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Kleines Kunstkabinett im Alten Rathaus

06.10.2016


'Der Kardinal' aus Paul Hirts facettenreichem Œuvre © Paul Hirt

Ludwig Engler, Richard Ackermann, Waldemar Flaig, Paul Hirt: Namen, die heute wohl nur noch wenige kennen. Zu Unrecht, denn die vier Villinger Maler haben die Kunstepoche der Klassischen Moderne fest in der Region verankert.

Wie eindrucksvoll ihre Werke auch heute noch sind, davon können sich seit Sonntag, 9. Oktober, Interessierte selbst überzeugen. In jeweils zehn halbjährlich wechselnden Ausstellungen werden die Bilder der vier Künstler im Alten Rathaus in Villingen (Rathausgasse 1) präsentiert.

Das auf fünf Jahre angelegte Projekt ist vor allem der Initiative einer Erbengemeinschaft zu verdanken, die den Städtischen Museen dafür über 400 Bilder zur Verfügung stellt. Die alteingesessene Familie Heinzmann, einst in der Villinger Altstadt mit einer Buchhandlung und einem Lebensmittelgeschäft ansässig, pflegte zu vielen Künstlern intensive persönliche Kontakte – so auch zu Engler, Ackermann, Flaig und Hirt.

Der Familie Heinzmann war es schon seit langem ein Anliegen, deren Bilder möglichst umfänglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dank organisatorischer wie finanzieller Unterstützung der Leihgeber ist es nun gelungen, im Alten Rathaus ein kleines Kunstkabinett einzurichten. Dieses ergänzt hervorragend die Bestände des Museums im Alten Rathaus, wie auch die Dauerausstellung im Franziskanermuseum. Gerade die Arbeiten Ludwig Englers und Waldemar Flaigs waren der interessierten Öffentlichkeit bislang nur in wenigen Sonderausstellungen zugänglich.

Geboren zwischen 1875 und 1898 waren die Lebensläufe der vier Maler schwierig. Während Ludwig Engler, Waldemar Flaig und Richard Ackermann bis zu ihrem Tod an Verwundungen aus dem Ersten Weltkrieg litten, musste Paul Hirt seit seiner Kindheit das Handicap einer Taubheit als Folge einer Hirnhautentzündung meistern.

Alle vier Künstler zeichnet die wache Aufnahme damals aktueller Kunstströmungen vom Expressionismus und van Gogh, bis zu Henri Matisse und zum Bauhaus aus. »Wenn man sich vergegenwärtigt, wie umstritten diese Positionen waren und welch tiefe Überzeugung dazugehörte, sich nicht von äußeren Anfeindungen beirren zu lassen, lässt sich ermessen, wie schwierig ihre künstlerischen Karrieren außerhalb der großen Kunstzentren gewesen sein müssen«, erläutert Dr. Michael Hütt, Leiter der Städtischen Museen.

Engler und Flaig starben bereits vor 1933 an den Spätfolgen ihrer Kriegsverletzungen und konnten ihren künstlerischen Lebensweg nicht vollenden. Ackermann und Hirt hatten den Nationalsozialismus in Villingen zu überleben – ohne Chancen auf öffentliche Ausstellungen und damit praktisch ohne Verdienstmöglichkeiten.

So zeugen ihre Werke nicht nur von künstlerischem Weitblick und Qualität – auch in der Provinz, sondern ebenso von Unbeugsamkeit und hohem Ethos.

Mit dieser Ausstellung wird das Alte Rathaus mit seiner geschichtsträchtigen Innenausstattung wieder regelmäßig zugänglich. Der Ratssaal aus dem 16. Jahrhundert zählt zu den hervorragendsten Baudenkmälern der Stadt, konnte aber seit Jahren nur noch bei Veranstaltungen und Führungen gezeigt werden.

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