Villingen-Schwenningen

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Archivale des Monats im Februar 2019

Handbeschriebene Blätter machen den Villinger Horaz zu einem besonderen Stück.

Archivale des Monats im April

Einzigartiger Frühdruck im Stadtarchiv

Im Besitz der Wissenschaftlichen Spezialbibliothek des Stadtarchivs und der Museen Villingen-Schwenningen befindet sich eine Inkunabel mit den Werken von Horaz aus dem Jahr 1498, gedruckt in Straßburg bei Johann Grüninger, fertiggestellt am 12.März 1498.

Dieses Buch kam durch eine Schenkung von Pfarrer Johann Oberle (1807-1891) aus Dauchingen in die Altertümersammlung der Stadt Villingen und ist somit Teil des Altbestandes der Archivbibliothek.

Durch einen Zufall wurde im Jahr 2018 eine Besonderheit in diesem Frühdruck entdeckt, er enthält überwiegend gedruckte, aber auch handschriftliche Blätter.

Die ersten gedruckten Bücher in der Zeit 1454 bis 1500, die man heute als Wiegendruck oder Inkunabeln bezeichnet, unterscheiden sich äußerlich kaum von den handschriftlichen Büchern aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Die frühen Drucke wurden nicht wie heute seitenweise bedruckt, sondern lagenweise. Eine Lage ist ein einzeln aufgeschnittener Druckbogen mit mehreren ineinandergesteckten, fortlaufend nummerierten Doppelblättern.

In unserem Horaz ist die gesamte Lage B des Liber Primus der Opera von Horaz mit sechs Blättern (in heutiger Zählweise die 2. Lage mit Blatt VII-XII) handschriftlich. Auf den ersten Blick nicht zu erkennen, da z.B. die Größe der Textblöcke und die Breite der Textspalten sowie die unterschiedlichen Schriftgrößen sehr genau den gedruckten Lagen angepasst wurden.

Warum das so ist, lässt sich allerdings nur vermuten. Auch ein Besuch in der Universitätsbibliothek (UB) Freiburg brachte keine eindeutige Klarheit: Ein Vergleich mit dem Exemplar der UB Freiburg ergibt keinerlei Textabweichungen, allerdings sind die Holzschnitte (Blatt VII) auf der linken und rechten Spalte seitenverkehrt abgedruckt.

In der Frühzeit des Buchdrucks wurden gedruckte Werke häufig ungebunden und lagenweise verkauft. Einerseits günstiger und andererseits konnte der Käufer 'sein' Exemplar nach eigenen Vorstellungen binden lassen.

Auch in unserem Fall könnte es so sein, dass die Lage B beim Kauf fehlte oder verloren ging und dann durch die handschriftlichen Blätter ersetzt wurde.

Die Bibliothek des Stadtarchivs besitzt somit ein einzigartiges Exemplar der Horazausgabe von 1498.

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Archivale des Monats im Februar

Gedenksteinurkunde an die Einweihung des Schwenninger Friedhofs vor 150 Jahren

Üblicherweise handelt es sich bei Archivalien um unmittelbar von früherem Verwaltungshandeln übriggebliebene Dokumente, die daher quellenkundlich als "Überrest" zu qualifizieren sind. Ganz anders verhält es sich bei Texten, die ihre Entstehung einer gezielten Überlieferungsabsicht verdanken, also "Tradition" darstellen, wie bei unserem "Archivale des Monats Februar". Das sagt eindeutig schon der Titel des Schriftstücks aus: "Urkunde zur Ueberlieferung an unsere Nachkommen". Mit diesen Worten ist die Gedenksteinurkunde an die Einweihung des Schwenninger Friedhofs auf der Bitz (heute "Alter Friedhof") vor 150 Jahren überschrieben.

Ein neuer Friedhof für das aufstrebende Schwenningen

Am Beginn des Textes wird der Beweggrund für die Errichtung des neuen Friedhofs genannt. Denn als Ende der 1860er Jahre der Bau der Eisenbahnlinie von Rottweil nach Villingen voranschritt, wurde dies in Schwenningen zum Anlass genommen, den Friedhof von seinem bisherigen Standort im Häusental zu verlegen, weil man ankommende Reisende nicht mit dem Begräbnisplatz konfrontieren wollte. Der damalige Friedhof lag nämlich anstelle der späteren Realanstalt (heute Janusz-Korczak-Schule an der Friedrich-Ebert-Straße) und damit in nächster Nähe des geplanten Bahnhaltepunktes, zudem direkt am Weg von dort zum Ortszentrum. Von der Regierung des Schwarzwaldkreises wurde zum Zweck der Neuanlage bereits am 4. Dezember 1867 ein Betrag von 3.000 Gulden genehmigt. Für die Vorarbeiten setzte der Gemeinderat im April des folgenden Jahres eine Kommission ein, die aus Schultheiß Erhard Müller, den Gemeinderäten Valentin Müller und Erhard Würthner, dem Obmann des Bürgerausschusses Mauthe und den Bürgerausschussmitgliedern Sternenwirt Quattländer und Hutmacher Link bestand.

Die Kommission nahm verschiedene Terrainuntersuchungen vor und führte Unterhandlungen mit den betroffenen Grundbesitzern. Am 5. Mai 1868 wurde beschlossen, den Friedhof weit außerhalb des Dorfes "auf der Bitz" links der Straße nach Weilersbach (Dauchinger Straße) anzulegen. Nach der Genehmigung des vorgelegten Plans durch die Kreisregierung am 28. August desselben Jahres und dem Ankauf mehrerer Morgen Ackerlands von sechs verschiedenen Eigentümern begannen die Bauarbeiten. Die Anlage, für die einschließlich der Grunderwerbskosten insgesamt 3.254 Gulden und 47 Kreuzer aufgewendet wurden, erhielt eine hölzerne Umzäunung und ein gusseisernes Tor; das Kreuz wurde von dem Wagner Michael Schlenker geliefert. Anders als heute befand sich der Zugang an der tiefer gelegenen Südseite in Richtung des Orts. Am 24. Februar 1869 konnte der neue Friedhof durch den protestantischen Pfarrer Erhard und seinen Helfer Mittler feierlich eingeweiht

Gedenksteinurkunde Seite 1
Gedenksteinurkunde Seite 2

Den historischen Moment mit einem Gründungsgedenkstein festhalten

Wohl weil der Zustand noch nicht ganz befriedigte, beschloss der Gemeinderat mit Zustimmung des Bürgerausschusses am 4. März, im Zentrum des neuen Gottesackers einen repräsentativen "Gründungsgedenkstein" aus rotem Sandstein mit bronzenem Kreuz errichten zu lassen. Dieses Monument wurde zum Preis von 100 Gulden von Johann Ummenhofer aus Villingen ausgeführt. In der Art einer "Grundsteinurkunde" wurde hier nun unsere "Urkunde zur Ueberlieferung an unsere Nachkommen" hinterlegt, deren von Ratschreiber Fausel gefertigtes Konzept sich im Stadtarchiv erhalten hat. Darin werden sämtliche Mitglieder des für den Bau verantwortlichen Stiftungsrats aufgeführt und Eckdaten zum Einwohnerstand und Größe des Ortes genannt.

Schon bald reicht der neue Friedhof nicht mehr aus

Zwei Mal, 1901 und 1912, musste der Friedhof wegen der rasch anwachsenden Einwohnerzahl erweitert werden. Im Zuge der ersten Erweiterung wurde der Friedhof nach Westen ausgerichtet und die alte Zugangssituation und Wegeführung obsolet. In diesem Zusammenhang könnte das Denkmal schon wieder entfernt worden sein, denn am 5. Juni 1902 ersuchte der protestantische Pfarrer Schmid als Vorsitzender des Kirchengemeinderats das Schultheißenamt, auf dem Friedhof einige Ruhebänke anzubringen "nachdem nun leider das Kreuz auf dem Kirchhof mit seinen Ruhesteinen gänzlich entfernt worden ist". Bei diesem Kreuz kann es sich freilich auch um das oben erwähnte Holzkreuz handeln.

Lageplan des Schwenninger Friedhofs 1911 nach der ersten Erweiterung, mit Leichenhaus im älteren Teil und Friedhofskapelle (SAVS 3.1-3 Nr. 5.832)

Weitere Entwicklung und das Ende der Bestattungen

Auf dem Gelände der ersten Erweiterung errichtete Fabrikant Christian Mauthe 1908 zum Andenken an seine im Vorjahr verstorbene Gattin Marie, geborene Bürk, eine Kapelle, die er der Stadt zum Gebrauch bei Begräbnisgottesdiensten übergab (später "Markuskapelle"). 1911 wurde erstmals eine ausführliche Friedhofsordnung erlassen, wie sie Pfarrer Schmid schon 1902 gefordert hatte. Dass darin von den acht Grabfeldern die ersten vier den Kindern vorbehalten wurden, gibt einen Hinweis auf die hohe Kindersterblichkeit damals. Der kommunale Friedhof war für die Beerdigung der Einwohner jeder Konfession bestimmt. Die Ruhezeiten betrugen für Erwachsene 25 Jahre, für größere Kinder 15 und kleinere Kinder 10 bis 12 Jahre. Der Stadtgärtner führte die unmittelbare Aufsicht über den Friedhof. Zur Anlage gehörte auch ein Leichenhaus, dessen Gebrauch aber anders als in vielen anderen Orten freiwillig blieb und nur bei ansteckenden Krankheiten, sehr kleinen Wohnungen und ungewöhnlich schneller Verwesung einem Benutzungszwang unterlag. Die Beerdigungen auf dem alten Friedhof wurden auch nach der Anlegung das Waldfriedhofs 1928, beziehungsweise dessen Öffnung für Erdbestattungen im Jahr 1936, bis zur Mitte der 1950er Jahre fortgesetzt; nach der offiziellen Auflassung 1961 gab es nur noch Zubettungen.

Transkription der Urkunde

SAVS 3.1-3 Nr. 5.821, L 7

L 7.

Schwenningen

Urkunde zur Ueberlieferung an unsere Nachkommen

Im Jahre 1869. den 24. Februar ist dieser Gottesacker durch die Ortsgeistlichen Pfarrer Erhard und Helfer Mittler feierlich eingeweiht worden. Der Eisenbahnbau, welcher im Jahr 1869 zu Ende ging, hat die Anlegung eines neuen Kirchhofs nothwendig gemacht.

Die Zahl der Einwohner beträgt nach der Zählung von 1868. ungefähr 4750.

Der Stiftungs Rath besteht zur Zeit aus den oben genannten Geistlichen und folgenden weltlichen Mitgliedern:

Erhard Müller Schultheiß

Johann Jakob Benzing, Uhrenmacher, Gemeinde Rath

Johannes Bürk, Bauer, Winkelereten //

Johannes Benzing, Fuhrmann, //

Christian Link, Bauer, Gemeinde Rath

Andreas Bürk, Alt Schultheiß //

Jakob Müller Maler Stiftungs- u. Gemeinde Rath

Valentin Müller, Strumpfweber Gemeindepfleger

Erhard Würthner Gerber, Gemeinde Rath

Johann Martin Benzing Bauer, Steches Gemeinde Rath

Christian Haller Uhrenmacher Gemeinde Rath

Matthias Fausel, Gemeinderath und Rathsschreiber.

Obmann vom Bürgerausschuß ist:

Johann Georg Bürk, Kaufmann zum Storchen

Die Gemeinde Schwenningen ist zur Zeit die größte Gemeinde im Oberamt Rottweil, Königreich Württemberg. Am 23. Juli 1850 sind hier 100. Häuser abgebrannt, worunter auch das Rathhaus war. Im Jahr 1866. ist die Markung durch Hagelschlag schwer heimgesucht worden.

Zur Urkunde

Pfarrer                   Schultheiß

                                               Gemeindepfleger

Helfer

                                               Stiftungspfleger

                                               Rathsschreiber

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