Villingen-Schwenningen

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Aktuelles

Veranstaltungen, Termine und Veröffentlichungen: Hier erfahren Sie alle Neuigkeiten des Stadtarchivs. Wir stellen außerdem immer wieder besondere Schätze aus dem Magazin vor und geben einen Einblick in unsere Arbeit.

Historiker berichten über neuste Erkenntnisse zur NS-Zeit

Am Montag, den 25. November veranstaltet das Stadtarchiv einen Vortragsabend über ,,Neue Forschungen zu Villingen-Schwenningen in der NS-Zeit". Alle interessierten Bürger sind ab 18.30 Uhr im Martin-Luther-Haus (Wehrstraße 2) im Stadtbezirk Villingen herzlich eingeladen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Vier Referenten geben einen Einblick in ihre Forschung zur NS-Zeit in Villingen und Schwenningen. Dr. Robert Neisen berichtet in seinem einleitenden Vortrag über den aktuellen Stand. Er stellt die Frage, wo steht die Forschung zum Nationalsozialismus in Villingen-Schwenningen? Und was ist noch zu tun? Neisen fasst die bisherigen Ergebnisse zusammen und gibt Ausblicke auf möglich zukünftige Forschungsfelder.

Dr. Heinrich Maulhardt befasst sich mit dem Lazarett für Kriegsgefangene im Villinger Waldhotel. Das Tagebuch eines französischer Kriegsgefangenen gibt Auskunft über den Betrieb und das Leben der Gefangenen im Waldhotel. Wolfgang Heitner beschäftigt sich mit dem Thema ,,Die öffentliche Versteigerung jüdischen Hausrats 1940 / 41 in Villingen". Er wird darüber informieren, wie in den 30er Jahren das Vermögen jüdischer Bevölkerung durch den NS-Staat systematisch geplündert und versteigert wurde. Über das Thema ,,Schwenninger und Villinger Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie –Morde" berichtet Friedrich Engelke. Er erinnert an kranke und hilfsbedürftige Schwenninger und Villinger Bürger, die in den Jahren 1939-1947 als ,,lebensunwertes" Leben in Heil- und Pflegeanstalten zur Tötung selektiert und ermordet wurden.

Anstoß für die Veranstaltung war der im Juli 2019 erschienene Tagungsband ,,Kommunen im Nationalsozialismus – Verwaltung, Partei und Eliten in Südwestdeutschland". Herausgeber sind Robert Neisen, Heinrich Maulhardt und Konrad Krimm (Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landekunde am Oberrhein). Es enthält 392 Seiten und informiert über die NS-Geschichte in südwestdeutschen Kommunen. Dabei gehen die Autoren der Frage nach, die sich bis heute immer wieder gestellt wird ,,Wie konnte es dazu kommen?".

Alle Informationen zur Veranstaltung und das Programm finden Sie im Flyer (PDF, 2,5MB).

Neuerscheinung: Blätter zur Stadtgeschichte – Der Alte Spitalhof und seine Geschichte

 Die neuste Veröffentlichung des Stadtarchivs beschäftigt sich mit einem besonders schönen Teil von Villingen-Schwenningen. In malerischer Umgebung zwischen Pfaffenweiler, Tannheim und Herzogenweiler liegen die Spitalhöfe. Die Geschichte des Alten Spitalhofs reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück, wie Unterlagen des Stadtarchivs belegen. Doch über die Jahre entstanden auch zahlreiche Mythen und Geschichten um den Hof, die jetzt für die Reihe 'Blätter zur Stadtgeschichte' überprüft wurden.

Lody van Vlodrop (Layout), Werner Biselli und Ute Schulze
Titelblatt Heft 01/2019

Die Quellenlage – Eine bunte Mischung von Dokumenten

Werner Biselli, heutiger Bewohner und Besitzer des Alten Spitalhofs berichtet von seiner "wilden Stoffsammlung", die den Anstoß für die Veröffentlichung gab. Darunter haben sich Berichte und Texte über die Geschichte des Hofs befunden, aber oft ohne Quellenangaben. Außerdem seien auch einige wichtige Unterlagen durch einen Brand im Jahr 1940 zerstört worden. Ältere Quellen wiederum finden sich im Stadtarchiv, da der Hof lange im Besitz des Heilig-Geist-Spital war.

Für die Neuerscheinung wertete Ute Schulze, Leiterin des Amts für Archiv und Schriftgutverwaltung und Historikerin, die unterschiedlichen Quellen aus und konnte so die Geschichte des Hofs aufarbeiten. Dabei wurden auch einige der alten Legenden um den Hof überprüft. So kursierte die Geschichte der Brunnen des Hofs sei früher vergiftet worden. Dafür fanden sich keine Belege, aber der Streit um vergiftetes Vieh des Spitalhofbauern ist gut dokumentiert, denn er schaffte es bis in die Wiener Hofkanzlei, da Villingen damals zum Reich der Habsburger gehörte.

Blätter zur Stadtgeschichte – Stadtgeschichte auf den Punkt gebracht

Diese und andere Aspekte der Geschichte des Alten Spitalhofs sind in der neusten Erscheinung der 'Blätter zur Stadtgeschichte' anschaulich dargestellt. In der Reihe erscheinen in unregelmäßigen Abständen Hefte, die verschiedenen Themen der Stadtgeschichte kurz aufarbeiten. Die bisher erschienenen Hefte finden sich hier.

'Der Alte Spitalhof und seine Geschichte' kann für drei Euro beim Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, in den Ortsverwaltungen von Pfaffenweiler und Herzogenweiler erworben werden. Außerdem ist es auch online über den Archiv-Shop erhältlich.

Archivale des Monats im November: Kistenweise Geld

Eine Million, eine Milliarde, zehn Millarde: Kistenweise lagern diese Summen im Stadtarchiv. Doch das Archiv ist nicht reich, denn dabei handelt es sich um sogenanntes Notgeld aus den 1920er Jahren als die Städte Villingen und Schwenningen, sowie große Firmen eigene Banknoten druckten, um auf die Inflation zu reagieren.

Die ersten Jahre der Weimarer Republik waren eine wirtschaftlich schwierige Zeit, die ihren Höhepunkt in der sogenannten "Hyperinflation" von 1923 hatte. Nachdem das Geld zunehmend an Wert verlor, hatten die Banken Schwierigkeiten noch ausreichend Banknoten ausgeben zu können. Deshalb wurde Notgeld hergestellt. Diese Scheine wurden vom Land, den Kommunen oder auch privaten Firmen gedruckt und waren als Ersatzzahlungsmittel im Umlauf.

Kisten mit Notgelddrucken

Das Geld war im Krieg verpufft

Die Inflation begann im ersten Weltkrieg, der das Deutsche Reich finanziell schon 1914 an seine Grenzen brachte. So wurden die vier Kriegsjahre mit Anleihen finanziert, auch in der Hoffnung das Geld später als Sieger von den gegnerischen Mächten einfordern zu können. Doch dazu kam es nicht. Die Weimarer Republik hatte von Beginn an die Belastung hoher Reparationszahlungen an die Gegner zu tragen. Außerdem mussten auch die Schulden bei der eigenen Bevölkerung bezahlt werden, die durch Kriegsanleihen den Krieg finanziert hatten. So kam es trotz eines kleinen wirtschaftlichen Aufschwungs Anfang der 1920er zu zunehmender Inflation. Verschärft wurde die Situation zusätzlich als 1923 das Ruhgebiet besetzt wurde.

Im November 1923 erreichte die Krise ihren Höhepunkt als der Kurswert von einem US-Dollar 4,2 Billion Mark entsprach. In dieser Zeit waren vielfältige Zahlungsmittel im Umlauf, unter anderem auch das Notgeld. Dieses Ersatzgeld durften auch Kommunen und sogar Firmen drucken und an die Bürger oder Angestellten abgeben.

Notgeldscheine aus Schwenningen, Württemberg und Villingen

Ein Pfund Fleisch für 15 Milliarden Mark

Für die einfache Bevölkerung hatte die Inflation einschneidende Folgen. Die eigenen Ersparnisse verloren völlig an Wert. Da die Preise sich sehr schnell änderten, wussten die Menschen außerdem nie, ob sie sich von ihrem Lohn noch Lebensmittel und andere wichtige Waren leisten konnten. Während ein Pfund Rindfleisch am 7. Januar 1923 in Villingen noch 700 Mark kostete, stieg der Preis am 31. Oktober auf unglaubliche 15 000 000 000 Mark. Besonders hart waren aber Arbeitslose, Rentner und Kranke von den steigenden Preisen betroffen.

Einführung einer neuen Währung, der Rentenmark, beendete die Inflation. Kurze Zeit später wurde sie durch die Reichsmark ersetzt. Das bedeutete auch das Ende der Notgeldscheine, die völlig wertlos wurden und schließlich im Stadtarchiv landeten.

Archivale des Monats im Oktober: Kreative Lesezeichen für den Hausgebrauch

Die Wissenschaftliche Spezialbibliothek des Stadtarchivs stellt in dieser Ausgabe des Archivale des Monats eine interessante Sammlung von religiösen Schriften aus dem 18. Und 19. Jahrhundert vor. . Die Schwenninger Bevölkerung war in den 1970er Jahre aufgerufen worden, religiöse Hausbücher für eine geplante Ausstellung im Schwenninger Heimatmusem zur Verfügung zu stellen.

Das Buch mit Lesezeichen.
Die Lesezeichen hinterlassen sichtbare Spuren.

Ein beeindruckend langer Titel

Auch das Buch "Sämtliche geistreiche Bücher vom Wahren Christenthum, Das ist: Von heilsamer Busse, herzlicher Reue und Leid über die Sünde, wahrem Glauben, auch heiligem Leben und Wandel der wahren Christen" von Johann Arndt aus dem Jahr 1733 kam auf diesem Weg in das Stadtarchiv.

Dieses Buch sticht als regelrechtes 'Schatzkästchen' hervor. Es beinhaltet nicht nur Metaphern, Zitate oder Sinnsprüche, sondern auch zahlreiche Lesezeichen die von der Geschichte der früheren Besitzer erzählen. Als Lesezeichen hat man gefunden: Kalenderblätter, Andachtsbilder, getrocknete Blumen, Wollfäden, Streichhölzer die auf Buchseiten eindeutige Ausbuchtungen erkennen lassen und einen rostigen Nagel.

Kunstvolle Lesezeichen

Die ersten Lesezeichen waren Bändchen, wie man sie heute auch noch manchmal in Büchern findet. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen dann Frauen aufwendige Lesezeichen zu fertigen und verzierten sie mit Stickereien. Diese Lesezeichen wurden auch gerne als Geschenk weitergegeben. Wer sich im 18. Und 19. Jahrhundert alles so ein Buch leisten konnte kann man nur erahnen. Doch eins steht fest: Für die heutige und zukünftige Generation ist es ein wertvolles und inhaltsreiches Buch.

Einige der im Buch entdeckten Lesezeichen
Ein Löschpapier, das als Lesezeichen genutzt wurde.

NS-Herrschaft im Großen und Kleinen – Tagungsband erschienen

Am 04. Juli 2017 präsentierten die Herausgeber Heinrich Maulhardt, Robert Neisen und Konrad Krimm im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen den neu erschienenen Tagungsband "Kommunen im Nationalsozialismus". Leitfrage des Buchs ist, »wie es dazu kommen konnte«. Dafür wird die Etablierung des Nationalsozialismus auf kommunaler Ebene betrachtet, um herauszufinden, wodurch die Nationalsozialisten gestärkt oder geschwächt wurden.

Das Buch fasst damit die Ergebnisse einer Tagung zusammen, die 2017 vom Stadtarchiv veranstaltet wurde und Historiker in Villingen-Schwenningen versammelte.

Verwaltung stütze den Nationalsozialismus

Auf knapp 400 Seiten nehmen die Verfasser die NS-Herrschaftsgeschichte in den Fokus. Am Beispiel unterschiedlicher südwestdeutscher Gemeinden und Städte zeigen die Autoren, wie der Nationalsozialismus durch die lokalen Gegebenheiten beschleunigt oder gehemmt wurde. Dabei zeigte sich, dass auch Verwaltungen, die nicht mit nationalsozialistischen Politikern besetzt waren, zu Stärkung beitragen konnten, in dem sie durch ihre gute Arbeit die Herrschaft legitimierten. Auch in Villingen und Schwenningen ist dieses Phänomen zu beobachten, wie Wolfgang Heitner und Robert Neisen in ihren Beiträgen über die beiden Städte feststellen.

Buchpräsentation mit: Robert Neisen, Wolfgang Heitner, Ute Schulze, Jürgen Weis, Heinrich Maulhardt (v.l.n.r.)

Ein differenzierter Blick auf NS-Herrschaft 

Neisen zog bei der Vorstellung des Buchs das Fazit, dass der Sammelband zu einer Differenzierung der Sicht auf die NS-Herrschaft beitrage. "Wir sind stolz diesen Beitrag zur Forschung in dem Bereich zu leisten", ergänzt er abschließend.

Der Titel "Kommunen im Nationalsozialismus – Verwaltung, Partei und Eliten in Südwestdeutschland" erscheint als Band 38 in der Reihe Oberrheinische Studien. Die Reihe dient der Veröffentlichung der Tagungsergebnisse der Tagungen der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein (AGLO). Seit den 1970ern werden in diesem Rahmen Titel mit dem Schwerpunkt auf südwestdeutsche Geschichte veröffentlicht und so eine große inhaltliche Bandbreite abgedeckt.

 

Neisen, R.; Maulhardt, H.; Krimm, K. (Hrsg.). Kommunen im Nationalsozialismus – Verwaltung, Partei und Eliten in Südwestdeutschland.

Reihe: Oberrheinische Studien, Band 38. (Herausgeber, Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V.)

392 Seiten, 34 Euro. ISBN: 978-3-7995-7843-1

Erhältlich im Buchhandel oder über den Thorbecke Verlag.

Findbuch.net - Recherchieren Sie von zu Hause aus in den Beständen des Archivs

Ab sofort können Nutzer des Stadtarchivs bequem von zu Hause aus in den Beständen des Stadtarchivs recherchieren. Über das Portal findbuch.net stellt das Archiv umfangreiche Informationen zu den meisten seiner Bestände zur Verfügung. Die Datenbank umfasst 311 Bestände mit 130 000 Datensätzen. Vom Mittelalter bis in die heutige Zeit finden sich hier Informationen über das Leben in Villingen-Schwenningen. Dabei handelt es sich um Urkunden, städtische Akten oder Dokumente aus unterschiedlichen Nachlässen.

Beispielseite in Findbuch.net

Gezielte Suche nach relevanten Dokumenten

Mit der Suchfunktion können Nutzer sich auf die Suche nach relevanten Dokumenten machen. Sie ermöglicht eine Eingrenzung auf bestimmte Zeiträume oder Bestände. Wer das richtige gefunden hat, kann es gleich per Mausklick vorbestellen und einen Termin für einen Besuch im Archiv ausmachen. Dort können die meisten Unterlagen im Original eingesehen werden. Empfindliche Dokumente sind mikroverfilmt und so verfügbar.

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