Archivale des Monats: Dokumente aus dem Alltag – Anleitungen zum Weißnähen

Seiten aus einem Buch, auf denen Nähskizzen und dazugehörige Texte abgebildet sind.
Auszug aus dem Schwenninger Teil der 'Stadtchronik' zum Weißnähen. (Foto: Stadtarchiv, Abdruck: honorarfrei)

Im Stadtarchiv werden nicht nur die Unterlagen der Stadtverwaltung und ihrer Organe sowie deren Vorgängerinstitutionen verwahrt. Auch Schriften des täglichen Lebens sind vorhanden. So haben sich beispielsweise zwei Bücher aus dem 19. Jahrhundert erhalten, die sich dem Thema Weißnähen widmen.

Der größere Band ist ein handschriftliches Schnittmuster der Barmherzigen Schwestern, die im Waisenhaus des Villinger Heilig-Geist-Spitals wirkten (Stadtarchiv Best. 2.3 Nr. 206). Eine Autorin ist leider nicht bekannt. Das kleinere Buch ist im Schwenninger Teil der "Stadtchronik" erhalten (Best. 5-22 Nr. 1224). Obwohl auch dieses Exemplar aussieht wie von Hand in deutscher Schrift verfasst, ist es doch ein Druck. Leider fehlen die näheren bibliografischen Angaben. Ein ähnliches Werk findet sich in der Bibliothek des Museums Europäischer Kulturen in Berlin.

Was aber nun ist eigentlich Weißnähen? Unter dem Begriff versteht man die Herstellung von Wäschestücken. Unser gedruckter Band, der sich mit Hand- und Maschinennähen beschäftigt, bietet in der Einleitung grundsätzliche Informationen zu Stoffbehandlung und Nahtarten. Auf Seite 1 bis 81 wird das Handnähen erläutert. Die Seiten 82 bis 150 stellen das Maschinennähen vor. In beiden Teilen wird die Anfertigung der einzelnen Kleidungsstücke textlich beschrieben und jeweils eine Musterzeichnung mit Maßangaben beigefügt.

Die Villinger Schwestern beginnen gleich mit dem ersten Modell: "Einfaches Damenhemd mit vier kleinen Zwickeln u. rechtwinkligem Ausschnitt". Auch hier werden die Texte von Musterzeichnungen ebenfalls mit den nötigen Maßen begleitet. Der Band endet mit einem Kapitel "Kleidermachen". Dort geht es um das Maßnehmen als solches sowie eine ausführliche Anleitung zum Musterzeichen mit den Abschnitten "Das Rückenteil", "Rundes Seitenteil", "Kleines Seitenteil" und "Das Vorderteil". Derartige Unterrichtswerke kamen vor allem auch in der Ausbildung für Mädchen zum Einsatz.

Siehe dazu z. B. "Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen", Bd. II – Auf dem Weg in die Moderne, S. 240 (erhältlich im Stadtarchiv und im Buchhandel zum Preis von 34,50 €, ISBN 978-3-939423-63-8).

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