Was unternimmt die Stadt in Sachen Klimaschutz?

Flaches Holzgebäude der Kita St. Konrad, mit Wiese und Baum im Vordergrund.
Der Kindergarten St. Konrad wurde in klimagerechter Holzbauweise errichtet.

Jede Menge! Und das – in bestimmten Bereichen – bereits seit vielen Jahren. Klimaschutz und Klimanotstand sind besonders seit 2019 durch die Fridays for Future-Bewegung (FFF) in der Öffentlichkeit thematisiert und diskutiert worden. Auch viele Menschen aus Villingen-Schwenningen engagieren sich bei FFF oder in anderen Gruppen bei regelmäßigen Streiks, im Internet oder auch in persönlichen Gesprächen und Briefen für mehr Klimaschutz. "Die Stadt Villingen-Schwenningen begrüßt das Engagement dieser Gruppen zum Thema Umweltschutz. Sie spielen eine wichtige Rolle, denn sie halten der Gesellschaft, wie auch der Stadt Villingen-Schwenningen, den Spiegel vor", äußert sich Oberbürgermeister Jürgen Roth. Zuletzt hatte sich ein Vertreter des Aktionsbündnisses Klimanotstand (bestehend aus den FFF, den 'Omas gegen Rechts', den Extinction Rebellion und der Seebrücke) in der Bürgerfragestunde des Gemeinderates am 3. Februar zu Wort gemeldet. In einer ausführlichen Stellungnahme hat die Verwaltung nun Stellung genommen zu dem Offenen Brief des Aktionsbündnisses Klimanotstand und sucht auch den offenen Dialog mit Vertretern der Bewegung im Rahmen eines persönlichen Gesprächs per Videokonferenz.

"Wir verstehen die Kritik, dass es manchmal nicht schnell genug gehen kann. Als Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen wollen wir aber nicht nur die richtigen Dinge, sondern auch die Dinge richtigmachen", berichtet Jürgen Roth.

Dass die Stadt bereits seit Jahren in den Klimaschutz intensiviert, machen konkrete Maßnahmen deutlich:

1. Die Stadt Villingen-Schwenningen ist im Herbst 2019 dem Klimaschutzpakt Baden-Württemberg beigetreten. Gegenüber dem Umweltministerium wurde dies am 28.11.2019 erklärt. Die Stadt bekennt sich hiermit zu ihrer Vorbildfunktion für die öffentliche Hand und ihrer Schlüsselrolle im Kampf gegen den menschenverursachten Klimawandel.

2. Am 13.11.2019 hat die Stadt VS im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Gemeinderats die Teilnahme am European Energy Award (eea) beschlossen. Das Programm erfasst, bewertet und prüft die kommunalen Energieaktivitäten der Stadt. Der eea-Prozess startete – etwas verzögert durch die Pandemie – am 23.06.2020 und wird von einem Expertenbeirat (Beirat für nachhaltige Stadtentwicklungen, Klimaschutz und Landwirtschaft, kurz BSKL) aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessengruppierungen begleitet. Nach Abschluss der Ist-Analyse im ersten Quartal 2021 wird ein erstes energiepolitisches Arbeitsprogramm für die einzelnen Maßnahmenbereiche beschlossen.

3. Alle Projekte und Vorhaben der Stadt VS werden auf Klimarelevanz geprüft. So werden alle relevanten städtischen Vorlagen in Bezug auf deren Auswirkungen auf Umwelt und Klima systematisch kritisch hinterfragt. Ziel ist ein proaktives Lenken von Projekten in Richtung einer klimaverträglichen Handlung.

4. Für räumliche Planungen wie städtebauliche Entwicklungskonzepte, Flächennutzungs- und Bebauungsplanverfahren sowie sonstige städtebauliche Satzungen wurde eine "Klima-Checkliste VS" entwickelt, die am 03.02.2021 vom Gemeinderat beschlossen wurde. Durch diese Arbeitshilfe für die Verwaltung soll der Klimaschutz in den räumlichen Planungen von VS systematisch berücksichtigt werden.

5. Insbesondere die Themenbereiche Energie und Mobilität werden stetig ausgebaut:

  • Sämtliche kommunalen Liegenschaften beziehen bereits seit 2018 zertifizierten Ökostrom von der SVS. Die Stromversorgung ist somit bereits klimaneutral.
  • Um den Ausbau der Solarenergie in der Stadt VS nachhaltig zu fördern, müssen Planungs- und Informationsgrundlagen geschaffen werden. Eine Potentialanalyse für Photovoltaik-Freiflächenanlagen liegt bereits seit Juli 2020 vor. Bis dato wurden im laufenden Jahr die Errichtung einer PV-Freiflächenanlage in Pfaffenweiler (7 MWh, ca. 2.000 Privathaushalte) beschlossen, eine weitere Anlage in VS-Zollhaus und eine Photovoltaikanlage auf der stadteigenen Fläche Deponie "Obere Wiesen" befinden sich in einer frühen Entwicklungsphase.
  • Um den Radverkehr in Villingen-Schwenningen voran zu bringen, wird ein Konzept mit Vorrangrouten, Hauptrouten und Nebenrouten erarbeitet, um auf dieser Grundlage das Radwegenetz schrittweise auszubauen. Außerdem werden öffentliche Stromladestationen für Pkws und Pedelecs eingerichtet (Zusammenarbeit mit den SVS), weitere Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut und die Fußgängerfreundlichkeit bei allen Bauprojekten verstärkt bei der Umsetzung beachtet.
  • Die Stadt VS ist dem Wasserstoff-Netzwerk "H2 Region Schwarzwald-Baar-Heuberg e.V." beigetreten.

6. Neubauten und Bauweisen

  • Um zu einer klimagerechten Bauweise beizutragen, verfolgt die Stadt die Bauweise in Holz bereits seit einigen Jahren und hat bauliche Maßnahmen umgesetzt, beispielsweise die Kindertagesstätte St. Konrad. Der Gemeinderat hat am 13.11.2019 beschlossen, dass die Verwaltung bei allen eigenen Bauvorhaben prüft, ob eine Realisierung in Holzbau- oder Holzhybridbauweise grundsätzlich möglich ist.
  • In der Gemeinderatssitzung vom 03.02.2021 wurde beschlossen, dass in VS ab sofort der Energieeffizienzstandard KfW 40 bei allen Neubauten gefordert wird, wenn die Stadt Einfluss durch einen Kaufvertrag oder städtebaulichen Vertrag nehmen kann.

7. Im Bereich der Planung neuer Baugebiete werden zunehmend emissionsarme bis emissionsfreie Stadtquartiere entwickelt und es wird auf einen schonenden Umgang u.a. mit den Schutzgütern menschliche Gesundheit, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft durch die Erarbeitung qualitativ hochwertiger und ökologisch durchdachter Konzepte geachtet, wie:

  • im Wohnbaugebiet 'Lämmlisgrund' mit: u.a. intensiver Durchgrünung, vorbildlicher Regenwassernutzung, Fußgängerfreundlichkeit und klimaneutraler Energieversorgung.
  • im Gebiet 'Oberer Brühl' mit: u.a. Geothermie, gutem ÖPNV, guter Nutzungsmischung (Wohnen und Arbeiten). In Zusammenarbeit mit dem Forst wird mit der Förderung der Bauweise in Holz, zunehmend Wert auf klimafreundliche Baustoffe gelegt.

8. LED-Straßenbeleuchtung: In den Jahren 2018-2020 hat die SVS als Dienstleister für die Stadt VS die Straßenbeleuchtung komplett auf LED-Licht umgestellt. Pro Jahr werden so 3.149.684 kWh eingespart. Auch die Verkehrstechnik wird schrittweise digitaler und so sollen nach Beschluss des Gemeinderates vom 03.02.2021 jedes Jahr die Ampeln eines Straßenzuges erneuert werden; der Ausbau wird auch von der 'Nationalen Klimaschutzinitiative' gefördert.

9. Die Stadtverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu sein, vom Arbeitsmaterial bis zu ihren Betriebsstätten.

Die Stadtverwaltung ist sich durchaus ihrer Verantwortung bewusst und wird die genannten Projekte nach und nach umsetzen. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat sie im letzten Jahr ein großes Netzwerk aus Anspruchsgruppen in allen Bereichen aufgebaut. Dazu gehört auch die Schaffung der Stelle einer Klimaschutzmanagerin beim Stadtplanungsamt seit August 2020.

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