Archivale des Monats: Ohne Urheberrecht im Archiv

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Das Archivale des Monats im Januar bringt eine versteckte Botschaft mit sich. Es handelt sich dabei um das Werk "Aus Villingens Vergangenheit", das sich in den Beständen der wissenschaftlichen Spezialbibliothek im Archiv befindet. Das lokalhistorische Buch wurde 1917 von Albert Fischer aus Villingen veröffentlicht. Doch warum ist es für uns 2023 interessant?

Zu Jahresbeginn wurde weltweit der Tag der Gemeinfreiheit gefeiert. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich ein Aktionstag, der darauf aufmerksam machen soll, dass jedes Jahr das Urheberrecht von Werken erlischt, deren Urheber seit mehr als 70 Jahren verstorben sind. 2023 gehören dazu beispielsweise die Bücher der bekannten Pädagogin Maria Montessori. Mit der Aufhebung des Urheberrechts können die Titel und Werke von allen frei genutzt werden. So können Musikstücke ohne Lizenzgebühren aufgeführt werden oder Inhalte aus Büchern online veröffentlicht werden. Auch die Urheberrechte von Klassikern wie Goethe oder Schiller sind längst erloschen und deshalb ist es möglich die Werke relativ günstig zu veröffentlichen und zu schulischen Zwecken zu nutzen.

Das von Fischer geschriebene Buch "Aus Villingens Vergangenheit" fällt ebenfalls unter diese Regelung, denn der 1874 geborene Albert Fischer verstarb 1952 und somit erlischt für seine Werke dieses Jahr das Urheberrecht. Fischer war nicht nur an Heimatgeschichte interessiert, sondern vor allem auch ein begeisterter Narro und lange Zeit auch Zunftmeister der Villinger Narrozunft. So widmete er auch ein Kapitel in seinem ersten Buch der Villinger Fasnacht. 1922 folgte dann ein weiteres Buch, das sich nur mit diesem Thema beschäftigt: "Villinger Fasnet von einst und heute".

Albert Fischer war auch als Autor für das Villinger Volksblatt tätig, obwohl er eigentlich Lokomotivführer war. So schreibt er selbst in seinem Vorwort zum Buch, dass er als Laie "keineswegs den Anspruch sprachlicher Vollkommenheit erheben will". Am Ende seines Werkes schließt er mit den bescheidenen Worten: "Wenn es mir gelungen sein sollte, mit ihnen zur Kenntnis der geschichtlichen und lokalen Verhältnisse meiner Vaterstadt etwas beigetragen zu haben, so dürfte dies der schönste Lohn meiner Arbeit und Mühe sein". Anders als bekanntere Autoren dürfte das Urheberrecht an seinen beiden Büchern Fischer auch keine Reichtümer eingebracht haben, doch zumindest einen kleinen Beitrag zur Villinger Lokalgeschichte hat er mit diesen geleistet.

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