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Bodenschutzkalkung im Stadtwald

20.08.2019


Foto: Regierungspräsidium Freiburg

»Die bundesweite Bodenzustandserhebung II hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldflächen die Situation hinsichtlich pH-Wert, Basensättigung, Kohlenstoffspeicherung, Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen, auf durch Menschen verursachten versauerten oder zur Versauerung neigenden Waldböden, deutlich verbessert«, so Forstamtsleiter Dr. Tobias Kühn Kühn. »Klimastabile Wälder sind natürliche Wasserfilter und Garant für sauberes Grundwasser. Über 70 Prozent unseres Trinkwassers kommt aus dem Wald.«

Bodenschutzkalkung im August im VS-Wald

Voraussichtlich ab Montag, 19. August, findest deshalb in den südwestlichen Revieren des Stadtwaldes eine Bodenschutzkalkung per Hubschrauber statt. Die zu kalkenden Waldgebiete reichen von Tannheim im Süden bis nach Villingen im Norden. Die L 181 begrenzt die Kalkungsfläche im Osten. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme mindestens acht Wochen in Anspruch nehmen. In dieser Zeit kann es zu Wegesperrungen kommen. Es ist mit einem erhöhten LKW-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie gelegentlich herabstürzenden Klumpen verbackenen Kalkstaubs aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen und es könnte staubig werden. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial besteht nicht.

»Mit der Ausbringung von Kalk soll die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden unterstützt werden. Eine gute Basis für klimastabile Wälder, die viele wichtige Funktionen haben, beispielsweise als Wasserfilter und Erholungsraum«, betont der Forstamtsleiter.

Baden-Württemberg setzt seit Mitte der 1980er Jahre Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser für die Bodenschutzkalkung ein, die entweder mit Hubschrauber ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen werden.

Vitalität der Wälder erhalten

In den Bereichen, in denen der Stadtwald Villingen-Schwenningen gekalkt wird, sind die Böden aus Buntsandstein sehr basenarm, was durch die Einträge von Luftschadstoffen weiter verschlechtert wurde. Der Säureeintrag hat zur Auswaschung von Nährelementen wie Magnesium geführt, aber auch bedenkliche Elemente wie Aluminium mobilisiert. Durch die Kalkung soll dieser Auswaschungsprozess gestoppt werden und damit sowohl die Vitalität der Wälder als auch die Qualität des Trinkwassers nachhaltig positiv beeinflusst werden.

Im Oberboden hat sich durch bereits durchgeführte Kalkungen die Situation schon deutlich verbessert, jetzt geht es um die tieferen Bodenschichten. »Der Boden hat ein langes Gedächtnis«, spielt Kühn auf die Luftschadtsoffe an, die seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert durch den Regen in die Böden kamen. Durch die Entschweflung der Kohlekraftwerke, schwefelarmes Heizöl und schwefelarmer Dieselkraftstoff sowie Katalysatoren in den Fahrzeugen sei die Luftqualität im Vergleich zu den 1980er Jahren schon erheblich besser geworden. Aber in den Böden sei dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.

Das VS-Forstamt rechnet mit einer weiteren Kalkungsaktion in einigen Jahren auf Flächen, die in diesem Jahr noch nicht kalkungsnotwendig sind. Dann, so die Hoffnung der Forstleute, habe man einen Zustand erreicht, der keine weitere Kalkgabe erfordere.

Es handelt sich um eine EU-kofinanzierte Maßnahme.

Hintergrundinformationen

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 39 Prozent von Wald bedeckt.

Bodenversauerung

Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbstständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit dem Kalkungskonzept von ForstBW soll ein natürlicher Bodenzustand, als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den bevorstehenden Klimawandel, erreicht werden.

Bodenschutzkalkung im Stadtwald Villingen-Schwenningen

Die Planung, Ausschreibung und Überwachung der Durchführung übernimmt die Untere Forstbehörde der Stadt Villingen-Schwenningen. Für die Planung der Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche in einem GIS-System erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen und durch mehrere hundert Bodenproben im Staats- und Privatwald ergänzt. Auf diesen Grundlagen werden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage der Kalkungsmaßnahme dienen. Darin sind bereits Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasser-behörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme vor Ort von den Forstleuten überwacht.

Förderung für Waldbesitzende

Die Europäische Union fördert die Bodenschutzkalkung für Waldbesitzende unter 30 Hektar mit 100 Prozent der entstehenden Kosten. Lediglich die Umsatzsteuer ist nicht förderfähig und muss vom Eigentümer selbst getragen werden. Waldbesitzende über 30 Hektar werden mit 90 Prozent der Nettokosten gefördert. Die Preise differieren je nach Ausbringungsverfahren, sowie dem ausgebrachten Material. In befahrbaren Lagen (Hanglagen bis 30 Prozent) mit einem gut ausgebauten Wegenetz (Gassenabstand von max. 40 bis 60 Meter) kann ein Bodenverblasefahrzeug eingesetzt werden. In schwer befahrbaren Lagen (Hanglagen über 30 Prozent oder unzureichender Feinerschließung) kommen Hubschrauber zum Einsatz, was die Ausbringung um bis zu einem Drittel verteuern kann.

Förderanträge und weitere Unterlagen sind bei der unteren Forstbehörde erhältlich.

 

Weitere Informationen zum Thema Wald finden sich auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de sowie auf den Seiten des Landesbetriebs ForstBW unter www.forstbw.de

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