Villingen-Schwenningen

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Aktuelles

Veranstaltungen, Termine und Veröffentlichungen: Hier erfahren Sie alle Neuigkeiten des Stadtarchivs. Wir stellen außerdem immer wieder besondere Schätze aus dem Magazin vor und geben einen Einblick in unsere Arbeit.

Archivale des Monats im Juni: Baustelle auf der Rietstraße damals und heute

Staubige Baustellen, lärmende Bagger? Das kommt den Besuchern der Villinger Rietstraße momentan sicher bekannt vor, denn die Sanierung ist dort im vollen Gange. Doch auch das geht vorbei, wie das Archivale des Monats Juni zeigt. Aus unseren Filmbeständen zeigen wir Aufnahmen der Rietstraßensanierung von 1977/78.

Autos raus aus der Innenstadt

Die Bilder erinnern sehr an heute. Die Straße aufgerissen und die Fußgänger balancieren auf kleinen Behelfswegen zu den Geschäften. Auch großes Gerät kam damals wie heute zum Einsatz. Die Gründe für die Baustelle waren 1977 allerdings andere. Die Stadt hatte entschieden dort zuerst die Fußgängerzone in der Innenstadt umzusetzen, nachdem bis dahin der Autoverkehr durch die Stadttore floss. Autofahrer mussten sich plötzlich umgewöhnen, denn ab dem 9. November 1977 wurde der Verkehr umgeleitet und der Innenstadtring durfte nur noch als Einbahnstraße befahren werden.

Die neue Fußgängerzone lockt

Da es vor allem um die Neuverlegung des Kopfsteinpflasters ging, dauerten die Bauarbeiten nur einige Wochen. Im Anschluss an die Rietstraße folgten dann auch die Obere Straße, so dass im Sommer 1978 die heute bekannte Fußgängerzone eröffnet werden konnte.

Und ganz nebenbei lassen sich im Film alte und neue Händler der beliebten Einkaufsstraße wiedererkennen. Das Ende des Films macht Hoffnung. Nach Abschluss der Sanierung sehen wir die Besucher wieder in den schönen Cafés in der Sonne sitzen und entspannt durch die Fußgängerzone spazieren.

Findbuch.net - Recherchieren Sie von zu Hause aus in den Beständen des Archivs

Ab sofort können Nutzer des Stadtarchivs bequem von zu Hause aus in den Beständen des Stadtarchivs recherchieren. Über das Portal findbuch.net stellt das Archiv umfangreiche Informationen zu den meisten seiner Bestände zur Verfügung. Die Datenbank umfasst 311 Bestände mit 130 000 Datensätzen. Vom Mittelalter bis in die heutige Zeit finden sich hier Informationen über das Leben in Villingen-Schwenningen. Dabei handelt es sich um Urkunden, städtische Akten oder Dokumente aus unterschiedlichen Nachlässen.

Beispielseite in Findbuch.net

Gezielte Suche nach relevanten Dokumenten

Mit der Suchfunktion können Nutzer sich auf die Suche nach relevanten Dokumenten machen. Sie ermöglicht eine Eingrenzung auf bestimmte Zeiträume oder Bestände. Wer das richtige gefunden hat, kann es gleich per Mausklick vorbestellen und einen Termin für einen Besuch im Archiv ausmachen. Dort können die meisten Unterlagen im Original eingesehen werden. Empfindliche Dokumente sind mikroverfilmt und so verfügbar.

https://www.stadtarchiv-vs.findbuch.net

Stadtarchiv unterwegs: Erinnerungen an vergangene Zeiten im Seniorenzentrum

Am 25. April erwartete die Bewohner des Seniorenzentrums im Welvert eine kleine Reise in die Vergangenheit. Lisa Hahn vom Stadtarchiv Villingen-Schwenningen war für einen Nachmittag der Stadtgeschichte in das Seniorenzentrum gekommen. Sie begann zunächst mit einer Lesung aus dem Buch "Geschichte der Stadt Villingen-Schwenningen", dass die Stadt 2017 veröffentlicht hat. Im Anschluss daran zeigte sie den Zuhörern Bilder aus der Postkartensammlung des Archivs und rief so alte Erinnerung wach.

Lisa Hahn zeigt Bilder aus der Postkartensammlung

Gemeinsam Erinnerungen teilen

Das Thema des Nachmittags war die Nachkriegszeit in Villingen, die viele der Anwesenden selbst als Kinder oder Jugendliche erlebt haben. Die Lesung zeigte, dass nach den harten Jahren nach dem Krieg bald auch eine Zeit des Aufschwungs folgte, die viel neues Leben in die Stadt brachte. Besonders die Bilder aus den 40er- und 50er Jahren begeisterten die Bewohnerinnen des Seniorenzentrums. Gemeinsam wurde gerätselt, welcher Straßenabschnitt zu sehen war und ob man Orte von früher wiedererkannte.

Josie Laubis, Leiterin des Sozialdiensts im Seniorenzentrum berichtet, wie wichtig es für ältere Menschen ist, solche Erfahrungen machen zu können: »Wir versuchen unsere Bewohnerinnen immer in Schwung zu halten, in dem wir ihnen Ausflüge und Programm anbieten. Sich gemeinsam an alte Zeiten zu erinnern tut ihnen gut und wir freuen uns, dass das Stadtarchiv hier zu Gast war.«

Archivale des Monats im Mai: Ein Register dokumentiert die ersten Wahlen

Der Mai ist Wahlmonat in Villingen-Schwenningen, denn die Europa- und Kommunalwahl stehen ins Haus. Anlass genug einen Blick zurück zu werfen, um zu sehen, wie wurde eigentlich früher gewählt? Davon erzählt unser Archivale des Monats, das Abstimmungsregister der Stadt Villingen für die erste Wahl zur badischen zweiten Kammer im Januar 1819.

Titelblatt des Registers

Eine liberale Verfassung für Baden

Die von Großherzog Karl am 22. August 1818 unterzeichnete Verfassungsurkunde für Baden galt als liberalste Verfassung im Deutschen Bund. Sie gewährte nicht nur eine Reihe von Grundrechten, sondern schuf auch eine Volksvertretung mit Zweikammersystem. Die erste Kammer war ständisch dominiert, das heißt mit Vertretern des Adels und der Kirchen besetzt. Getrennt davon bestand die zweite Kammer mit 63 Abgeordneten der Städte und Ämter. Sie wurde nach dem Repräsentativprinzip gebildet.

Die ersten Wahlen – weder geheim noch allgemein

Die Abgeordneten wurden die im Januar / Februar 1819 erstmals in einem indirekten Wahlverfahren gewählt. Dass gemäß den Bestimmungen der Verfassung landesweit einem Anteil von 17 Prozent der Einwohner das Wahlrecht zugesprochen wurde, ging im damaligen Deutschen Bund weit. Wahlberechtigt war, wer mindestens 25 Jahre alt, männlich und Inhaber des Ortsbürgerrechts oder eines öffentlichen Amts war. Gemäß der Wahlordnung kam auf je 500 Einwohner ein Wahlmann; in Villingen mit damals 3282 Einwohnern waren somit sieben Wahlmänner von den 566 Urwählern zu bestimmen. Von letzteren nahmen 503 Männer (88,9 Prozent) tatsächlich an der Wahl teil, wobei sie ihre Wahlentscheidung mit eigenhändiger Unterschrift in dem von der Wahlkommission dazu angelegten Register bestätigten. In der Spalte rechts neben der Unterschrift waren vom Gerichtsschreiber jeweils die sieben (manchmal nur sechs) Namen der Gewählten notiert worden. Von einer geheimen Wahl war noch keine Rede.

Bei der Urwahl im Januar erhielten am meisten Stimmen:

  1. Kaplan Dürr 397
  2. Mohrenwirt Philipp Mahler 184
  3. Bürgermeister Ludwig Fischer 176
  4. Schlößlewirt Joseph Vetter 176
  5. Handelsmann Provence 173
  6. Stadtrat Göth 163
  7. Stadtrat Otto 162
  8. Amtsrevisor Handtmann 160
  9. Stadtrat Dr. Karl Wittum (Stadtarzt) 157
  10. Lilienwirt Ummenhofer 153
  11. Oberzoller Maÿer 138
  12. Chorregent Fidel Dürr 132
  13. Lukas Ummenhofer 127
  14. Hechtwirt Dold 111
  15. Handelsmann Nepomuk Wittum 95
  16. Kreisrat Faller 31

Parteien oder Wahllisten gab es damals nicht; die Urwahl und noch viel mehr die anschließende Deputiertenwahl im Februar stellte sich als ausgesprochene Persönlichkeitswahl dar.

Wahlmann musste Hürden überwinden

Der zunächst von den Wahlmännern des die Amtsbezirke Villingen und Hüfingen umfassenden Villinger Wahlbezirks einstimmig zum Abgeordneten gewählte Ministerialbeamte Daniel Gulat von Wellenburg (1809 bis 1814 Vorsteher des Donaukreises mit Sitz in Villingen) lehnte aber die Wahl ab. An seiner Stelle wurde anschließend wiederum einstimmig Philipp Mahler, Gastwirt zum Mohren in Villingen (heute Rietstraße 29), zum Abgeordneten gewählt. Wegen des hohen Zensus beim passiven Wahlrecht hatte Mahler zum Beleg seiner Wählbarkeit sein im Grund-, Häuser- und Gewerbesteuerkataster eingetragenes Kapitalvermögen nachzuweisen, das mit 10.460 Gulden die Untergrenze von 10.000 Gulden nicht sehr weit überstieg. Mahler war einer der nur etwa 6.500 Badener, die aufgrund ihres Vermögens die gesetzlichen Bedingungen für die Wählbarkeit zum Abgeordneten der zweiten Kammer erfüllten.

»Eine Plattform für die Verbreitung von Toleranz und Solidarität« – Joseph-Haberer-Preis wieder ausgeschrieben.

Ab sofort können Schülerinnen und Schüler aus Villingen-Schwenningen Arbeiten für den Joseph-Haberer-Preis der Stadt einreichen. In Erinnerung an Joseph Haberer, einen ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt, werden Arbeiten gesucht, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um eine reine Auseinandersetzung mit der Geschichte, sondern auch darum einen Bezug zur Gegenwart herzustellen.

Die eigene Geschichte erforschen – Demokratie stärken

Thomas Weidle, der im letzten Jahr für seine Arbeit über die Widerstandsbewegung in der Region ausgezeichnet wurde, erklärt: »Der Joseph-Haberer-Preis ist für mich eine Plattform, die der Verbreitung von Werten wie Toleranz, Solidarität und Nächstenliebe dient«. Weidle hatte die Ergebnisse seiner ausgezeichneten Arbeit im Anschluss für eine Ausstellung in seiner Schule aufgearbeitet, die auf großes Interesse stieß. Er ergänzt, dass durch die Preisarbeiten die Erinnerung gestärkt werden. So könne ein Bewusstsein dafür geschaffen werde, dass es unabdingbar ist, sich für unsere Demokratie einzusetzen.

Digitale Medien, kreative Arbeiten oder wissenschaftliche Texte gesucht

Die Teilnehmer können beispielsweise Interviews mit Zeitzeugen führen, Spuren der damaligen Zeit in der Stadt suchen oder sich kreativ mit den Ereignissen und Folgen des Nationalsozialismus beschäftigen. Das Stadtarchiv ist bei der konkreten Themensuche und Recherche gerne behilflich.

Junge Menschen, die eine der Schulen in Villingen-Schwenningen besuchen, bekommen durch den Preis die Chance sich auf ihre Art mit der Geschichte ihrer Heimat auseinander zu setzen. Ob auf dem klassischen Weg als Seminararbeit, einem Aufsatz oder durch neue Medien, wie Blog, Videos oder digitales Storytelling, die Darstellungsform der eingereichten Arbeiten ist nicht festgelegt. Auch künstlerische Werke wie Theaterstücke oder Zeichnungen sind willkommen. 

Alle Informationen zur Teilnahme (Teilnahmebedingungen, Anmeldeformular).

Neuerscheinung: Recyclingware aus dem Mittelalter

Das Recycling kein Phänomen unserer Zeit ist beweist Dr. Edith Boewe-Koob mit ihrem gerade erschienenen Buch "Mittelalterliche Einbandfragmente aus dem Stadtarchiv Villingen-Schwenningen". In jahrelanger Forschungsarbeit analysierte sie liturgische Handschriften aus dem Mittelalter. Die Pergamentfragmente mit den Handschriften waren vor über 20 Jahren als Bucheinbände im Stadtarchiv wiederentdeckt worden.

Einband eines Rechnungsbuches gab den Anstoß

Das erste Fragment wurde vom damaligen Stadtarchivar Dr. Heinrich Maulhardt als Einband eines städtischen Rechnungsbuches gefunden. Es war der Anlass um nach weiteren solchen Fragmenten im Archiv zu suchen und sie zu erforschen. Die mittelalterlichen Fragmente stammen vermutlich aus Klöstern. Nach der Reformation waren die Schriften wertlos geworden und wurden deshalb als Bucheinbände weiterverwertet. Das Stadtarchiv und Dr. Boewe-Koob machen sie mit dem neuen Buch endlich auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.

Die Autorin Dr. Boewe-Koob präsentiert das Werk

Eine vielfältige Expertin

Das Buchprojekt erforderte eine vielfältige Expertise, die Frau Boewe-Koob in ihrer Person vereint. Nach einem Studium in Gesang und Klavier, langer Berufstätigkeit in diesem Bereich, studierte sie außerdem Musikwissenschaft, lateinische Philologie und Geschichte an der Universität Freiburg. Auch ihre Promotion beschäftigt sich mit einer liturgischen Handschrift aus dem Mittelalter. Damit bringt sie das umfangreiche Wissen mit, das für die Erforschung der Handschriften wichtig war. Sie resümiert selbst über die langjährige Arbeit am Buch: »Es war eine langwierige und konzentrierte Arbeit, die mir aber viel Freude machte«.

Weitere Anschlussforschung erhofft

Der Titel besteht aus zwei Bänden, einem Bild- und einem Textband mit insgesamt 154 Seiten. Es zeigt die wertvollen mittelalterlichen Schriften und gibt einen Einblick in die Schätze des Stadtarchivs. Damit sollen die Ergebnisse interessierten Laien präsentiert werden und weitere Anschlussforschung zur Einordnung der Schriften möglich gemacht werden.

Ab sofort kann das Buch im Buchhandel, beim Stadtarchiv Villingen-Schwenningen oder über den Archiv-Shop für 19,50 Euro erworben werden.

Verleihung des Joseph-Haberer-Preis 2018

Am 09. November 2018 jährte sich der Tag der Judenpogrome, auch bekannt als "Reichskristallnacht" zum achtzigsten mal. Anlässlich dieses Tages verleiht die Stadt Villingen-Schwenningen den Joseph-Haberer-Preis an Schülerinnen und Schüler der Stadt. In diesem Jahr wurden drei Auszeichnungen vergeben: Den ersten Preis erhielten Emilia Brugger und Sophia Plotzitza von der St. Ursula Schule für ihre Arbeit "Die Reise der Familie Boss". Die beiden Schülerinnen hatten das Schicksal der jüdischen Familie Boss aus Villingen nachverfolgt und präsentierten ihre Ergebnisse in einer Präsentation und im Rahmen einer Ausstellung im Franziskanermuseum.

Preisträger des Joseph-Haberer-Preis 2018

Ein dritter Preis ging an Simon Hedderich und Moritz Kramer von der Staatlichen Feintechnikschule in Schwenningen für ihren Film "Sag mir, was Frieden ist". Ihr Film beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven, was Frieden ausmacht und wie er zu erreichen ist. Dafür interviewten sie beispielsweise einen Pfarrer, einen Psychologen und geflüchtete Mitschüler.

Ebenfalls einen dritten Preis erhielt Thomas Weidle vom Gymnasium am Hoptbühl. Er stellte in seiner Seminararbeit die unterschiedlichen Formen von Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Schwenningen und Villingen dar. Sowohl linke Parteien, die Rolle der beiden Bürgermeister und die Kirchengemeinden, thematisiert Weidle in seiner Arbeit.

Deniz Eker erhielt eine lobende Erwähnung für seine Arbeit "Deutsch für Anfänger", die sich mit seiner eigenen Migrationsgeschichte und der Suche nach einer deutsch-türkischen Identität auseinandersetzt.

Die Arbeiten der Preisträger werden jetzt auch gemeinsam mit den ausgezeichneten Arbeiten der vergangenen Jahre vorgestellt: Alle Preisarbeiten.

Kontakt

Amt für Archiv und Schriftgutverwaltung
Winkelstraße 7, Bau D, 3. OG
78056 Villingen-Schwenningen

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit:
Lisa Hahn
Telefon 07721 / 82-1802
Telefax 07721 / 82-1807
E-Mail: lisa.hahn@
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