Archivale des Monats: Ein Blick durch die Kameralinse – die Hitlerjugend Schwenningen auf Film gebannt

Schwarzweißfoto einer langen Gruppe uniformierter Jungen, die in Reihen durch eine Dorfstraße marschiert, während Mädchen in weißen Kleidern am Straßenrand stehen und zuschauen; Fachwerkhäuser im Hintergrund.
Zwar keine Aufnahme aus dem Film von Otto Bixenstein, aber ein weiteres Zeitzeugnis: die Schwenninger Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel bei einem Erntedankfestumzug.

Ein 16-jähriger Lehrling, eine gekurbelte 8-mm-Kamera und der Blick auf seine Heimatstadt im Jahr 1937: Das Ergebnis ist ein faszinierendes Zeitdokument, das als Archivale des Monats Juli einen direkten Einblick in den Alltag der Hitlerjugend (HJ) in Schwenningen gibt.

Vor 100 Jahren, im Juli 1926, wurde mit der Hitlerjugend (HJ) die wichtigste Jugendorganisation der NSDAP gegründet. Nach der Machtübernahme 1933 wurden alle anderen Jugendverbände verboten oder gleichgeschaltet. Ab 1939 wurde die Mitgliedschaft in der HJ für männliche Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren de facto zur Pflicht – ein „Ehrendienst am deutschen Volk“.

Gedreht wurden die Aufnahmen von Otto Bixenstein, einem Lehrling bei Optik Linder. Mit der Kamera seines Chefs hielt er fest, was um ihn herum geschah: Zu sehen sind der Aufmarsch zu den nationalsozialistischen Feierlichkeiten zum 1. Mai auf dem Schwenninger Marktplatz, beobachtet von Bürgermeister Stähle vom Rathausbalkon. Dabei sind auch die Schwenninger Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel. Eine andere Sequenz zeigt das Untergau-Sporttreffen 1938 in Waldeck. Die Szenen zeigen sportliche Wettkämpfe u.a. im Weitsprung, Hochsprung und Speerwerfen. Unter den Sportlern ist auch der später bekannte Künstler Felix Schlenker als junger Hürdenläufer zu erkennen.

Sport und Wettkämpfe stellten einen wichtigen Schwerpunkt in den Aktivitäten der Hitlerjugend dar. Sie sollten die körperliche Leistungsfähigkeit und den kämpferischen Gedanken der Jugend fördern und so nicht zuletzt die zukünftige Wehrtüchtigkeit sichern. Dass wir diese Szenen heute sehen können, verdanken wir Felix Schlenker, der die Filmrollen während des Krieges erwarb und viele Jahrzehnte aufbewahrte. So blieben diese ungestellten Amateuraufnahmen erhalten, die eindrücklich zeigen, wie das NS-Regime durch die Organisation von Freizeit und Sport den Alltag der Jugend durchdrang und für seine ideologischen Ziele instrumentalisierte.

Auf der Seite des Stadtarchivs gibt es Ausschnitte aus dem Film von Otto Bixenstein zu sehen.

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