Die Untersuchungen an der Bertholdbrücke haben die erheblichen Schäden, vor allem am südlichen Teil der Brücke, bestätigt. Betroffen sind unter anderem die Spannglieder im Inneren des Betons, die dafür sorgen, dass die Brücke ihre Last tragen kann. Deshalb bereitet die Stadt jetzt die nächsten Schritte vor: eine weitere statische Untersuchung, den Rückbau und den Ersatzneubau der Brücke. Der Gemeinderat hat dafür in seiner Sitzung am 30. September die notwendigen Beschlüsse gefasst.
Für den notwendigen Ersatzneubau hat der Gemeinderat bereits insgesamt 25 Millionen Euro in der Finanzplanung vorgesehen.
Ziel ist es, die Auswirkungen auf den Verkehr während der Bauzeit möglichst gering zu halten. Wenn die statische Untersuchung bestätigt, dass der nördliche Teil der Brücke weiterhin genutzt werden kann und beide Brückenteile voneinander getrennt werden können, soll zunächst der südliche Teil abgebrochen und neu gebaut werden. Der Verkehr könnte während dieser Zeit über den nördlichen Teil weiterlaufen. Sobald der neue südliche Teil fertig ist, könnte der Verkehr dorthin verlegt werden. Anschließend würde der nördliche Teil abgebrochen und ebenfalls neu gebaut.
Ob dieser Bauablauf tatsächlich möglich ist, wird die jetzt beauftragte statische Untersuchung klären. Dabei wird geprüft, wie belastbar die beiden Brückenteile, insbesondere auch im Hinblick möglicher Schneelasten, noch sind und ob sie voneinander getrennt werden können. Außerdem wird untersucht, ob eine vorübergehende Abstützung des südlichen Teils notwendig wird.
Die Ergebnisse der Untersuchung durch das Ingenieurbüro Weber werden voraussichtlich im Dezember 2026 vorliegen. Die Untersuchung dient dabei nicht nur der weiteren Planung, sondern vor allem der Sicherheit von Verkehr und Bahnbetrieb.
Für die Rückbauarbeiten soll möglichst das mit der Deutschen Bahn abgestimmte Zeitfenster vom 9. Juli bis 13. September 2027 genutzt werden.
Zentrale Steuerung durch einen Generalübernehmer
Oberbürgermeister Jürgen Roth kündigte an, dass die Stadt die Umsetzung möglichst über einen Generalübernehmer organisieren möchte. Damit sollen Planung und Bau sowie die notwendigen Abstimmungen zentral gesteuert werden. Gerade die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die Brücke liegt über aktiven Bahngleisen. Deshalb müssen Arbeiten und Sperrzeiten mit der Deutschen Bahn langfristig abgestimmt werden. Für das bereits vorgesehene Zeitfenster vom 9. Juli bis 13. September 2027 benötige die Deutsche Bahn rund sechs Monate, um die Genehmigung zu erteilen. Aus Sicht von Oberbürgermeister Jürgen Roth sind diese langen Genehmigungs- und Abstimmungsfristen problematisch, weil sie die Umsetzung großer Bauprojekte erheblich verlangsamen können. Wegen der sicherheitsrelevanten Situation und der Lage der Brücke über den Bahngleisen soll geprüft werden, ob ein beschleunigtes Vergabeverfahren möglich ist.
Ein Generalübernehmer soll deshalb möglichst viele Aufgaben und Schnittstellen aus einer Hand koordinieren. Dazu gehören auch die Abstimmungen mit der Deutschen Bahn. Ziel ist es, die vorhandenen Zeitfenster bestmöglich zu nutzen und unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Denn nicht jede Verzögerung bei einem solchen Projekt liegt in der Hand der Stadt. Gerade bei Arbeiten im Umfeld der Bahn bestimmen auch externe Vorgaben, Genehmigungen und Sperrzeiten den zeitlichen Ablauf.
Eine Brücke aus den 1970er-Jahren
Die Bertholdbrücke wurde 1972 gebaut. Seitdem haben sich die Anforderungen an Brücken deutlich verändert. Fahrzeuge sind schwerer geworden. Gleichzeitig ist vor allem der Straßengüterverkehr stark gewachsen.
Das zeigen auch die Entwicklungen bei den Lasten: Die dargestellten Lastannahmen für schwere Fahrzeuge reichen von 15 Tonnen im Jahr 1925 bis zu 44 Tonnen bei heutigen Fahrzeugen. Die Transportleistung des Straßengüterverkehrs ist zwischen 1991 und 2019 um rund 103 Prozent gestiegen.
Die Bertholdbrücke wurde nach den Normen und Lastannahmen ihrer Bauzeit geplant. Nach heutiger Einschätzung verfügt sie deshalb vermutlich nicht über ausreichende Reserven für die aktuellen Belastungen.
Der Ersatzneubau soll deshalb nach den heutigen technischen Anforderungen und für die heutigen Verkehrsbelastungen geplant werden.
Diskussion im Gemeinderat
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Bertholdbrücke auch Fragen zum bisherigen Umgang mit der städtischen Infrastruktur aufwirft. Dirk Gläschig (Freie Wähler) sprach mit Blick auf die Vorlage von einer bedrückenden Situation und forderte, die Ursachen und Abläufe insgesamt aufzuarbeiten. Olaf Barth (AfD) kündigte Zustimmung an, verwies aber ebenfalls auf die noch zu klärende Frage nach der Verantwortung und fragte nach den personellen Kapazitäten der Stadt bei Brückenprüfungen. Die Verwaltung erläuterte, dass die Prüfungen bereits deutlich ausgeweitet und weiterhin durch externe Fachbüros unterstützt würden.
Nicola Schurr (SPD) richtete den Blick vor allem nach vorn. Angesichts der Erfahrungen mit anderen Brücken müsse die Stadt ihre Infrastruktur systematischer im Blick behalten und gegebenenfalls künftig auch entsprechende Rücklagen bilden. Steffen Ettwein (Freie Wähler) forderte eine noch stärkere Auseinandersetzung mit Verantwortung und den Entscheidungen der Vergangenheit. Es müsse auch kritisch hinterfragt werden, warum notwendige Untersuchungen nicht früher erfolgt seien.
Oberbürgermeister Jürgen Roth räumte ein, dass bei der Bertholdbrücke rückblickend „viele Dinge schief gelaufen“ seien. Entscheidungen hätten die Lebensdauer der Brücke teilweise verkürzt. Zugleich betonte er, dass die Stadt die Situation inzwischen umfassend aufgearbeitet und offengelegt habe. Die Erkenntnisse müssten nun dazu führen, künftig anders vorzugehen.
Der Gemeinderat stimmte dem weiteren Vorgehen schließlich einstimmig bei einer Enthaltung zu (31 Ja-Stimmen, 1 Enthaltung)





