Archivale des Monats: Frau trägt Hut

In einem alten Buch sind Modezeichnungen zu sehen.
Archivale des Monats Oktober: Frau trägt Hut.

Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Mode in Europa durch die französische Hauptstadt Paris geprägt. Heute informieren wir uns über Zeitschriften, Blogs, youtube-Videos und andere Medien über das, was in den Modezentren passiert. Wie aber war das vor 200 Jahren, als der Buchdruck das einzige Massenmedium war? Auch damals gab es Modezeitschriften, so das Pariser "Journal des dames et des modes" (1797-1839), das seit 1798 auch in Frankfurt wöchentlich erschien. Von diesem Journal gab es jahrgangsweise gebundene Zusammenfassungen der Kupferstich-Illustrationen, entsprechend den Hochglanzfotos der heutigen Modezeitschriften. Zwei Bände sind im Besitz der wissenschaftlichen Bibliothek von Stadtarchiv und Museen erhalten.

Eine Beispielseite, Tafel 8, zeigt unter dem Titel "Costume Parisien" Kopfbedeckungen von 1803. Der kolorierte Kupferstich - an anderer Stelle signiert - stammt von Friedrich Ludwig Neubauer (Frankfurt, 1767-1828). Im Zentrum der Seite in einem Medaillon (Nr. 1) sehen wir das Brustbild einer Dame im grünen, hochtaillierten Empirekleid mit weißer Chemisette, die das Dekolleté verhüllt und in einer Doppelrüsche eng am Hals abschließt. Hinter dem braunen lockigen Haarkranz sieht man ein weißes Häubchen, wie man es als Dame zu Hause trägt. Es ist unter dem Kinn gebunden. Nr. 2 zeigt eine weiße Mütze aus einem schneckenförmig gerollten Wulst, Nr. 3 einen roten Turban in 5 Variationen, sehr detailreich, kombiniert mit unterschiedlichen Frisuren. Nr. 4 verdeutlicht die kunstvoll mit Zöpfen geflochtene Frisur ohne Turban. Nr. 5-7 sind weitere Haubenformen für draußen, wobei die schwarze Haube (Nr. 5) wohl für Witwen gedacht ist.

Wie kommen diese Bände nach Villingen? Darüber gibt ein Exlibris im vorderen Einband des einen Buches Auskunft. Die beiden Modekataloge gehörten ursprünglich dem Villinger Kunstmaler Kasper Fleig (1782-1852), Zeichenlehrer an der städtischen Gewerbeschule. Die beiden Bücher dienten ihm wohl als Vorbildersammlung oder Material für den Unterricht.

Heute sind die handschriftlichen Einträge ein Beleg dafür, dass Mode nicht nur Frauen interessierte. Frauen konnten allerdings Anfang des 18. Jahrhunderts auch

nicht als Abonnentinnen von Modezeitschriften auftreten, nur ihre Ehemännner. Frauen waren zur damaligen Zeit nicht "geschäftsfähig".

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