Villingen-Schwenningen

Villingen-Schwenningen

| Navigation | Inhalt


Auf der Spur von Kriegsgefangenen und 'Fremdarbeitern'

14.11.17 | Von: Referat des Oberbürgermeisters

Dr. Heinrich Maulhardt (links im Bild) zeigte den Schülern und Studenten aus Tula und VS auf dem heutigen Mangin-Gelände, wo sich dort im Zweiten Weltkrieg das Kriegsgefangenenlager Stalag Vb befunden hat.

Eine spannende Reise zurück in die Vergangenheit unternahmen am Montag Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Romäusring und 13 Schüler und Studenten aus Villingen-Schwenningens russischer Partnerstadt Tula. Dr. Heinrich Maulhardt, Leiter des Amtes für Archiv und Dokumentenmanagement, führte die Gruppe über das Gelände des ehemaligen Villinger Kriegsgefangenenlagers Stalag Vb. Im Zweiten Weltkrieg befand sich dieses Mannschaftsstammlager dort, wo sich heute Teile der Lyautey- und Mangin-Areale befinden. Zwischen 2.000 bis 4.000 Gefangene und 'Fremdarbeiter' – die meisten von ihnen aus der Sowjetunion – waren im Stalag Vb und dessen Außenstellen untergebracht, erklärte der Stadtarchivar.

Von der damaligen Bebauung mit Holzbaracken ist heute allerdings nichts mehr zu sehen, einzig die massive, aus Beton gebaute Kommandantur, die später auch von den französischen Streitkräften genutzt wurde,  ist erhalten geblieben. Dr. Heinrich Maulhardt erläuterte den Schülern und Studenten vor Ort, dass die Gefangenen von hier aus zu Arbeitseinsätzen in Handwerks-, Industrie- und landwirtschaftlichen Betrieben verbracht wurden. In Villingen befanden sich auch viele wichtige Rüstungsbetriebe, die einen hohen Bedarf an Arbeitskräften hatten. Wurden zu Beginn des Krieges vor allem Polen, Franzosen, Holländer und Belgier im Stalag Vb gefangen gehalten, kamen später Sowjets, Briten, Serben und nach dem Seitenwechsel Roms im Herbst 1943 auch vermehrt Italiener unfreiwillig als Militärinternierte hierher. Nach ihrer Befreiung durch die Alliierten 1945 wurden die Gefangenen wieder in ihre Heimatländer repatriiert. Den sowjetischen Bürgern drohte dort allerdings oft eine harte Strafe, da Stalin in ihnen Verräter sah. 

Die Schüler und Studenten aus Tula und Villingen-Schwenningen sind Teil des gemeinsamen Geschichtsprojektes 'Krieg und Frieden heute', das sich auf das vor den Toren Tulas gelegene Gut 'Jasnaja Poljana' Leo Tolstois und dessen weltbekannten Roman 'Krieg und Frieden' bezieht. Das Gut wurde im Zweiten Weltkrieg kurze Zeit von der deutschen Wehrmacht besetzt. Mit dem Projekt soll das Geschichtsbewusstsein der Teilnehmer gestärkt und gleichzeitig ein verbindender Ansatz für eine gemeinsame Friedensperspektive gefunden werden. Das Material und die Zeitzeugenberichte, die die Projektteilnehmer sammeln, sollen später in eine Ausstellung und eine zweisprachige Veröffentlichung münden.

Kontakt

Stadt Villingen-Schwenningen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Hausanschrift
Münsterplatz 7/8
78050 Villingen-Schwenningen

Postanschrift
Postfach 1260
78002 Villingen-Schwenningen

Telefon 07721 / 82-2020
Telefax 07721 / 82-2007
E-Mail: pressestelle@villingen-schwenningen.de

Pressesprecherin:
Oxana Brunner

© 2017 Stadt Villingen-Schwenningen