Hilfe für versauerte Waldböden: Bodenschutzkalkung im Stadtwald

Blauer Himmel mit Wolken über einer grünen Wiese. Auf dem Boden ist eine große Menge Kalk, mit dem ein Behälter des HUbschraubers bealden wird.

Die bundesweite Bodenzustandserhebung II hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldflächen die Situation hinsichtlich Versauerung, Basensättigung, Kohlenstoffspeicherung, Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen, auf durch Menschen verursachten versauerten oder zur Versauerung neigenden Waldböden, deutlich verbessert. "Gesunde Waldböden sind eine Grundvoraussetzung für ein vielfältiges Bodenleben und stabile Waldbestände", berichtet Forstamtsleiter Dr. Tobias Kühn.

Im Stadtwald Villingen-Schwenningen findet ab Montag, 6. September, auf den Waldflächen der Reviere 1-5 eine Bodenschutzkalkung auf insgesamt 1.022 Hektar statt. Die zu kalkenden Waldgebiete reichen vom Pfaffenweiler Wald im Süden bis nach Obereschach im Norden und grenzen im Westen an Unterkirnach und den Stockwald an. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme bis zu sechs Wochen in Anspruch nehmen. In dieser Zeit kann der Waldzutritt räumlich eingeschränkt sein.

"Mit der Ausbringung von Kalk wird die Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden werden unterstützt. Eine gute Basis für klimastabile Wälder, die viele wichtige Funktionen haben, beispielsweise als Wasserfilter, Rohstofflieferant und Erholungsraum", betont der Leiter des Städtischen Forstamtes. Baden-Württemberg setzt seit rund zehn Jahren Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser für die Bodenschutzkalkung ein, die entweder mit Hubschrauber ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen werden. Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial besteht nicht. In den berührten Waldgebieten komme es während der Ausbringungsarbeiten zu Wegesperrungen. "Waldbesucher sollten die Sperrhinweise beachten, denn es ist mit einem erhöhten LKW-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie gelegentlich mit herabfallenden Klumpen verbackenen Kalkstaubs aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen. Auch wird es zu einer gewissen Staubentwicklung kommen", rät der verantwortliche Projektkoordinator Christroph Vögele. Schon der nächste Regenschauer werde den Kalkstaub aber in den Boden spülen, wo er auch hin solle.

Hintergrundinformationen

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar und zu 38 Prozent von Wald bedeckt. Die zunehmende Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert hat den Zustand vieler Waldböden nachhaltig beeinflusst. Säureeinträge aus der Luft in den Boden haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum beeinträchtigt. Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden nur zu Teilen selbständig regenerieren. Mit dem Kalkungskonzept der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg soll daher der Bodenzustand, als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den bevorstehenden Klimawandel, wieder deutlich verbessert werden.

Bodenschutzkalkung im Stadtwald Villingen-Schwenningen:
Die Planung und Überwachung der Durchführung übernimmt die untere Forstbehörde der Stadt Villingen-Schwenningen. Für die Planung der Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche in einem GIS-System erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg herangezogen und durch über 300 Bodenproben aus den betroffenen Waldflächen ergänzt. Auf diesen Grundlagen werden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage der Kalkungsmaßnahme dienen. Darin sind bereits Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde. Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend zentral von der landesweit zuständigen höheren Forstbehörde, der Abteilung Forstdirektion beim Regierungspräsidium Freiburg ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme von den Forstleuten vor Ort überwacht.

Die Europäische Union fördert die Bodenschutzkalkung für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer von Waldflächen unter 30 Hektar mit 100 Prozent der entstehenden Nettokosten. Waldbesitzer von Waldflächen über 30 Hektar werden mit 90 Prozent der Nettokosten gefördert. Förderanträge und weitere Unterlagen sind bei der unteren Forstbehörde erhältlich.

Weitere Informationen zum Thema Wald finden sich auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de/wald.

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