Villingen-Schwenningen

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Nutzfunktion - Rohstoff Holz

Holzpolter
Holzpolter

Mit Beginn der Sesshaftigkeit der Menschen bekam der Wald eine bedeutende Aufgabe als 'Rohstofflager'. Waren zuvor nur die Jagdmöglichkeiten im Wald für die Menschen wichtig, rückte mit dem Siedlungsbau der Baustoff Holz und der Brennstoff Holz in den Blickpunkt.

In mehreren Rodungswellen wurde dem Wald rund 70% der Fläche abgetrotzt und für die Landwirtschaft und die Siedlungen nutzbar gemacht. Etwa um das 13. Jahrhundert war die heutige Wald-Offenlandverteilung geschaffen, in den Mittelgebirgen, wie dem Schwarzwald blieben noch länger geschlossene Waldgebiete erhalten.

Der menschliche Einfluss auf den Wald um Villingen-Schwenningen dürfte zunächst im Schwenninger Raum stärker gewesen sein: die Römerstraße, römische Gutshöfe und später die keltischen Siedlungswellen haben den Wald auf den fruchtbaren Böden schon früh zurückgedrängt. In Villingen ist ein stärkerer Einfluss auf den Wald erst im Zuge der Bevölkerungszunahme im späten Mittelalter ab etwa 1200 nach Christus (1199: Bau der befestigten Villinger Stadtanlage auf dem westlichen Brigachufer) zu beobachten. Holz wurde für den Bau und Ausbau der Stadt erforderlich ebenso war es als Brennstoff unersetzbar. Brennholz wurde mit Karren in die Stadt gefahren, aber auch auf den Bächen in die Stadt getriftet, bspw. auf Kirnach und Brigach oder dem Wieselsbach. Eine weitere, frühe Nutzfunktion des Waldes war die Beweidung mit Vieh. Bis zu 50 Stück Großvieh wurden pro 100 Hektar Waldfläche gehalten – mit verheerenden Folgen für den Wald: großflächig wurde natürliche Verjüngung abgeweidet und die Oberböden durch Viehtritt verdichtet. Bereits um das Jahr 1300 wird von großflächiger Waldweide bei Villingen berichtet, erst um 1840 konnte die Stall- und Weidehaltung außerhalb des Waldes durchgesetzt werden.

Die Brennholzproduktion ging im Stadtwald mit Beginn der Industrialisierung durch Eisenbahnbau und Steinkohlelieferungen zurück, die Bedeutung von Bauholz, also Balken und Brettern, nahm dagegen beständig zu.

Der Stadtwald besteht heute überwiegend aus Nadelholz. Das Nadelholz ist durch seinen engringigen und gleichmäßigen Jahrringaufbau bei den Sägewerken sehr begehrt, weil daraus hochwertige Verwendungen, auch im Sichtholzbau, möglich sind. Die Holzkunden des Stadtwaldes kommen überwiegend aus Baden-Württemberg. Dadurch verbleibt auch die Wertschöpfung in der Region und wird nicht exportiert.

Relativ neu ist die zunehmende Nachfrage nach Brennholz. Bedingt durch steigende Öl- und Gaspreise erinnern sich immer mehr Bürger an Holz als regenerative und CO²-neutrale Energiequelle. Das Forstamt vergibt „Selbstwerberschläge“ an Bürger, die das in den Hieben nicht aufgearbeitete Holz zu Brennholz aufbereiten wollen und können. Dafür sind allerdings einige Werkzeuge und Sicherheitsausrüstung erforderlich sowie ein zweitägiger Motorsägenkurs. Wer etwas weniger Mühe bei der Brennholzgewinnung haben will, kann beim Forstamt auch auf 2 Meter abgelängtes Nadelholz frei Forststraße kaufen. Dann entfällt das  mühsame Herausziehen an die Forststraße, allerdings muss auch ein höherer Preis bezahlt werden.

Im Abstand von 10 Jahren wird der komplette Stadtwald einer Inventur auf der Basis permanenter Stichproben unterzogen. Aus den dort ermittelten Holzvorräten und dem bei der Inventur festgestellten Zustand der Wälder wird ein Hiebsatz hergeleitet. Die aktuelle Inventur datiert vom 01. Januar 2002, der dort festgelegte Hiebsatz beträgt 52.000 Festmeter pro Jahr. In der turnusgemäßen Zwischenrevision zum 01. Januar 2007 wurde der Hiebsatz aufgrund der hohen Holzvorräte auf  58.000 Festmeter pro Jahr angehoben. Dieser Jahreseinschlag besteht zu rund 80% aus Stammholz und wird an Unternehmen der Sägeindustrie verkauft. Daraus entstehen vor allem hochwertige Produkte rund um den Hausbau. Die verbleibenden 20% des Holzeinschlages gehen zu rund zwei Dritteln an die Papierindustrie, der verbleibende Rest wird als Brennholz sowohl an Kleinabnehmer als auch an die Pelletindustrie veräußert.

Damit werden für die Stadt Villingen-Schwenningen jährliche Nettoüberschüsse erzielt, die der Allgemeinheit zu Gute kommen.

Kontakt

Forstamt der Stadt Villingen-Schwenningen

Amtsanschrift:
Waldstraße 10
78048 Villingen-Schwenningen

Postanschrift:
Postfach 1260
78002 Villingen-Schwenningen

Telefon 07721 82-1501
Telefax 07721 82-1507
E-Mail: forstamt@villingen-schwenningen.de

Amtsleiter: Dr. Tobias Kühn

Öffnungszeiten:
Mo - Do: 07:30 - 12:00 Uhr und 13:30 - 16:30 Uhr
Fr: 07:30 - 14:00 Uhr

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