wird.
„Mit Liselotte Gebauer verliert unsere Stadt eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Sie hat ihr Leben einer Aufgabe gewidmet, die ihr zutiefst am Herzen lag, und sich mit einer Kraft, Beharrlichkeit und Menschlichkeit für Menschen mit Behinderung eingesetzt, die ihresgleichen sucht“, sagt Oberbürgermeister Jürgen Roth. „Was sie über Jahrzehnte aufgebaut und geprägt hat, ist beeindruckend. Die Lebenshilfe Villingen-Schwenningen ist heute ein fester und unverzichtbarer Bestandteil unserer Stadtgesellschaft – und ihr Wirken ist untrennbar mit dem Namen Liselotte Gebauer verbunden. Sie hat die Lebensbedingungen vieler Menschen und ihrer Familien nachhaltig verbessert und damit unsere Stadt ein Stück menschlicher gemacht. Dafür gebühren ihr unser größter Respekt und unsere tief empfundene Dankbarkeit. Als Ehrenbürgerin wird sie in Villingen-Schwenningen in besonderer Erinnerung bleiben.“
Liselotte Gebauer, geboren am 13. Dezember 1926 in Essen-Kray, gehörte zu den Initiatorinnen und Mitbegründerinnen des Ortsvereins der Lebenshilfe Villingen-Schwenningen, der am 7. Juli 1964 gegründet wurde. Von Beginn an engagierte sie sich in Schwenningen mit großer Tatkraft für den Aufbau der Lebenshilfe. Seit 1966 war sie ehrenamtliche Geschäftsführerin und prägte die Entwicklung des Vereins über Jahrzehnte hinweg entscheidend.
Die Anfänge waren bescheiden. In einer Baracke beim Bürgerheim nahm die Arbeit der Lebenshilfe ihren Anfang. Unter dem maßgeblichen Wirken von Liselotte Gebauer entwickelte sich daraus eine bedeutende caritative Einrichtung der Stadt. Kindergärten und Schulen, Werkstätten sowie Wohn- und Betreuungsangebote wurden aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt. Damit entstand eine Infrastruktur, die heute für Menschen mit Behinderung und ihre Familien selbstverständlich ist, damals jedoch erst geschaffen werden musste.
Liselotte Gebauer verstand ihr Engagement nicht als bloße Funktion. Sie brachte sich mit großer persönlicher Nähe und Überzeugung ein, übernahm Verantwortung und setzte sich beharrlich für die Anliegen der Menschen ein. Ihr Einsatz galt dabei den Menschen mit Behinderung wie ihren Familien. Noch im hohen Alter war sie täglich in ihrer Wirkungsstätte tätig und setzte sich für die Belange der Lebenshilfe ein.
Als Ehefrau des früheren Oberbürgermeisters Gerhard Gebauer war Liselotte Gebauer zugleich eng mit der Geschichte und Entwicklung der Stadt verbunden. Ihre eigene gesellschaftliche Bedeutung gründete jedoch vor allem auf ihrem außergewöhnlichen persönlichen Engagement. Sie nutzte ihre Möglichkeiten, um sich über Jahrzehnte für eine Aufgabe einzusetzen, die ihr besonders wichtig war, und wurde damit zu einer prägenden Stimme für die Belange von Menschen mit Behinderung in Villingen-Schwenningen.
Besonders bemerkenswert war, dass Gebauer ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin über Jahrzehnte ehrenamtlich ausübte. Ihre Arbeitskraft stellte sie unentgeltlich in den Dienst der Lebenshilfe. Auch zahlreiche Bauvorhaben und die Erweiterung der Angebote der Lebenshilfe begleitete und unterstützte sie mit großem persönlichem Einsatz.
Für ihr außergewöhnliches Wirken erhielt Liselotte Gebauer zahlreiche Auszeichnungen. Am 13. Dezember 1984 wurde ihr das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Am 15. Juni 2007 ernannte die Stadt Villingen-Schwenningen sie zur Ehrenbürgerin.
Die Stadt Villingen-Schwenningen wird Liselotte Gebauer in großer Dankbarkeit und ehrender Erinnerung behalten. Den Angehörigen gilt das aufrichtige Mitgefühl der Stadt Villingen-Schwenningen.
