Villingen-Schwenningen

Villingen-Schwenningen

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Zeittafel für Schwenningen bis 1972

Bis 9000 Jahre vor Christus – ausklingende Altsteinzeit
Aus der Altsteinzeit gibt es Tierfunde im Gewann Kessel (Ren und Wollnashorn) und in der Ziegelgrube (Mammuts).

8000 Jahre vor Christus – Mittlere Steinzeit
Bei Grabarbeiten in der Seestraße, Ecke Brühlstraße fand man Skeletteile eines Urrindes. Die Pfeilspitze eines mittelsteinzeitlichen Jägers steckte noch in der linken Beckenschaufel.

5200 Jahre vor Christus – Jungsteinzeit
Im Gewann Dickenhardt entdeckte Dr. Rudolf Ströbel sechs Müllgruben und mehrere Pfostenlöcher von Häusern der jungsteinzeitlichen Bandkeramiker. Schwenningen ist bis heute die südlichste Fundstelle der bandkeramischen Kultur östlich des Schwarzwaldes.

1500 Jahre vor Christus – Mittlere Bronzezeit
Beim Torfstechen im Schwenninger Moos wird eine mittelbronzezeitliche Axt entdeckt,
vermutlich eine Opfergabe.

1600–800 vor Christus – Mittlere Bronzezeit–Späte Bronzezeit
Bronzezeitliche Hügelgräber wurden im Fesenwald entlang eines vorgeschichtlichen Kammweges und im Saubühl entdeckt.

1000 vor Christus – Späte Bronzezeit
Im Schwenninger Moos wurde ein Griffzungenschwert geborgen, vermutlich eine Opfergabe an die Moorgottheiten. Funde aus der gleichen Zeit gab es auch beim Krankenhaus und am Bettelenplatz.

800–500 Vor Christus – Hallstattzeit
Im Dickenhardt, im Bereich des Fundplatzes von den jungsteinzeitlichen Müllgruben und Hauspfosten, beerdigten Menschen der Hallstattzeit ihre Toten. Diesen Grabhügel hat 1912 Hermann Rupp untersucht. Aus dieser Zeit stammt der Grabhügel am Fuße des Türnlebergs mit einem Durchmesser von 34 Metern.

73/74 nach Christus
Die Römerstraße führt durch Schwenningen, ungefähr entlang der Heerstraße, Schopfelenstraße, Römerstraße, Arnimstraße Richtung Zollhaus. Über den Neckar gelangt man durch eine Furt in der Nähe des heutigen Trossinger Bahnhofs. Dr. Rudolf Ströbel fand dort noch die Platten für die Karren und die Widerlager für den Fußgängersteg. Im Schwenninger Moos wurden römische Münzen gefunden.
 
um 500
Nördlich des Marktplatzes, auf der Flur 'Lehr' – zwischen Spittel- und Sturmbühlstraße –, entdeckten Hermann Rupp und Dr. Rudolf Ströbel (1934) ein alemannisches Gräberfeld. In einem Grab lag eine Frau, deren Schmuck u. a. Mantelschließen aus Gold und Alamandinen enthielt.
 
817
Es hat lange gedauert, bis sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die erste urkundliche Erwähnung von Schwenningen in der am 4. Juni 817 vom Kaiser Ludwig I. gesiegelten Urkunde geschah. Der Kaiser überträgt in ihr alle bisher den namentlich genannten sieben Grafen zustehenden Zins-, Tribut- und sonstigen Einnahmen aus 47 Hofgütern dem Kloster St. Gallen.
 
ca. 890/895
Herzogin Swanila schenkt ums Jahr 890 die Schwenninger Vinzenzkirche in Unterschwenningen dem Chorherrenstift zu Zürich. König Arnulf schenkt 895 die Michaelskirche in Oberschwenningen seinem Kanzler Ernust. Ernust schenkt Oberschwenningen vermutlich später an das Kloster Reichenau.
 
1212
Um die Jahrhundertwende wird ein Ordenshaus der Johanniter gegründet. Schwenningen gehört damit zu den ersten Ordensniederlassungen im südwestdeutschen Raum. Das Spital der Johanniter liegt in der heutigen Spittelstraße. Graf Heinrich von Fürstenberg verlegt 1225 das Johanniterhaus nach Villingen.
 
1283
König Rudolf I. beurkundet am 4. Dezember 1282 den vor ihm ergangenen Rechtsspruch, dass keine Reichsgrafschaft ohne königliche Erlaubnis geteilt oder veräußert werden dürfe und verleiht aufgrund dessen am 18. Januar dem Grafen Heinrich von Fürstenberg die Grafschaft Baar, welche vorher Hermann von Sulz innehatte.
 
1444/47
Schwenningen kommt auf Umwegen zu Württemberg. Dieser Prozess beginnt damit, dass sich 1441 Jakob von Falkenstein 26 fl für den Kauf eines Pferdes von seinem Schwiegervater Brun von Kirneck leiht, wofür er 2 Malter Vesen Gült von seinen Gütern in Flözlingen und Schwenningen verpfändet. Schwenningen hatte er als Lehen von den Fürstenbergern bekommen. 1444 verkauft Conradt von Falkenstein Graf Ludwig von Württemberg die eine Hälfte des Ortes. Drei Jahre später verkaufen die Brüder Jacob und Wilhelm von Falkenstein - auch für ihren unmündigen Bruder Hans - die andere Hälfte an Graf Ludwig.
 
1525
Schon lange leiden die Bauern in der Region unter der Last der Grundherrschaft. Überall in der Gegend laufen die Bauern teilweise nur mit Sensen bewaffnet zusammen. Nach kleineren Scharmützeln mit den Villingern, greifen diese am 20. Juni Schwenningen an. Die Villinger verbrennen das Dorf Schwenningen im Bauernkrieg fast vollständig, nur drei Häuser bleiben stehen.
 
1535
Herzog Ulrich führt sowohl die lutheranische als auch die zwinglianische Konfession gemeinsam mit einer Verwaltungsreform ein. Wer als Pfarrer zum 'neuen' Glauben übertritt, behält sein Amt. Wer beim 'alten' bleiben will, wird mit einem Leibgeding abgefunden wie Pfarrer Conrad von Schwenningen.
 
1633
Der 30-jährige Krieg hinterlässt auch in Schwenningen seine Spuren. Am 23. und 24. Februar 1633 plündern und verbrennen Soldaten unter dem Kommando von Oberstleutnant Äscher den Ort. Die Bevölkerung ist zum Teil mit den abziehenden württembergischen Truppen, die zuvor erfolglos Villingen belagert hatten, geflohen. Äscher hatte das Brandschatzen verboten, damit die Plünderungen reibungslos verlaufen können. Doch die Villinger wollen Rache und ignorieren das Verbot. Eine der geraubten Kirchenglocken - Obrist Äscher schenkte sie der Stadt - befindet sich bis 1909 noch in Villingen.
 
1765/67
Im 17. Jahrhundert kommen hausierende Glashändler aus Böhmen, die ganz einfache, aus Holz hergestellte Uhren in den Schwarzwald bringen. Um 1765 sind zwei Schwenninger Uhrmacher verzeichnet: Johann Jägle (1741-1800) und Jakob Vosseler (1744-1821).
 
1801, 1817, 1847
Auswanderungswellen: Die ersten Auswanderer nach Amerika gehen zwischen 1747 bis 1754. Etwa zwölf Schwenninger siedeln ca. 1780 nach Westpreußen um, 1801 folgen ihnen weitere 86. Sie verlieren dadurch ihr württembergisches Bürgerrecht und müssen außerdem noch ein Zehntel ihres Gesamtvermögens an die Staatskasse zahlen. Einige ziehen weiter nach Bessarabien. Nach der Missernte von 1816 machen sich 117 Personen auf den Weg nach Amerika. Nach der Hungerkrise von 1846/47 wandern sogar 190 Menschen dorthin aus. Die Gemeinde finanziert die Reise, die Auswanderer verzichten dafür auf Erbschaften. Nach der Missernte 1851 genehmigt die Gemeinde wieder Unterstützungsgelder für Ausreisewillige. Erst ab 1890 beginnen die Auswanderungszahlen zu sinken.
 
1823–1865
Im Jahre 1824 entsteht in Schwenningen im Bereich der heutigen Salinenstraße die Saline Wilhelmshall. Es wird eine vollständige Salinenanlage errichtet. Sie besteht aus sechs Siedhäusern mit den dazugehörigen Soleleitungen und Reservoirs. Für die Schwenninger Fuhrleute ist der Salzexport in die Schweiz ein sehr lohnendes Geschäft bis dort eigene Salzvorkommen entdeckt werden.
 
1830
Die 1830 erworbene Marktgerechtigkeit bringt die Unabhängigkeit von fremden Märkten. Im 1829 eingeweihten neuen Rat- und Kaufhaus wird jeden Samstag ein Fruchtmarkt abgehalten. Eine strenge Marktordnung mit hohen Geldbußen sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Kinder dürfen nicht ins Kaufhaus. Nur wer einen vom Inspekteur - er überprüfte auch die Waagen und Messlatten - unterschriebenen Kaufhauszettel hat, kann mit Waren hinausgehen.
 
1842
Schwenningen wird aus dem Amt Tuttlingen in das Oberamt Rottweil verlegt. Dies bringt für den Ort mancherlei Vorteile: kürzere Entfernung, bessere Straßen und den Anschluss an den Rottweiler Markt.
 
1848/49
Wichtiger als die am 27. März im Gasthaus Bären verfasste Resolution, die den Ortsvorsteher und den Gemeinderat zum Rücktritt auffordert, ist die Gründung des Uhren-Gewerbe-Vereins. Der Verein versucht, Unterstützung von der württembergischen Regierung für die in eine Absatzkrise geratenen Uhrmacher zu erhalten, u. a. um eine Lehrwerkstatt einrichten zu können.
 
1850
Am 23. Juli zerstört ein Brand 98 Häuser im Norden und Nordosten. Ein 17-Jähriger hatte das Haus seines Vaters angezündet, um einen Diebstahl zu vertuschen. Er macht 180 Familien, ca. 1000 Personen, obdachlos. Man verurteilte ihn zu zwölf Jahren Zuchthaus.
 
1858
Johannes Bürk gründet die erste Uhrenfabrik in Schwenningen. Die Fabrik wächst langsam, aber stetig. Mit der Ausweitung der Produktion vergrößert sich auch die Produktionsfläche. Einige bedeutende Fabrikgründungen sind:

1844/1860 Mauthe
1883 Schlenker & Kienzle beginnt mit der Regulatorenproduktion
1888 Schlenker-Grusen
1890 Johann Jäckle, Metallwaren
ca. 1898 Thomas Haller, später Fusion mit Kienzle
1902 Johannes Schlenker (ISMET)
1920 Urgos und Speck
1925 Steinel
 
1862
Eine auf Freiwilligkeit basierende Feuerwehr wird - die finanziellen Belastungen der Gemeinde lassen es nicht eher zu - am 21. September 1862 gegründet. Die ersten Mitglieder kommen aus der Turngemeinde.
 
1869
Eröffnung der Bahnlinie Rottweil–Schwenningen–Villingen. Ohne Johannes Bürk gäbe es keinen Bahnhof in Schwenningen, denn die ursprüngliche Streckenführung sollte über Niedereschach nach Villingen gehen. 1900 liegt der Bahnhof an 47. Stelle unter 448 Stationen im Personenbeförderungsverkehr.
 
1881
Die Industrialisierung führt zu einer größeren Mobilität der Bevölkerung, soziale Bindungen müssen neu geknüpft werden. Der erste Arbeiterverein ist der Arbeiterbildungsverein. Ihm folgen andere nach. Sie entlasten die Kommune von sozialen Aufgaben. Außerdem fördern sie das proletarische Klassenbewusstsein, schaffen eine Arbeiteridentität und stärken die Solidarität.
 
1885
Die Schwenninger Genossen gründen die erste sozialistische Gewerkschaft. Durch die Expansion der Uhrenindustrie in den 90er Jahren nimmt die Gewerkschaftsbewegung zu. Es gibt christliche, liberale und sozialistische Gewerkschaften. Neben Lohnbewegungen erfüllen sie eine Vielzahl sozialpolitischer und gesellig-kultureller Funktionen. Wichtigstes Ziel sind einheitliche und offengelegte Lohn- und Arbeitsbedingungen auf dem Schwarzwald.
 
1892/93
Auf der Suche nach Arbeit kommen viele Katholiken in den bisher evangelischen Ort, so dass der Bau einer eigenen Kirche (Franziskuskirche) notwendig wird.
 
1900
Einweihung der Staatlichen Feintechnikschule am 1. Mai. Anwesend sind: Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, Minister Pischek, Staatsrat Dr. von Gaupp. Der Eintritt in die Schule ist vor oder nach der Lehre möglich. Es gibt Vorkurse, Fachkurse und Fortbildungskurse.
 
1901/02
1901 entschließt sich der Gemeinderat, die seit der Ablösung der Zehnten (1848) nicht mehr benötigte Zehntscheuer abzureißen. Sie ist 1743 erbaut worden und mit dem Wappen des Herzogs von Württemberg versehen. 1902 lässt die Gemeinde an gleicher Stelle das städtische Elektrizitätswerk errichten.
 
1905–1907
erbaut die Gemeinde ein neues Krankenhaus an der Salinenstraße. Es hat 60 Betten und einen modern ausgestatteten Operationssaal. Die Leitung wird Dr. Etter übertragen. Neben ihm arbeiten ein Assistenzarzt, zwei Ordensschwestern und ein Krankenwärter in dem Haus.
 
1907
Aufgrund der Gemeindeordnung von 1906 werden alle Orte mit mehr als 10.000 Einwohnern zu 'mittleren Städten'. Schwenningen hat 13.726 Einwohner. Die Stadterhebung stößt nicht überall auf Gegenliebe, denn bisher war man das größte Dorf in Württemberg, nun nur noch die vierzehnte der mittleren Städte. Streik in der Uhrenindustrie: Der Arbeitskampf dauert sechs Wochen. Es geht um Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, um Absicherung der unsicheren Einkommenssituation, aber auch um Anerkennung der Gewerkschaften als Interessenvertretung der Arbeiter.
 
1910
Beginn der systematischen Kanalisation. Schon seit 1857 werden Verdohlungen von Wasserabzugsgräben vorgenommen.
 
1914–1916
Bau des Schlachthofes durch Stadtbaurat Feucht
 
1921
Gründung des 'Vereins für Heimatkunde'; heute: 'Schwenninger Heimatverein'
 
1923
Polizeiwehreinsatz: Am 13. November rückt die Schutzpolizei in Schwenningen ein. Es gibt Tote und Schwerverletzte. Ziel dieser Aktion ist es, Kommunisten im Schwarzwald auszuschalten.
 
1924
In den 20er Jahren entstehen drei große Siedlungen: Salinenfeld (1921), Hammerstatt (1924) und Sauerwasen (1928). Alle Wohnungen besitzen Typengrundrisse, um die Kosten zu senken.
 
1925

Gemeinsame Gasversorgung mit Villingen
 
1925–1928
Bau des Beethovenhauses; Rathaus und Krematorium: Werkbundbaustil, Architekt: Hans Herkommer, Das Mosaik und die Plastik 'Der junge Neckar' werden von Jakob Kienzle gestiftet. Die Figur wird 1943 eingeschmolzen. 1953 stiftet Hellmut Kienzle als Ersatz ein neues Standbild, 'Die Zeit'.
 
1927
Gewerbeausstellung in den neuen Räumen des Rathauses. 1857 hatte die erste Gewerbeausstellung an gleicher Stelle ihre Pforten geöffnet.
 
ab 1930
Entlassungswelle in der Uhrenindustrie. Zunächst hatten die Betriebe noch versucht, mit unbezahltem Zwangsurlaub den Arbeitsmangel aufzufangen.
 
1939–1945
Im Zweiten Weltkrieg gibt es Tote und Bombenzerstörungen. Fremdarbeiter(innen), die in Lagern untergebracht sind, ersetzten die eingezogenen Arbeitskräfte.
 
1945–1949
Oberbürgermeister Dr. Otto Gönnenwein (OB von 1930-1948!) übergibt am 20. April 1945 die Stadt dem französischen Befehlshaber. In den Schwenninger Fabriken gibt es Demontagen.
 
1950
Erste Messeveranstaltung in Schwenningen 'Südwest stellt aus' (heute 'Südwest-Messe'). Die ersten Ausstellungsorte liegen zwischen Wasenstraße und Mühlweg, das Beethovenhaus und die Turnhalle der Friedensschule dienen als Ausstellungsräume.
 
1954–1956
Bau des neuen Krankenhauses. Es wird am 29. September 1956 eingeweiht.
 
1956
Schwenningen wird Große Kreisstadt.
 
1959–1960
Der Bahnhof wird neu gebaut.

1970er Jahre
Die Uhrenindustrie erfährt einen schleichenden Niedergang. Viele Firmen haben eine zu dünne Kapitaldecke, um Investitionen tätigen zu können. Das Quarzuhrwerk wird eingeführt. Den Anfang der Konkursserie macht die Friedrich Mauthe GmbH.

1970
Eingemeindung von Mühlhausen
 
1971
Die Bürger entscheiden sich in einer Abstimmung am 28. März mit großer Mehrheit für die gemeinsame Stadt Villingen-Schwenningen. Am 15. Juli verabschiedet der Landtag von Baden-Württemberg das Sondergesetz zur Fusion von Schwenningen und Villingen.

Nr. 7/2018 vom 24.04.2018
als PDF (8,6 MB)

 

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