Verletzte Menschen, Rauchentwicklung, eingeklemmte Personen und zahlreiche Einsatzkräfte, die gleichzeitig handeln müssen: Was am Samstag, 10. Oktober, am westlichen Bahnübergang an der Mühlenstraße in Villingen zu sehen war, wirkte wie ein schweres Unglück. Doch das Szenario war eine aufwendig vorbereitete Übung – mit einem klaren Ziel: Im Ernstfall müssen alle Handgriffe sitzen und die Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg funktionieren. Insgesamt 188 Personen wirkten an der Großübung mit. Dass eine solche Übung mit so vielen Beteiligten aus unterschiedlichen Organisationen geplant und umgesetzt werden konnte, ist eine besondere Leistung gemeinsamer Vorbereitung und Zusammenarbeit.
Federführend für die Planung und Organisation war das Amt für Feuerwehr-, Brand- und Bevölkerungsschutz der Stadt Villingen-Schwenningen. Gemeinsam mit den beteiligten Organisationen bereitete es die Übung rund sechs Wochen lang vor. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Alarmierungs- und Kommunikationswege, die Weitergabe von Informationen sowie die Abstimmung der Abläufe. Ziel war es, das Zusammenspiel unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu trainieren und Erkenntnisse für einen möglichen Ernstfall zu gewinnen.
An der Übung beteiligt waren die Deutsche Bahn, die Feuerwehr Villingen-Schwenningen mit den Abteilungen Villingen und Rietheim, der Kreisverband Villingen-Schwenningen des Deutschen Roten Kreuzes, das DRK-Simulationszentrum Baden, die Bundespolizei und das Technische Hilfswerk (THW). Zahlreiche Einsatzkräfte, Helfer und Statisten trugen dazu bei, das angenommene Schadensereignis möglichst authentisch darzustellen. Unterstützt wurde die Übung durch die Firma LCV, die ihr Firmengebäude zur Verfügung stellte sowie die SBG Südbadenbus GmbH, die den Bus zur Verfügung stellte.
Das Szenario ging von einer Kollision eines Zuges mit einem Pkw und einem Bus an einem Bahnübergang aus. Für die Übung wurde ein ICE angeliefert. Möglich war dies, weil die Bahnstrecke aufgrund von Bauarbeiten derzeit gesperrt ist. So konnten die beteiligten Organisationen das komplexe Einsatzgeschehen unter Bedingungen trainieren, die im regulären Bahnbetrieb nicht möglich gewesen wären.
Mehr als 25 Personen im Zug, zehn Businsassen und zwei Menschen im Pkw waren betroffen. Im Frontbereich des Zuges wurde eine Rauchentwicklung dargestellt. Verletzte mussten versorgt, eingeklemmte Personen aus dem Pkw technisch gerettet und Menschen aus dem Zug in Sicherheit gebracht werden. Gleichzeitig galt es, die Insassen des Busses zu betreuen.
Besonders eindrücklich war die realistische Darstellung der Verletzungen. Statisten des Roten Kreuzes wurden professionell mit unterschiedlichen Verletzungsbildern geschminkt. Die realitätsnahe Inszenierung machte das Ausmaß des angenommenen Unglücks für die Beteiligten unmittelbar erlebbar. Die Vielzahl und Schwere der dargestellten Verletzungen stellte nicht nur die medizinischen Abläufe auf die Probe, sondern machte die Übung auch zu einer psychischen Herausforderung für die Einsatzkräfte. Die Großübung diente zudem als Abschlussübung eines Kurses für angehende Notärzte. Sie mussten die Verletzten im Rahmen des Szenarios sichten und nach der Dringlichkeit ihrer medizinischen Versorgung triagieren. Damit konnten sie die Einschätzung und Priorisierung von Patienten unter Bedingungen trainieren, die einem komplexen Schadensereignis möglichst nahekommen.
Auch die Versorgung der Verletzten wurde umfassend vorbereitet: Vor dem Gelände der Kutmühle errichteten das Deutsche Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk eine Notfallversorgung mit den dafür benötigten Zelten und medizinischen Instrumenten. So konnten auch die Abläufe zur Versorgung und Betreuung einer größeren Zahl verletzter Personen praktisch erprobt werden.
Während der gesamten Übung dokumentierten zahlreiche Beobachter von Bahn, Feuerwehr und Rotem Kreuz die Abläufe genau. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in eine detaillierte Evaluation ein. Dabei wird analysiert, welche Prozesse bereits gut funktioniert haben und an welchen Stellen Abläufe weiter verbessert werden können.
Übungsleiter Stephan Groß vom städtischen Amt für Feuerwehr-, Brand- und Bevölkerungsschutz zog unmittelbar nach Abschluss eine positive erste Bilanz: „Die Alarmierung und Kommunikation unter den Organisatoren hat gut funktioniert. Jetzt geht es in die Analyse, um Erkenntnisse zu gewinnen, welche Abläufe noch optimiert werden müssen.“
Auch Oberbürgermeister Jürgen Roth machte sich vor Ort ein Bild von der Großübung. Im Anschluss dankte er allen Beteiligten für ihren Einsatz und die gemeinsame Vorbereitung: „Dankeschön für den beeindruckenden Aufbau des Szenarios. Wir haben ein ungewöhnliches Bild erlebt, was wir gerne üben, aber niemals erleben wollen. Es ist wichtig, dass wir den Ernstfall miteinander üben konnten.“
Die Übung hat eindrücklich verdeutlicht, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung und das abgestimmte Handeln aller Beteiligten sind. Gerade bei komplexen Schadenslagen müssen Informationen schnell weitergegeben, Zuständigkeiten geklärt und Maßnahmen koordiniert werden. Die detaillierte Auswertung soll nun dazu beitragen, die Zusammenarbeit weiter zu stärken und die beteiligten Organisationen für einen möglichen Ernstfall bestmöglich vorzubereiten.
