Kuhreihen für Daheim

Ein Mann in einem dunklen Gewand, wie ein Hirte, spielt ein Herterhorn. Im Intergrund ist die Innenstand Villingen zu sehen mit Weihnachtsbäumen und Lichterketten.

Seit 1765 wird im Stadtbezirk Villingen der Brauch des Kuhreihens zelebriert. Damals breitete sich in der Stadt zum wiederholten Male eine Viehseuche aus. Sie beunruhigte die Bürger sehr, denn zu dieser Zeit bot das Vieh die Existenzgrundlage. Doch durch eine Verlagerung der Ställe, aus der Stadt hinaus bis zum heutigen Friedhof, konnte man der Seuche Einhalt gebieten und Villingen wurde weitestgehend verschont. Aus Dankbarkeit gelobten die Villinger jedes Jahr am Abend des 24. Dezembers den Kuhreihen zu blasen. Dieser Brauch hat bis heute Bestand, und tatsächlich fand die Seuche bis heute nicht mehr ihren Weg nach Villingen.

"Ein bisschen paradox ist es also nun, dass gerade eine andere Pandemie die Austragung des Kuhreihens verhindern soll", so Oberbürgermeister Jürgen Roth. Deshalb haben sich die Organisatoren eine Alternative überlegt. Der Kuhreihen und das Blasen des Herterhorns werden in diesem Jahr weder an den gewohnten Orten, noch zu der gewohnten Uhrzeit stattfinden. Wo und wann genau die Melodie des Kuhreihens zu hören sein wird, bleibt ein Geheimnis. Vielleicht hört der ein oder andere ja von seinem Fenster zu Hause die Musik erklingen. "Wir wollen natürlich alle an dieser besonderen und einmaligen Tradition teilhaben lassen", so der Oberbürgermeister.

Deshalb lohnt es sich, am Heiligen Abend ab 22 Uhr auf die Startseite dieser Website oder den Facebook-Kanal der Stadtverwaltung zu besuchen. "Dort können Sie digital beim Kuhreihen dabei sein, wir bringen die Herterhorn-Melodien in Ihr Wohnzimmer", verspricht Jürgen Roth.

Der Kuhreihen war früher der Lockruf für die Tiere, mit dem der Hirte, der Herter, sie an einen Sammelort rief, um sie dann auf die Weide zu führen. Es ist eine einfache Melodie, die auf dem speziellen Herterhorn geblasen wird. Das Besondere an diesem Instrument, in diesem Jahr gespielt von Matthias Bucher, sind die nicht vorhandenen Löcher, Klappen und Ventile.

Es ist normalerweise eine beeindruckende Szene, welche sich Jahr für Jahr an Heilig Abend in der Zähringerstadt abspielt. Wenn die Stadtmusik mit ihrem Dirigenten Markus Färber von Tor zur Tor zieht, um den Kuhreihen zu blasen, weiß jeder in der Stadt: Jetzt ist Weihnachten. Das Herterhorn erklingt ein letztes Mal auf dem Marktplatz, und danach bereitet das gemeinsame Singen des Weihnachtsliedes 'Stille Nacht' einen besinnlichen Gänsehaut-Moment. Nachdem der Oberbürgermeister der Bevölkerung ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest gewünscht hat, nehmen viele Besucher die Gelegenheit wahr, um sich mit Freunden und Verwandten über Geschenke und Ereignisse des Heiligen Abends auszutauschen und das Jahr Revue passieren zu lassen.

"Der Kuhreihen ist für uns und die Stadt nicht nur Tradition, sondern auch ein wichtiger Bestandteil von Weihnachten – und auch wenn wir in diesem Jahr auf ein persönliches Treffen in der Stadt verzichten müssen, halten wir an diesem Gelübde fest und hoffen, dass wir in 2021 wieder wie gewohnt Zusammenkommen können" so Matthias Jendryschik, Leiter des Stadtmarketings.

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