Villingen-Schwenningen

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Anne Römpp, Heimat auf der Zunge

Anne Römpp, Heimat auf der Zunge, 2010; Fotografie: Horst W Kurschat

Anne Römpp

Heimat auf der Zunge, 2010
Stahl, Bronze, Blattgold
130 x 185 cm
 

Ort: Städtische Galerie, Friedrich-Ebert-Straße 35, Stadtbezirk Schwenningen

 

Biografie

1980 geboren in Bayreuth
1999 - 2004 Ausbildung zur Schreinerin und Holzbildhauerin
2009 Diplom Staatliche Akademie der Bildenden Künste
2004 - 2009 Studium der Freien Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Udo Koch, Markus Ambach und Prof. Werner Pokorny
2010 Aufenthalt in Florenz, Italien

Heimat auf der Zunge

Anne Römpp: Ein Zaunelement aus Stahl mit goldenen Zierspitzen, die die Form von Zungen haben, steht mitten auf einer Wiese. Einen Zaun kann man zum einen konkret gegenständlich als Instrument der Abgrenzung sehen, aber auch metaphorisch in Bezug setzen auf Mentalitätsunterschiede und Traditionen. Ebenso ist Heimat ein abgesteckter Bereich, der auch in den dialektalen Unterschieden zum Tragen kommt. Bei meiner Arbeit handelt es sich aber nur um ein Element eines Zaunes. Er ist somit seiner ursprünglichen Funktion enthoben und stellt nur einen Teil oder eben einen Rest dar. Zwischen Villingen und Schwenningen gibt es keine Grenze mehr im Sinne eines politisch abgesteckten Territoriums, aber ein Rest dieser Grenze bleibt in den Köpfen der BürgerInnen. Diese immer noch bestehende mentale Grenze wird unter anderem ersichtlich, an der langen Suche nach einem gemeinsamen Wappen, bei der sich keiner der beiden Stadtbezirke von seinem Wappentier trennen wollte. So entschloss man sich nach knapp 30 Jahren sowohl den Schwan, der für Schwenningen steht, als auch den Adler, der Villingen repräsentiert, abzubilden. Beide schauen sich nun an und strecken sich die goldenen Zungen entgegen. Diese Zungen werden auf dem Zaun zu Zierspitzen zusammengesetzt, was die Fusion des badischen und württembergischen Teils darstellen soll. Das Relikt des Zaunes veranschaulicht hingegen immer noch bestehende Grenzen in den Köpfen. 

Anne Römpp, Detail

Auszug aus dem Text 'Wir sind zugleich in und außer der Natur' im Katalog 'Die Natur verbindet'

In Anne Römpps Installation mit dem Titel 'Heimat auf der Zunge' steht eher das kulturell Verbindende der beiden Orte im Fokus. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Wappen, wollte weder Villingen auf den Adler, noch Schwenningen auf den Schwan als Symbol verzichten. Die eingegangene Verbindung wurde durch eine Berührung ihrer Zungen visualisiert. Diese goldenen Zungen krönen nun in Römpps Garten-Skulptur ein dunkel metallenes Zaunelement wie ein klassizistisches Muster. Die im Titel anklingende Verknüpfung legt nahe wie der lokale Dialekt zum verbindenden und trennenden Element werden kann, so wie der Zaun auch eine alte kulturelle Erfindung der Menschen ist, die den Garten als geordnete Natur von der chaotischen gewachsenen darum herum trennt und durch seine Transparenz aber gleichzeitig eine visuelle Verbindung ermöglicht. Das Zaunstück reflektiert ausschnitt- und symbolhaft das Prinzip der Grenze und Differenz, die sich auch heute noch zwischen den beiden fusionierten Städten zu befinden scheint und erinnert gleichzeitig daran, dass das Wort Garten etymologisch mit Zaun verwandt ist.

Autor: Prof. Udo Koch, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

 

Einzelausstellungen (Auswahl)

2017 Beige, Oberwelt e.V., Stuttgart 2016 Die Kunst zu handeln (mit Sam Szembek), Galerie Linda Treiber, Ettenheimmünster zwischenhinein, Böblinger Kunstverein Jetzt ist gleich später (mit Julia Wenz), Kunstverein Brackenheim  2015 zugleich, Ausstellung im Rahmen des Gerlinde-Beck-Preises im Landratsamt Enzkreis, Pforzheim 2014 Rankenwerk, Stadtbibliothek Stuttgart 2014 Minttürkis, Galerie Gudrun Fuckner, Ludwigsburg 2013 Saumselig, Wilhelmstraße 16 e.V., Bad Cannstatt 2012 Installez-vous!, Fondation Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe 2011 neben, Herrenhaus Edenkoben

Stipendien & Preise (Auswahl)

2015 Gerlinde-Beck-Preis für Skulptur 2012 Cité Internationale des Arts in Paris, Frankreich 2011 Förderpreis des Künstlerbundes Baden-Württemberg 2011 Aufenthaltsstipendium im Herrenhaus Edenkoben 2008 Erasmus Stipendium in Helsinki, Finnland

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Flyer

'Kunst am Weg' Herausgegeben vom Kunstverein Villingen-Schwenningen e. V.

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