Archivale des Monats: Umbauplan des alten Schul- und Rathauses in Marbach

Gezeichneter Plan des alten Schul und Rathauses Marbach.
Umbauplan des alten Schul- und Rathauses in Marbach.

Zur Einweihung des neuen Schulhauses in Marbach im Jahr 1905 trug Pfarrer Wasmer bezüglich der früheren Schullokale vor, dass hundert Jahre früher, in den napoleonischen Kriegen, das damalige Schul- und Rathaus durch die Franzosen niedergebrannt worden sei, wobei auch die alten Gemeindeakten zugrunde gegangen wären. Da nicht ausreichend Mittel zur Verfügung gestanden hätten, wäre daraufhin ein ärmliches Schulhaus entstanden.

Belegt ist, dass bis 1812 die Schule in Marbach mit wechselnden Domizilen in je verschiedenen dazu gemieteten Stuben gehalten wurde. Die Zahl der Werktagsschüler belief sich damals auf 33, jene der Sonntagsschüler auf 19 und das zuständige Dekanat stellte in jenem Jahr die Notwendigkeit fest, ein eigenes Schulhaus zu bauen, wofür das Bezirksamt Villingen die Pläne erstellen ließ und dabei auch Raum für die Lehrerwohnung berücksichtigte. 1813 wurde das zweistöckige Gebäude auf quadratischem Grundriss mit 3 Fensterachsen errichtet. Für die Kosten – veranschlagt waren 1623 Gulden und 21 Kreuzer – sollten die Zehntherren des Orts aufkommen, im Wesentlichen die Stadt Villingen (mit etwa drei Viertel der Zehntfläche) und die Standesherrschaft Fürstenberg (mit etwa einem Viertel). Die nötigen Fuhren waren von der Gemeinde als Fronarbeit zu leisten.

Mit der Errichtung des Gebäudes war das Schulhaus aber im Innern noch nicht vollständig ausgebaut, vor allem nicht hinreichend isoliert und gegen Wärmeverlust geschützt. Weil sich die Gemeinde mit den Schreinern, die eine 'Täferung' und 'Brustlamperien' herstellen sollten, nicht über den Preis einigen konnte, herrschte noch nach drei Jahren zur Winterszeit eine solche Kälte in dem Gebäude, dass die Schüler mehrere Male wegen des Frierens entlassen werden mussten und auch die Eltern sich gegenüber den Lehrern äußerten: "Sie würden, wenn es kalt wäre, ihre Kinder nicht in die Schule schicken, und sie daselbst erfrieren lassen". Das somit erst 1816 fertig gewordene Schulhaus diente nicht lange zu diesem Zweck.

Wiederum Pfarrer Wasmer berichtet, dass beim Bau der Straße nach Dürrheim im Jahre 1824 das Schulhaus wieder verlegt werden musste. Vermutlich wurde nun das eingeschossige Haus, heute Schaffhauser Straße 2, zum Schulhaus, beziehungsweise Schul- und Rathaus adaptiert und diente zu diesem Zweck rund 80 Jahre lang. Da in dem kleinen Haus kein Raum für eine Lehrerwohnung zur Verfügung stand, erhielt der jeweilige woanders wohnende Lehrer einen Mietzins, bis 1854 von der Gemeinde das Wohn- und Ökonomiegebäude des Franz Münch als Lehrerwohnung angekauft wurde. 1886 wurde das Schulzimmer vergrößert und darunter ein 'Wachtzimmer' erstellt, was sich nur im fensterlosen Keller befunden haben kann.

Als ab 1905 ein modernes, geräumiges neues Schulhaus zur Verfügung stand, stand das bisherige Schul- und Rathaus ganz für Rathauszwecke zur Verfügung und wurde 1907 entsprechend umgebaut. Jetzt entstand ein ebenerdiges Wachtlokal, und die Wand zwischen dem Zimmer des Ratschreibers und dem Ratszimmer war beweglich, so dass man bei Bedarf ein Saal für Gemeindeversammlungen erhielt. Außerdem entstand ein feuersicherer Archivraum, mit dem allerdings nicht verhindert werden konnte, dass das Gemeindearchiv bei Kriegsende 1945 dasselbe Schicksal ereilte wie schon die Gemeindeakten rund 140 Jahre früher: Die Archivalien wurden durch die im Haus untergebrachten Besatzungssoldaten verheizt. Aus diesem Grund kann das Archivale des Monats November auch nicht Unterlagen der Gemeinde entnommen werden, sondern stammt aus einer entsprechenden Akte des Bezirksamts Villingen, die heute im Stadtarchiv verwahrt wird.

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