Villingen-Schwenningen

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Aktuelles

Veranstaltungen, Termine und Veröffentlichungen: Hier erfahren Sie alle Neuigkeiten des Stadtarchivs. Wir stellen außerdem immer wieder besondere Schätze aus dem Magazin vor und geben einen Einblick in unsere Arbeit.

»Eine Plattform für die Verbreitung von Toleranz und Solidarität« – Joseph-Haberer-Preis wieder ausgeschrieben.

Ab sofort können Schülerinnen und Schüler aus Villingen-Schwenningen Arbeiten für den Joseph-Haberer-Preis der Stadt einreichen. In Erinnerung an Joseph Haberer, einen ehemaligen jüdischen Bürger der Stadt, werden Arbeiten gesucht, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus beschäftigen. Dabei geht es nicht nur um eine reine Auseinandersetzung mit der Geschichte, sondern auch darum einen Bezug zur Gegenwart herzustellen.

Die eigene Geschichte erforschen – Demokratie stärken

Thomas Weidle, der im letzten Jahr für seine Arbeit über die Widerstandsbewegung in der Region ausgezeichnet wurde, erklärt: »Der Joseph-Haberer-Preis ist für mich eine Plattform, die der Verbreitung von Werten wie Toleranz, Solidarität und Nächstenliebe dient«. Weidle hatte die Ergebnisse seiner ausgezeichneten Arbeit im Anschluss für eine Ausstellung in seiner Schule aufgearbeitet, die auf großes Interesse stieß. Er ergänzt, dass durch die Preisarbeiten die Erinnerung gestärkt werden. So könne ein Bewusstsein dafür geschaffen werde, dass es unabdingbar ist, sich für unsere Demokratie einzusetzen.

Digitale Medien, kreative Arbeiten oder wissenschaftliche Texte gesucht

Die Teilnehmer können beispielsweise Interviews mit Zeitzeugen führen, Spuren der damaligen Zeit in der Stadt suchen oder sich kreativ mit den Ereignissen und Folgen des Nationalsozialismus beschäftigen. Das Stadtarchiv ist bei der konkreten Themensuche und Recherche gerne behilflich.

Junge Menschen, die eine der Schulen in Villingen-Schwenningen besuchen, bekommen durch den Preis die Chance sich auf ihre Art mit der Geschichte ihrer Heimat auseinander zu setzen. Ob auf dem klassischen Weg als Seminararbeit, einem Aufsatz oder durch neue Medien, wie Blog, Videos oder digitales Storytelling, die Darstellungsform der eingereichten Arbeiten ist nicht festgelegt. Auch künstlerische Werke wie Theaterstücke oder Zeichnungen sind willkommen. 

Alle Informationen zur Teilnahme (Teilnahmebedingungen, Anmeldeformular).

Archivale des Monats im April: Auf den Spuren einer mittelalterlichen Handschrift

Manchmal steckt in Archivdokumenten mehr als man zunächst denkt. So ist es auch mit dem Archivale des Monats im April, einer mittelalterlichen Handschrift. Als Einband eines Vertrags lagen die Fragmente dieser Handschrift im Stadtarchiv lange Zeit im Verborgenen. Doch wie wurde aus einer mittelalterlichen Handschrift ein Einband für ein Dokument im Stadtarchiv? Und woher stammt die Handschrift wirklich?

Mittelalterliche Buchproduktion war Handarbeit

Um diese Fragen zu beantworten muss man sich zunächst damit beschäftigen, wie früher Schriftstücke und Bücher entstanden sind. Im Mittelalter nutzen man dafür Pergamente, also bearbeitete Häute von Tieren, die aufwändig von Hand beschrieben und bemalt wurden. Die heute erhaltenen Handschriften stammen oft aus den Schreibstuben von Klöstern, denn außerhalb von Adel und Klerus konnten kaum Menschen Lesen und Schreiben.


Gesamter Einband mit Handschrift
Ausschnitt 1
Ausschnitt 2

Das Archivale des Monats ist ein sogenanntes Antiphonarium. Das sind Schriftstücke, die das Chorgebet aufzeichnen. Dafür wurde eine gotische Schrift verwendet und die Melodie in 'Neumen', speziellen grafischen Notenzeichen, festgehalten (s. Ausschnitt 1). Vermutlich stammt die Handschrift also aus einem Kloster im süddeutschen Raum. Sie ist mehrfach zerschnitten, beklebt und beschrieben, so dass sich nicht mehr alle Inhalte eindeutig identifizieren lassen (s. Auschnitt 2). Das geschah um sie als Einband wiederverwenden zu können.

Von der liturgischen Handschrift zum Einband im Stadtarchiv

Denn mit dem späteren Bedeutungsverlust der Klöster und der Reformation wurden viele der wertvollen Handschriftenpergamente gewissermaßen recycelt. Ihr Inhalt war wertlos geworden, doch die gut erhaltenen Pergamente nutze man für den Einband neuer Dokumente.

Die aufwändige Erforschung und Analyse der Handschrift sowie vieler weiterer Einbandfragmente aus dem Stadtarchiv übernahm Dr. Edith Boewe-Koob für das Stadtarchiv. In jahrelanger Detektivarbeit erschloss sie die Fragmente soweit wie möglich. Die Ergebnisse sind seit Ende letzten Jahres in einem Buch veröffentlicht: 'Mittelalterliche Einbandfragmente aus dem Stadtarchiv Villingen-Schwenningen' . Es ist sowohl in den örtlichen Buchhandlungen als auch im Stadtarchiv erhältlich.

Quelle: Boewe-Koob (2018): Mittelalterliche Einbandfragmente aus dem Stadtarchiv Villingen-Schwenningen. Villingen-Schwenningen: Verlag der Stadt Villingen-Schwenningen. ISBN: 978-3-939423-30-0

SAVS Best. 2.1, E 13 a/1 - Fragment mit Neumen auf Linien.

Archivale des Monats im März: Ein goldenes Trio der Stadtgeschichte

Das Archivale des Monats im März ist ein Stück Stadtgeschichte, von dem sicher viele schon einmal gehört haben: das Goldene Buch der Stadt. Genauer, die Goldenen Bücher, denn im Stadtarchiv gibt es nicht nur ein Goldenes Buch, sondern gleich drei davon.

Goldenes Buch - Villingen

Das ist natürlich der Geschichte der Doppelstadt geschuldet. Es gibt ein Schwenninger Buch, ein Villlinger Buch und ein gemeinsames, das nach dem Zusammenschluss 1972 begonnen wurde. Jedes dieser Bücher bringt seine eigenen Geschichten mit. Aber der Name ist Programm und in das Buch haben sich zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport bei ihren Besuchen in der Stadt eingetragen.

Ein Künstler in der Stadtverwaltung

Im kleinsten der drei Bücher, dem Goldenen Buch aus Villingen, fallen sofort die aufwändig gestalteten Seiten ins Auge. Der damalige Hauptamtsleiter Theo Arnold verewigte sich hier mit den passenden Zeichnungen zum jeweiligen Anlass. Besonders gelungen sind die Portraits der politischen Prominenz. So zeigt der Eintrag vom 2. April 1964 Willy Brandt, damals noch als Bürgermeister von Berlin. Bundeskanzler Ludwig Erhard besuchte Villingen am 28. August 1965 und ist stilecht mit paffender Zigarre zu sehen.

Goldenes Buch - Schwenningen

Große und kleine Veranstaltungen in Schwenningen

Das Schwenninger Goldene Buch ist eigentlich ein blaues Buch. Ein dicker blauer Ledereinband mit Prägung schützt das Stück Stadtgeschichte. Das Buch erzählt von den Ereignissen zwischen 1952 und 1964. Vom Schwäbischen Landesturnfest, der Bahnhofseinweihung 1960 bis zu einer Kunstausstellung von Otto Dix und natürlich mehrfach die Südwestmesse

Goldenes Buch Villingen-Schwenningen

Das gemeinsame Buch im Großformat

Das Villinger Buch endet mit einem offiziellen Schlusseintrag am 31.12.1971. Der letzte Eintrag im Schwenninger Buch dagegen ist schon von 1964. Danach wurde das erste gemeinsame Buch begonnen, was dafür dann auch doppelt so groß ist wie die beiden Vorgänger. Einer der ersten Einträge ist die farbenfrohe Seite, die die Eingliederung der Gemeinden Herzogenweiler, Pfaffenweiler, Rietheim und Tannheim am 1. März 1972 festhält.

Es folgen viele weitere Seiten gefüllt mit hohem Besuch aus Politik, Partnerstädten und sportlichen Höchstleistungen. So viele, dass es inzwischen auch ein viertes Goldenes Buch gibt, das aktuelle. Das lagert aber natürlich nicht im Stadtarchiv, sondern beim Referat des Oberbürgermeisters.

Willy Brandt - Goldenes Buch Villingen
Besuch aus Südafrika - Goldenes Buch Villingen
Ludwig Erhard - Goldenes Buch Villingen
Bahnhofseinweihung Schwenningen Seite 1
Bahnhofseinweihung Schwenningen Seite 2
Südwestmesse - Goldenes Buch Schwenningen
Otto Dix Ausstellung - Schwenningen
Eingliederung 1972 - Goldenes Buch VS
Besuch aus La Valette Var - Goldenes Buch VS
Helmut Schmidt - Goldenes Buch VS
Amateur Box Meisterschaft - Goldenes Buch VS
 

Neuerscheinung: Recyclingware aus dem Mittelalter

Das Recycling kein Phänomen unserer Zeit ist beweist Dr. Edith Boewe-Koob mit ihrem gerade erschienenen Buch "Mittelalterliche Einbandfragmente aus dem Stadtarchiv Villingen-Schwenningen". In jahrelanger Forschungsarbeit analysierte sie liturgische Handschriften aus dem Mittelalter. Die Pergamentfragmente mit den Handschriften waren vor über 20 Jahren als Bucheinbände im Stadtarchiv wiederentdeckt worden.

Einband eines Rechnungsbuches gab den Anstoß

Das erste Fragment wurde vom damaligen Stadtarchivar Dr. Heinrich Maulhardt als Einband eines städtischen Rechnungsbuches gefunden. Es war der Anlass um nach weiteren solchen Fragmenten im Archiv zu suchen und sie zu erforschen. Die mittelalterlichen Fragmente stammen vermutlich aus Klöstern. Nach der Reformation waren die Schriften wertlos geworden und wurden deshalb als Bucheinbände weiterverwertet. Das Stadtarchiv und Dr. Boewe-Koob machen sie mit dem neuen Buch endlich auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.

Die Autorin Dr. Boewe-Koob präsentiert das Werk

Eine vielfältige Expertin

Das Buchprojekt erforderte eine vielfältige Expertise, die Frau Boewe-Koob in ihrer Person vereint. Nach einem Studium in Gesang und Klavier, langer Berufstätigkeit in diesem Bereich, studierte sie außerdem Musikwissenschaft, lateinische Philologie und Geschichte an der Universität Freiburg. Auch ihre Promotion beschäftigt sich mit einer liturgischen Handschrift aus dem Mittelalter. Damit bringt sie das umfangreiche Wissen mit, das für die Erforschung der Handschriften wichtig war. Sie resümiert selbst über die langjährige Arbeit am Buch: »Es war eine langwierige und konzentrierte Arbeit, die mir aber viel Freude machte«.

Weitere Anschlussforschung erhofft

Der Titel besteht aus zwei Bänden, einem Bild- und einem Textband mit insgesamt 154 Seiten. Es zeigt die wertvollen mittelalterlichen Schriften und gibt einen Einblick in die Schätze des Stadtarchivs. Damit sollen die Ergebnisse interessierten Laien präsentiert werden und weitere Anschlussforschung zur Einordnung der Schriften möglich gemacht werden.

Ab sofort kann das Buch im Buchhandel, beim Stadtarchiv Villingen-Schwenningen oder über den Archiv-Shop für 19,50 Euro erworben werden.

Verleihung des Joseph-Haberer-Preis 2018

Am 09. November 2018 jährte sich der Tag der Judenpogrome, auch bekannt als "Reichskristallnacht" zum achtzigsten mal. Anlässlich dieses Tages verleiht die Stadt Villingen-Schwenningen den Joseph-Haberer-Preis an Schülerinnen und Schüler der Stadt. In diesem Jahr wurden drei Auszeichnungen vergeben: Den ersten Preis erhielten Emilia Brugger und Sophia Plotzitza von der St. Ursula Schule für ihre Arbeit "Die Reise der Familie Boss". Die beiden Schülerinnen hatten das Schicksal der jüdischen Familie Boss aus Villingen nachverfolgt und präsentierten ihre Ergebnisse in einer Präsentation und im Rahmen einer Ausstellung im Franziskanermuseum.

Preisträger des Joseph-Haberer-Preis 2018

Ein dritter Preis ging an Simon Hedderich und Moritz Kramer von der Staatlichen Feintechnikschule in Schwenningen für ihren Film "Sag mir, was Frieden ist". Ihr Film beleuchtet aus unterschiedlichen Perspektiven, was Frieden ausmacht und wie er zu erreichen ist. Dafür interviewten sie beispielsweise einen Pfarrer, einen Psychologen und geflüchtete Mitschüler.

Ebenfalls einen dritten Preis erhielt Thomas Weidle vom Gymnasium am Hoptbühl. Er stellte in seiner Seminararbeit die unterschiedlichen Formen von Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Schwenningen und Villingen dar. Sowohl linke Parteien, die Rolle der beiden Bürgermeister und die Kirchengemeinden, thematisiert Weidle in seiner Arbeit.

Deniz Eker erhielt eine lobende Erwähnung für seine Arbeit "Deutsch für Anfänger", die sich mit seiner eigenen Migrationsgeschichte und der Suche nach einer deutsch-türkischen Identität auseinandersetzt.

Die Arbeiten der Preisträger werden jetzt auch gemeinsam mit den ausgezeichneten Arbeiten der vergangenen Jahre vorgestellt: Alle Preisarbeiten.

Kontakt

Amt für Archiv und Dokumentenmanagement
Winkelstraße 7, Bau D, 3. OG
78056 Villingen-Schwenningen

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit:
Lisa Hahn
Telefon 07721 / 82-1802
Telefax 07721 / 82-1807
E-Mail: lisa.hahn@
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