Villingen-Schwenningen

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Thierry Boissel

Foto: Thierry Boissel

Thierry Boissel


Franziskus predigt den Vögeln, 2002
Glasfenster

Ort: David-Fuchs-Haus, Tulastraße 8, Villingen-Schwenningen

 

Biografie

1962 geboren in Saint-Valery-en-Caux, Frankreich
1982/1983 Atelier Guillaume Met de Penninghen et Jacques d'Andon, Paris, Frankreich
1983 - 1986 École Nationale Supérieure des Arts Appliqués et des Metiers d'Art (ENSAAMA) Paris, Frankreich
1986 Brevet de Technicien Supérieur (BTS), Monumentale Kunst und Diplom; 
Higher Technical Diploma ENSAAMA Glasmalerei
1986 - 1991 Studium und Aufbaustudium, Klasse Prof. Ludwig Schaffrath, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
1987 DAAD Stipendiat
seit 1991 Leitung der Studien- und Experimentierwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik, Akademie der Bildenden Künste München

 

Franziskus im Glas

Wenn sich zeitgenössische Künstler mit kirchlichen Heiligen beschäftigen ist dies ungewöhnlich, wenn nicht geradezu verdächtig. Und wer hat nicht schon über die kitschig-platten Abbilder, in Öl gemalt oder mit Wolle gehäkelt, gewoben oder gestrickt, milde gelächelt, hintergründig geschmunzelt über diese Bilder, die in Krankenhäusern, Hospizen oder anderen sozialen Einrichtungen, Heiligenlegenden naiv illustrieren oder frömmelnde Geschichten erzählen.

Eine andere, eine überraschende und in ihrer künstlerischen Qualität herausragende Bildfindung über den Heiligen Franz von Assisi schuf der französische Künstler Thierry Boissel im Frühjahr 2002. Sein Glasfenster für das Kinder- und Jugendzentrum im David-Fuchs-Haus im Schilterhäusle zwischen Villingen und Schwenningen ist ein autonomes Kunstwerk.

Den Heiligen Franziskus, der je nach Sonnenstand mal deutlicher, mal weniger deutlich zu erkennen ist, zitiert der Künstler nach einer Vorlage eines Fensters des Franziskanerklosters im schweizerischen Königsfelden aus dem 14. Jahrhundert, indem er die fast lebensgroße Figur 'heißstrukturiert' bei 800 °C auf die Scheibe brennt. Verschiedene Vögel, Schwäne oder Enten, ein Vogelnest wie eine stilisierte Sonnenblume, von Kinderhand gezeichnet, sind in Emailfarben, mit Silbergelb, Goldluster oder Platinium aufgetragen. Diese figurativen Elemente kontrastieren dabei mit einer schmalen gelben, einer querrechteckigen blauen und einer bräunlich-roten Farbfläche im Hochrechteck, welche die 'Schichtungen' des Glasfensters unterstreichen. Die drei verwendeten Isolierglasscheiben sind auf fünf Seiten (nur die äußerste Seite blieb unbearbeitet) mit zarten Primärfarben bemalt und ein spezielles Sandstrahlverfahren steigert die opake wie die transparente Wirkung des Glaskunstwerkes.

Der 'Franziskus im Glas' von Thierry Boisell ist in seiner spielerischen Auffassung eine poetische wie zeitgemäße Umsetzung, besser, eine lichtmalerische Nacherzählung des 'Laudes creaturarum', des berühmten 'Sonnengesangs' nach Psalm 148 Altes Testament, der selbst auf Verse des ägyptischen Pharaos Ramses II zurückreicht: "Halleluja! Lobet im Himmel den Herrn, lobet ihn in der Höhe!...".

Text: Wendelin Renn

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