Villingen-Schwenningen

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Aktuelles

Veranstaltungen, Termine und Veröffentlichungen: Hier erfahren Sie alle Neuigkeiten des Stadtarchivs. Wir stellen außerdem immer wieder besondere Schätze aus dem Magazin vor und geben einen Einblick in unsere Arbeit.

Archivale des Monats im März

Badische und Württembergische Aktenführung

Liebgewonnene und teilweise traditionell gepflegte Unterschiede zwischen dem badischen Villingen und dem württembergischen Schwenningen dürften eingefleischten VS´lern zu Genüge einfallen. Auch im Stadtarchiv lassen sich in den historischen Aktenbeständen aus württembergischer und badischer Zeit so manch besondere Unterschiede entdecken. Die Art der Aktenführung zum Beispiel wurde nämlich in den beiden Verwaltungen ganz anders gehandhabt.  

Die Badische Aktenheftung (auch: 'Badische Oberrandheftung') ist ein Verfahren, um umfangreiche Akten ohne die Verwendung von Aktenordnern zu binden und zu archivieren. Diese Art der Aktenformierung findet sich z. B. in den Villinger Beständen des Stadtarchivs. Die einzelnen Seiten werden mit einem speziellen Locher links oben zweifach gelocht. Zwischen gelochten Kartondeckel und -boden gelegt, werden die Aktenseiten mit einer Aktenschnur so verbunden, dass die beiden Enden oben auf dem rückseitigen Aktendeckel zum so genannten Badischen Aktenknoten gebunden werden können. Zum Hinzufügen weiterer Seiten muss der Knoten geöffnet werden. Für die Archivierung wird der Knoten festgezogen, sodass die Akte eng zusammengezogen wird.

In Württemberg, so auch in Schwenningen, wurden die Akten nicht gebunden oder geheftet, sondern lose in Mappen verwahrt. Um die Reihenfolge der Schriftstücke zu gewährleisten, wurden die Seiten durchnummeriert. Diese Zählung nannte man Quadrangel (Viereck), da die Ziffern ursprünglich von einem Viereck eingerahmt wurden.

Eines allerdings hatten beide Aktensammlungen dennoch gemeinsam: die flachliegende Lagerung der Bündel war in beiden Städten trotz ihrer unterschiedlichen Handhabung gleichermaßen notwendig.

Links eine Bauakte aus Schwenningen und rechts eine Villinger Standesamtsakte. An diesen Beispielen sieht man die unterschiedliche Archivierung.

Nationalsozialismus in Villingen und Schwenningen - Neue Ergebnisse

Auf großes Interesse aus der Bevölkerung stieß der Vortragsabend 'Neue Forschungen zur NS-Zeit in Villingen und Schwenningen'. Vor vollem Saal im Martin-Luther-Haus stellten vier Forscher ihre Ergebnisse aus aktuellen Arbeiten zur Zeit des Nationalsozialismus in Villingen und Schwenningen vor. Sie alle nahmen dabei die Umsetzung der nationalsozialistischen Diktatur vor Ort in den Fokus.  

Spuren der NS-Zeit vor Ort

Zwei der Vorträge beschäftigten sich mit zwei Orten, die zu dieser Zeit eine besondere Rolle spielten. Herr Dr. Neisen berichtete über die Geschichte des Kasernengländes in Villingen, dass während des zweiten Weltkriegs als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde. Doch auch davor und danach wurden hier unterschiedliche Personengruppen untergebracht. Neisen wies daraufhin, dass sich an diesem Ort die wechselhafte Geschichte des 20. Jahrhunderts wiederspiegele. Zum Kriegsgefangenenlager gehörte auch ein Lazarett, dass im ehemaligen Waldhotel außerhalb von Villingen untergebracht war. Über dieses Lazarett und die Erfahrungen eines französischen Inhaftierten referierte Dr. Neisen im Anschluss. Er hatte dafür das Tagebuch des Franzosen ausgewertet, in dem er die Zustände und den Umgang mit Gefangenen im Lazarett damals beschreibt.

Menschen aus Villingen und Schwenningen wurden zu Opfern

Die weiteren Beiträge beschäftigten sich mit Bürgern aus Villingen und Schwenningen, die besonders unter der nationalsozialistischen Herrschaft gelitten hatten oder sogar durch sie ermordet wurden. Herr Heitner erläuterte in seinem Vortrag den Ablauf der Enteignung jüdischer Bürger der Stadt am Beispiel einer Versteigerung jüdischen Hausrats. Anhand verschiedener Quellen lässt sich diese Versteigerung belegen und nachvollziehen, wie sich die Stadt und Mitbürger an jüdischen Verfolgten bereicherten.

In einem berührenden Beitrag über die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms zeigte Herr Engelke wie perfide das System die Ermordung unerwünschter Menschen in seiner Mitte organisierte. Er erinnerte dabei an Menschen aus Schwenningen und Villingen, die diesem Programm zum Opfer fielen und verwies auf die weiteren Forschungslücken in diesem Bereich.

Es bedarf weiterer Forschung

Im Anschluss an die Vorträge war Zeit für Wortmeldungen aus dem Publikum. Im Laufe der Diskussion wurde klar, dass die Auseinandersetzung mit lokaler Geschichtsschreibung zwar manchmal unangenehm sein kann, aber deshalb umso wichtiger ist. Nachdem lange die Täter von damals als Funktionsträger eine Aufarbeitung verhinderten, kam die Forschung in Villingen und Schwenningen relativ spät in Gang. Auch heute zeigen sich noch viele Forschungslücken. Herr Neisen wies in diesem Zusammenhang insbesondere auf den Umgang mit Homosexuellen und sogenannten 'Asozialen'.

Neuerscheinung: Blätter zur Stadtgeschichte – Der Alte Spitalhof und seine Geschichte

 Die neuste Veröffentlichung des Stadtarchivs beschäftigt sich mit einem besonders schönen Teil von Villingen-Schwenningen. In malerischer Umgebung zwischen Pfaffenweiler, Tannheim und Herzogenweiler liegen die Spitalhöfe. Die Geschichte des Alten Spitalhofs reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück, wie Unterlagen des Stadtarchivs belegen. Doch über die Jahre entstanden auch zahlreiche Mythen und Geschichten um den Hof, die jetzt für die Reihe 'Blätter zur Stadtgeschichte' überprüft wurden.

Lody van Vlodrop (Layout), Werner Biselli und Ute Schulze
Titelblatt Heft 01/2019

Die Quellenlage – Eine bunte Mischung von Dokumenten

Werner Biselli, heutiger Bewohner und Besitzer des Alten Spitalhofs berichtet von seiner "wilden Stoffsammlung", die den Anstoß für die Veröffentlichung gab. Darunter haben sich Berichte und Texte über die Geschichte des Hofs befunden, aber oft ohne Quellenangaben. Außerdem seien auch einige wichtige Unterlagen durch einen Brand im Jahr 1940 zerstört worden. Ältere Quellen wiederum finden sich im Stadtarchiv, da der Hof lange im Besitz des Heilig-Geist-Spital war.

Für die Neuerscheinung wertete Ute Schulze, Leiterin des Amts für Archiv und Schriftgutverwaltung und Historikerin, die unterschiedlichen Quellen aus und konnte so die Geschichte des Hofs aufarbeiten. Dabei wurden auch einige der alten Legenden um den Hof überprüft. So kursierte die Geschichte der Brunnen des Hofs sei früher vergiftet worden. Dafür fanden sich keine Belege, aber der Streit um vergiftetes Vieh des Spitalhofbauern ist gut dokumentiert, denn er schaffte es bis in die Wiener Hofkanzlei, da Villingen damals zum Reich der Habsburger gehörte.

Blätter zur Stadtgeschichte – Stadtgeschichte auf den Punkt gebracht

Diese und andere Aspekte der Geschichte des Alten Spitalhofs sind in der neusten Erscheinung der 'Blätter zur Stadtgeschichte' anschaulich dargestellt. In der Reihe erscheinen in unregelmäßigen Abständen Hefte, die verschiedenen Themen der Stadtgeschichte kurz aufarbeiten. Die bisher erschienenen Hefte finden sich hier.

'Der Alte Spitalhof und seine Geschichte' kann für drei Euro beim Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, in den Ortsverwaltungen von Pfaffenweiler und Herzogenweiler erworben werden. Außerdem ist es auch online über den Archiv-Shop erhältlich.

Das Geld war im Krieg verpufft

Die Inflation begann im ersten Weltkrieg, der das Deutsche Reich finanziell schon 1914 an seine Grenzen brachte. So wurden die vier Kriegsjahre mit Anleihen finanziert, auch in der Hoffnung das Geld später als Sieger von den gegnerischen Mächten einfordern zu können. Doch dazu kam es nicht. Die Weimarer Republik hatte von Beginn an die Belastung hoher Reparationszahlungen an die Gegner zu tragen. Außerdem mussten auch die Schulden bei der eigenen Bevölkerung bezahlt werden, die durch Kriegsanleihen den Krieg finanziert hatten. So kam es trotz eines kleinen wirtschaftlichen Aufschwungs Anfang der 1920er zu zunehmender Inflation. Verschärft wurde die Situation zusätzlich als 1923 das Ruhgebiet besetzt wurde.

Im November 1923 erreichte die Krise ihren Höhepunkt als der Kurswert von einem US-Dollar 4,2 Billion Mark entsprach. In dieser Zeit waren vielfältige Zahlungsmittel im Umlauf, unter anderem auch das Notgeld. Dieses Ersatzgeld durften auch Kommunen und sogar Firmen drucken und an die Bürger oder Angestellten abgeben.

Notgeldscheine aus Schwenningen, Württemberg und Villingen

Ein Pfund Fleisch für 15 Milliarden Mark

Für die einfache Bevölkerung hatte die Inflation einschneidende Folgen. Die eigenen Ersparnisse verloren völlig an Wert. Da die Preise sich sehr schnell änderten, wussten die Menschen außerdem nie, ob sie sich von ihrem Lohn noch Lebensmittel und andere wichtige Waren leisten konnten. Während ein Pfund Rindfleisch am 7. Januar 1923 in Villingen noch 700 Mark kostete, stieg der Preis am 31. Oktober auf unglaubliche 15 000 000 000 Mark. Besonders hart waren aber Arbeitslose, Rentner und Kranke von den steigenden Preisen betroffen.

Einführung einer neuen Währung, der Rentenmark, beendete die Inflation. Kurze Zeit später wurde sie durch die Reichsmark ersetzt. Das bedeutete auch das Ende der Notgeldscheine, die völlig wertlos wurden und schließlich im Stadtarchiv landeten.

Das Buch mit Lesezeichen.
Die Lesezeichen hinterlassen sichtbare Spuren.

Ein beeindruckend langer Titel

Auch das Buch "Sämtliche geistreiche Bücher vom Wahren Christenthum, Das ist: Von heilsamer Busse, herzlicher Reue und Leid über die Sünde, wahrem Glauben, auch heiligem Leben und Wandel der wahren Christen" von Johann Arndt aus dem Jahr 1733 kam auf diesem Weg in das Stadtarchiv.

Dieses Buch sticht als regelrechtes 'Schatzkästchen' hervor. Es beinhaltet nicht nur Metaphern, Zitate oder Sinnsprüche, sondern auch zahlreiche Lesezeichen die von der Geschichte der früheren Besitzer erzählen. Als Lesezeichen hat man gefunden: Kalenderblätter, Andachtsbilder, getrocknete Blumen, Wollfäden, Streichhölzer die auf Buchseiten eindeutige Ausbuchtungen erkennen lassen und einen rostigen Nagel.

Kunstvolle Lesezeichen

Die ersten Lesezeichen waren Bändchen, wie man sie heute auch noch manchmal in Büchern findet. Anfang des 19. Jahrhunderts begannen dann Frauen aufwendige Lesezeichen zu fertigen und verzierten sie mit Stickereien. Diese Lesezeichen wurden auch gerne als Geschenk weitergegeben. Wer sich im 18. Und 19. Jahrhundert alles so ein Buch leisten konnte kann man nur erahnen. Doch eins steht fest: Für die heutige und zukünftige Generation ist es ein wertvolles und inhaltsreiches Buch.

Einige der im Buch entdeckten Lesezeichen
Ein Löschpapier, das als Lesezeichen genutzt wurde.

NS-Herrschaft im Großen und Kleinen – Tagungsband erschienen

Am 04. Juli 2017 präsentierten die Herausgeber Heinrich Maulhardt, Robert Neisen und Konrad Krimm im Stadtarchiv Villingen-Schwenningen den neu erschienenen Tagungsband "Kommunen im Nationalsozialismus". Leitfrage des Buchs ist, »wie es dazu kommen konnte«. Dafür wird die Etablierung des Nationalsozialismus auf kommunaler Ebene betrachtet, um herauszufinden, wodurch die Nationalsozialisten gestärkt oder geschwächt wurden.

Das Buch fasst damit die Ergebnisse einer Tagung zusammen, die 2017 vom Stadtarchiv veranstaltet wurde und Historiker in Villingen-Schwenningen versammelte.

Verwaltung stütze den Nationalsozialismus

Auf knapp 400 Seiten nehmen die Verfasser die NS-Herrschaftsgeschichte in den Fokus. Am Beispiel unterschiedlicher südwestdeutscher Gemeinden und Städte zeigen die Autoren, wie der Nationalsozialismus durch die lokalen Gegebenheiten beschleunigt oder gehemmt wurde. Dabei zeigte sich, dass auch Verwaltungen, die nicht mit nationalsozialistischen Politikern besetzt waren, zu Stärkung beitragen konnten, in dem sie durch ihre gute Arbeit die Herrschaft legitimierten. Auch in Villingen und Schwenningen ist dieses Phänomen zu beobachten, wie Wolfgang Heitner und Robert Neisen in ihren Beiträgen über die beiden Städte feststellen.

Buchpräsentation mit: Robert Neisen, Wolfgang Heitner, Ute Schulze, Jürgen Weis, Heinrich Maulhardt (v.l.n.r.)

Ein differenzierter Blick auf NS-Herrschaft 

Neisen zog bei der Vorstellung des Buchs das Fazit, dass der Sammelband zu einer Differenzierung der Sicht auf die NS-Herrschaft beitrage. "Wir sind stolz diesen Beitrag zur Forschung in dem Bereich zu leisten", ergänzt er abschließend.

Der Titel "Kommunen im Nationalsozialismus – Verwaltung, Partei und Eliten in Südwestdeutschland" erscheint als Band 38 in der Reihe Oberrheinische Studien. Die Reihe dient der Veröffentlichung der Tagungsergebnisse der Tagungen der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein (AGLO). Seit den 1970ern werden in diesem Rahmen Titel mit dem Schwerpunkt auf südwestdeutsche Geschichte veröffentlicht und so eine große inhaltliche Bandbreite abgedeckt.

 

Neisen, R.; Maulhardt, H.; Krimm, K. (Hrsg.). Kommunen im Nationalsozialismus – Verwaltung, Partei und Eliten in Südwestdeutschland.

Reihe: Oberrheinische Studien, Band 38. (Herausgeber, Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V.)

392 Seiten, 34 Euro. ISBN: 978-3-7995-7843-1

Erhältlich im Buchhandel oder über den Thorbecke Verlag.

Findbuch.net - Recherchieren Sie von zu Hause aus in den Beständen des Archivs

Ab sofort können Nutzer des Stadtarchivs bequem von zu Hause aus in den Beständen des Stadtarchivs recherchieren. Über das Portal findbuch.net stellt das Archiv umfangreiche Informationen zu den meisten seiner Bestände zur Verfügung. Die Datenbank umfasst 311 Bestände mit 130 000 Datensätzen. Vom Mittelalter bis in die heutige Zeit finden sich hier Informationen über das Leben in Villingen-Schwenningen. Dabei handelt es sich um Urkunden, städtische Akten oder Dokumente aus unterschiedlichen Nachlässen.

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Gezielte Suche nach relevanten Dokumenten

Mit der Suchfunktion können Nutzer sich auf die Suche nach relevanten Dokumenten machen. Sie ermöglicht eine Eingrenzung auf bestimmte Zeiträume oder Bestände. Wer das richtige gefunden hat, kann es gleich per Mausklick vorbestellen und einen Termin für einen Besuch im Archiv ausmachen. Dort können die meisten Unterlagen im Original eingesehen werden. Empfindliche Dokumente sind mikroverfilmt und so verfügbar.

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