Nach einer Sitzungsunterbrechung beschloss der Gemeinderat, das Projekt auf Grundlage einer noch zu finalisierenden Realisierungsvariante weiterzuführen. Diese soll die Aspekte Sport, Familie und Freizeit deutlich stärker berücksichtigen. Die überarbeitete Planung der Leistungsphase 2 soll dem Gemeinderat bis zum 18. November 2026 zur endgültigen Entscheidung vorgelegt werden, bevor weitere zusätzliche Planungskosten für die Anpassung der Realisierungsplanung in Höhe von 358.000 Euro freigegeben werden. Der Beschluss wurde mit 33 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung gefasst.
Kernvariante deutlich über dem Kostenrahmen
Ziel des gemeinsamen Bades ist es, die bestehenden, in die Jahre gekommenen Stadtteilbäder zu ersetzen, die Schwimmflächen und Nutzungszeiten deutlich auszuweiten und bessere Voraussetzungen für Schulen, Vereine, die DLRG sowie die gesamte Bevölkerung zu schaffen. Das neue Bad soll ein zentraler Ort für Sport, Bewegung, Gesundheit und Begegnung werden. Vorgesehen ist weiterhin eine Kombination aus Sport- und Freizeitbad – ausdrücklich kein reines Spaßbad.
Im Rahmen der bisherigen Leistungsphase 2 wurde die sogenannte Kernvariante detailliert untersucht. Sie umfasst unter anderem ein 50-Meter-Becken, ein 25-Meter-Becken, ein Mehrzweckbecken, ein Lehrschwimm- und ein Kinderbecken sowie einen umfangreichen Sauna- und Freizeitbereich. Die Kostenschätzung beläuft sich auf rund 71,3 Millionen Euro. Damit liegt die Variante rund 16 Millionen Euro über dem ursprünglich zugrunde gelegten Projektbudget von 55 Millionen Euro, wovon 50 Millionen Euro von der Stadt und fünf Millionen Euro von der BVS bereitzustellen sind.
Kompaktere Planung soll Kosten reduzieren
Um das Projekt wieder näher an den Kostenrahmen heranzuführen, wurde das Raumprogramm durch das Architekturbüro grundlegend überprüft. Die dabei vorgestellte Realisierungsvariante sieht ein kompakteres Gebäude, reduzierte Verkehrs- und Nebenflächen sowie gemeinsame Umkleide- und Sanitärbereiche vor. Im Sportbereich bleibt das 50-Meter-Becken mit acht Bahnen erhalten. Eine Hubwand und ein Hubboden ermöglichen eine flexible Nutzung – unter anderem für Schulschwimmen, Vereine und weitere Schwimmsportangebote. Das separate Lehrschwimmbecken entfällt.
Auch im Freizeitbereich sind weiterhin ein 25-Meter-Becken, ein Mehrzweckbecken sowie ein Kinderbecken vorgesehen. In der bisherigen Realisierungsvariante wurden unter anderem die große Rutsche, Whirlpools und eine Dampfkabine zurückgestellt. Insbesondere der Freizeit- und Saunabereich soll nun nach der intensiven Diskussion erneut betrachtet und im Hinblick auf seine Attraktivität für Familien, Kinder und Jugendliche überarbeitet werden.
Nach der derzeitigen Kostenprognose würde die Realisierungsvariante heute rund 52,9 Millionen Euro kosten. Einschließlich der erneuten Leistungsphase 2 ergibt sich ein Betrag von rund 53,3 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung angenommener Baukostensteigerungen liegt die Prognose bei rund 56,2 Millionen Euro. Werden Rutsche, Whirlpool und Dampfkabine einbezogen, ergeben sich rund 58,1 Millionen Euro – jeweils ohne zusätzliche Reserven für unvorhergesehene Aufwendungen.
Im Gemeinderat wurde auch darüber gesprochen, ob weitere Einsparungen beispielsweise beim Saunabereich oder bei der Photovoltaikanlage möglich wären. Ein vollständiger Verzicht auf den Saunabereich könnte die Investitionskosten nach Angaben der Bäder Villingen-Schwenningen um rund vier Millionen Euro reduzieren. Gleichzeitig würde damit jedoch ein Bereich entfallen, der Einnahmen erwirtschaften und zur Attraktivität des Bades beitragen soll. Auch eine mögliche Verpachtung oder der Betrieb durch einen privaten Investor wurde angesprochen, jedoch von Geschäftsführer der Bäder VS GmbH, Gregor Gülpen, als schwierig eingeordnet, da damit ein wichtiger Teil der Einnahmen wegfiele.
„Wir wollen ein Sport- und Freizeitbad für Villingen-Schwenningen und kein Spaßbad bauen“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roth deutlich. Gleichzeitig müsse das Bad aber auch für Familien attraktiv sein und langfristig ausreichend Einnahmen erzielen. Die Stadt müsse deshalb gemeinsam mit den Planern die richtige Balance zwischen Sport, Schule, Vereinen, Familie und Freizeit finden. „Das Geld ist endlich“, so Roth. Eine abschließende Aussage zur Einhaltung des Budgets sei erst nach der erneuten Leistungsphase 2 möglich.
Unterschiedliche Bewertungen im Gemeinderat
CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Sautter bezeichnete das Vorhaben als „exorbitant schwieriges Thema“. Die Kostenentwicklung stelle das Projekt vor große Herausforderungen. Zugleich müsse geklärt werden, ob die abgespeckte Variante noch dem Willen der Bürgerinnen und Bürger nach dem Bürgerentscheid entspreche. Ein attraktives und dauerhaft finanzierbares Gesamtangebot sei entscheidend.
Steffen Ettwein (Freie Wähler) machte deutlich, dass seine Fraktion grundsätzlich für ein gemeinsames Bad sei. Die derzeitige Realisierungsvariante berücksichtige aus seiner Sicht jedoch die Freizeit- und Familienangebote nicht ausreichend. Das Verhältnis zwischen Sport und Freizeit müsse verbessert werden, damit das Bad für alle Bevölkerungsgruppen attraktiv bleibe.
Frank Bonath (FDP) sprach sich dafür aus, die Realisierungsvariante weiterzuverfolgen. Sie stelle eine effiziente Weiterentwicklung dar und ermögliche es, die wesentlichen Ziele des Bürgerentscheids – mehr Wasserfläche und ein gemeinsames Bad – zu erreichen. Die Rutsche müsse aus seiner Sicht wieder eingeplant werden.
Anita Schaumann (AfD) betonte die Bedeutung des Schwimmenlernens und der zusätzlichen Wasserflächen. Zugleich müsse der Freizeitwert für Familien und Kinder erhalten bleiben. Sie sprach sich dafür aus, die Planung in diesem Bereich nachzubessern.
Auch aus Sicht des Jugendgemeinderats, dessen Vertreter Tim Dippong in der Sitzung war, sind attraktive Freizeitangebote unverzichtbar. Ohne entsprechende Elemente drohe das Bad zu einer reinen Stätte für Schule und Vereine zu werden. „Ein moderner Ort für Freizeit und Begegnung sieht für uns anders aus“, lautete die Einschätzung.
Fördermittel und weiteres Vorgehen
Geschäftsführer Gregor Gülpen berichtete außerdem über die erneute Ablehnung eines Förderantrags im Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Als Begründung wurde unter anderem angeführt, dass es sich bei dem Vorhaben nach den bisherigen Angaben um einen Neubau und nicht um den Ersatz einer bestehenden baulichen Anlage handle. Ein weiterer Förderaufruf wird erwartet; voraussichtlich im März 2027 soll eine Entscheidung über die nächste Fördermittelrunde fallen.
Oberbürgermeister Roth verwies zugleich auf den bestehenden Zeitdruck, insbesondere mit Blick auf den baulichen Zustand des Villinger Hallenbads. Der letzte Revisionsbericht sei zwar positiv gewesen, doch bei einem 60 Jahre alten Bad wisse man nie, wann dann doch eine Havarie drohe, mahnte OB Roth an. Eine abschließende Entscheidung über die überarbeitete Realisierungsvariante soll der Gemeinderat am 18. November 2026 treffen. Dabei wird der gesamte Freizeitbereich explizit erneut in die Überlegungen einbezogen, um den Bedarfen von Familien und Jugendlichen gerecht werden zu können.
Zur Beschlussvorlage, die in Form einer Präsentation eingebracht wurde.
