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Abflussbeiwerte

Nicht alle versiegelten Flächen oder Dachflächen sind vollständig wasserundurchlässig. Um diesem Sachverhalt Rechnung zu tragen, wurden Abflussbeiwerte eingeführt. Diese reduzieren die tatsächliche Fläche um den Grad ihrer Rückhaltefähigkeit.

Die Abflussbeiwerte finden Sie in § 36 a Abs. 2 und Abs. 3 der Abwassersatzung in der zuletzt gültigen Fassung wie folgt:  

  Dachflächen  
A1 Standarddach (flach oder geneigt), Kiesschüttdach 1,0
A2 Gründach mit bis zu 10cm Aufbaudecke 0,5
A3 Gründach mit mehr als 10cm Aufbaudecke 0,3
  Versiegelte Flächen  
B1 Asphalt, Beton, fugenlose Beläge 1,0
B2 Pflaster, Platten, Verbundsteine 0,7
B3 Kies, Schotter, Rasengittersteine, Ökopflaster 0,5

Da nicht alle Versiegelungsarten abschließend aufgezählt werden können, gilt bei anderen Versiegelungsarten der Faktor, der den genannten Versiegelungsarten bezüglich seiner Rückhaltefähigkeit am nächsten kommt.

Beispiele:

  • Eine Hoffläche von 100 m² ist asphaltiert. Diese gilt als zu 100% (1,0) versiegelt und wird mit 100 m² gebührenrelevant.
  • Auf gleicher Fläche ist Pflaster verlegt. Durch die Fugen kann ein Teil des Niederschlages versickern, die Fläche ist zum Teil wasserdurchlässig. Es wird daher bei Pflaster von einer Versiegelung von 70% (0,7) ausgegangen. Gebührenrelevant werden 70 m².
  • Auf gleicher Fläche sind Rasengittersteine verlegt. Durch die Freiräume kann ein größerer Teil des Niederschlages versickern, als das bei Fugen der Fall ist. Es wird daher bei Rasengittersteinen von einer Versiegelung von 50% (0,5) ausgegangen. Gebührenrelevant werden 50 m².
  • Eine Dachfläche ist 200 m² groß, geneigt und mit Ziegeln gedeckt. Der Niederschlag wird vollständig über die Fläche weitergeleitet. Es wird daher von einer Versiegelung von 100% (1,0) ausgegangen. Gleiches gilt bei einem Garagenflachdach gleicher Größe, welches mit Kies belegt ist.
  • Eine Dachfläche ist 200 ² und mit einer Aufbaudecke bis zu 10 cm begrünt. Durch die Begrünung erfolgt eine Rückhaltung und ein Teil des Wassers verdunstet bzw. wird von der Begrünung aufgenommen. Es wird daher in diesem Fall von einer Versiegelung von 50% (0,5) ausgegangen. Gebührenrelevant werden 50 m².
    Bei einer Aufbaudecke von über 10 cm wird in gleichem Fall von 30% ausgegangen (0,3). Gebührenrelevant werden dann 60 m².

Hinweis: Bei allen Beispielen wird von einer Einleitung der Flächen in den Kanal ausgegangen.

Neben wasserdurchlässigen Versiegelungsarten können auch Versickerungs- und Niederschlagswassernutzungsanlagen eine Reduzierung der gebührenrelevanten Flächen zur Folge haben. Durch die Rückhaltung der Niederschläge findet eine Entlastung des städtischen Kanalnetzes statt. Hierzu müssen die Anlagen jedoch groß genug sein. Ist das Volumen der Anlage nicht ausreichend, um die angehängte Fläche rückhalten zu können, wird keine Entlastung erreicht, da sich die Anlage schnell füllt und der Niederschlag über den Notüberlauf in den Kanal eingeleitet wird.
Aus genannten Gründen ist nicht das Volumen ausschlaggebend, sondern das Verhältnis des Volumens zu der in die Anlage einleitenden Fläche.

Versickerungsanlagen wie Rigolen und Mulden  
Mit einem Stauraumvermögen von weniger als 2,5m³ / 100m² 1,0
Mit einem Stauraumvermögen ab 2,5m³ / 100m² 0,5
Zisternen  
Mit einem Stauraumvermögen von weniger als 2,5m³ / 100m² 1,0
Mit einem Stauraumvermögen ab 2,5m³ / 100m² 0,9
Mit einem Stauraumvermögen ab 5,0m³ / 100m² 0,0

Beispiele:

  • Eine Dachfläche von 80 m² leitet in eine Zisterne mit Notüberlauf von 2,8 m³ ein. Die Dachfläche ist geneigt und mit Ziegeln gedeckt. Bei dem Ziegeldach findet der Abflussbeiwert 1,0 Anwendung. Es erfolgt aufgrund der Versiegelungsart keine Flächenreduzierung.
    Es muss mindestens ein Verhältnis von 2,5 m³ je 100 m² einleitende Fläche erreicht werden, also ein Faktor von 0,025.
    Bei 2,8 m³ je 80 m² beträgt der Faktor 0,035. Die Voraussetzung zur Anwendung des Abflussbeiwertes 0,9 ist erfüllt.
    Gebührenrelevant werden somit 72 m².
  • Variante: Die Dachfläche ist bei obigem Beispiel lediglich 41 m² groß.
    Bei 2,8 m³ je 41 m² einleitende Fläche beträgt der Faktor 0,068. Vorausgesetzt regelmäßiger Wasserentnahme wird der Abflussbeiwert 0,0 erreicht, da mindestens ein Faktor von 0,05 erreicht wurde (5 m³ durch 100 m²). Die Fläche ist demnach nicht gebührenrelevant.
  • Das Dach eines Carports ist begrünt (Aufbaudecke über 10 cm) und 23 m² groß. Diese, wie auch die hintere Dachteilfläche des Wohnhauses mit 53 m² leitet in eine Versickerungsanlage von 3,5 m³ ein.
    Durch die Dachbegrünung findet für die 23 m² Fläche der Abflussbeiwert 0,3 Anwendung. Die in die Versickerungsanlage einleitende Fläche des Carports beträgt daher 6,9 m². Zuzüglich des Standarddaches des Wohnhauses mit 53 m² ergibt sich eine Gesamtfläche von 59,9 m², die in die Versickerungsanlage von 3,5 m³ einleitet.
    Es wird daher ein Faktor von 0,058 erreicht (3,5 m³ durch 59,9 m²). Die Voraussetzung des Abflussbeiwertes 0,0 ist daher erreicht (Mindestgröße für Abflussbeiwert 0,0 ist 5 m³ je 100 m², also Faktor 0,05). Die Fläche wird nicht gebührenrelevant.

Hinweis: Bei allen Beispielen wird von einem Notüberlauf der Anlagen in den Kanal ausgegangen.

 

 

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