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Hamed Abdel-Samed und der Preis der freien Meinung

21.01.2019


Bild © Kenzler

Hamed Abdel-Samad ist einer der schärfsten Islamkritiker in Deutschland und streitbarer Gast in zahlreichen Fernseh-Talkshows. Wenn er am Dienstag, 22. Januar um 20 Uhr im Großen Saal des Theaters am Ring sein Buch 'Integration. Ein Protokoll des Scheiterns' vorstellt, wird deutlich, welchen Preis er für seine freie Meinungsäußerung zahlt.

Abdel-Samad, Sohn eines sunnitischen Imams, geboren 1972 in Ägypten, hat in Kairo Englisch und Französisch studiert. Im Alter von 23 Jahren kam er nach Deutschland, studierte hier Politikwissenschaft und war an der Universität München tätig. Schon vor zehn Jahren sorgte der Islamkritiker mit seiner Autobiografie 'Mein Abschied vom Himmel' für Furore. Sie wurde von manchen als Abrechnung mit der arabisch-islamischen Kultur und als Aufruf zur Abkehr vom Islam verstanden. Als er 2013 während eines Vortrag in Kairo sagte, die Ursprünge islamistischer Gewalt seien im Islam selbst begründet, rief ein Religionsgelehrter im Fernsehen zum Mord an Abdel-Samad auf. Seitdem schützt ihn der deutsche Staat.

Eine vor kurzem ausgestrahlte Reportage des Senders Arte gibt Einblicke in das Leben des Schriftstellers. Hames Abdel-Samed wird rund um die Uhr durch eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes Berlin bewacht, vor jeder Lesung werden die Räumlichkeiten auf mögliche Gefahren überprüft. Ohne Begleitung ist für den Autor kein Cafébesuch, kein kurzer Spaziergang möglich. Seit Jahren besitzt er keine eigene Wohnung mehr, lebt stattdessen 'undercover', meistens in Hotels, wo er auch seine Bücher schreibt. 'Es ist teilweise ein Gefängnis', gibt er in der Reportage zu. 'Aber das Thema Freiheit ist für mich nicht physisch'.

In 'Integration' beschreibt Hamed Abdel-Samad im Gespräch mit Dr. Wolfgang Niess, dass nicht nur die Zugewanderten, sondern auch die aufnehmende Gesellschaft die Integration vieler Muslime in Deutschland verhindert haben.

Abdel-Samad ging es aber vor allem darum, die Widersprüche seines eigenen Lebens aufzuarbeiten.

Hamed Abdel-Samad sieht islamistischen Terror nicht als Folge einer Umdeutung des Koran durch Fanatiker, sondern als genuinen Bestandteil der Lehre des Propheten. Das hat er 2015 in seinem Buch 'Mohamed – Eine Abrechnung' unterstrichen. Für Europa ist nach seiner Überzeugung nur ein 'Islam light' denkbar, der sich von der Vorstellung verabschiedet hat, die allein seligmachende Religion zu sein, ein Islam ohne Scharia, Dschihad, Geschlechtertrennung und Missionierungsgebot. In seinem neuen Buch 'Integration. Ein Protokoll des Scheiterns' geht Abdel-Samad mit der in seinen Augen völlig verfehlten Integrationspolitik ins Gericht. Viel zu lange sei sie halbherzig gewesen, dann allzu blauäugig. Notwendig sind in seinen Augen nicht nur Integrationsangebote, sondern auch Gebote und Kontrollmechanismen. Auf diesem Feld, davon ist er überzeugt, wird sich Deutschlands Zukunft entscheiden.

INFO: Karten für 'Autor im Gespräch' gibt es im Vorverkauf für 12 Euro (ermäßigt 50 %) u. a. beim Tourist-Info & Ticket-Service in Villingen (Franziskaner Kulturzentrum) und Schwenningen (Bahnhof), außerdem an allen Vorverkaufsstellen von Kulturticket Schwarzwald-Baar-Heuberg und im Internet. Telefon: 07721-822525, E-Mail: tickets@villingen-schwenningen.de

 

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