Villingen-Schwenningen

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»Man wird wieder ein Stück demütiger«

16.02.2016


Hilfsangebote sinnvoll aufteilen: Katharina Hagel ist bei der Stadtverwaltung ein wichtiges Bindeglied zwischen Flüchtlingen, Stadt, Helfern und Landesbehörden.

Das Telefon steht selten still in diesen Tagen bei Katharina Hagel. Die neue Flüchtlingsbeauftragte ist seit ihrem Dienstantritt Ende Dezember im Dauereinsatz. Auch wenn die Zahl der Flüchtlinge in Villingen-Schwenningen in den vergangenen Wochen merklich zurückgegangen ist, hat die gebürtige Nürtingerin alle Hände voll zu tun. Für ihren breitgefächerten Aufgabenbereich sind vor allem ihre Qualitäten als Mittlerin und Netzwerkerin gefragt. »Es gibt sehr viele Menschen und Organisationen in Villingen-Schwenningen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Hier den Überblick zu behalten und die Angebote so zu koordinieren, dass keine Doppelstrukturen entstehen, ist sicherlich die derzeit größte Herausforderung in meinem Job«, erklärt die 28-Jährige, die bereits in Nürtingen Asylbewerber betreut hat. »So war es nur noch ein kleiner Schritt, sich auf die Stelle der Flüchtlingsbeauftragten bei der Stadt zu bewerben.«

Während Im Oberzentrum weiterhin das Regierungspräsidium Freiburg und der Landkreis für die Unterbringung der Asylbewerber in Not- und Sammelunterkünften zuständig sind, ist Hagel seit Ende 2015 die zentrale Ansprechpartnerin bei der Stadt in Sachen Flüchtlinge – sowohl für die Bürger, als auch für alle ehren- und hauptamtlichen Kräfte, die sich in der Flüchtlingsarbeit einbringen. So unterstützt sie in ihrer Schnittstellenfunktion lokale Willkommensinitiativen oder vermittelt neue Hilfsangebote.

Ehrenamtliche Helfer werden weiterhin benötigt

»Die Kleiderkammern in den Unterkünften sind derzeit gut gefüllt und weitere Spenden werden momentan eher nicht benötigt, auch wenn sich dies natürlich schnell ändern kann, sobald die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen. Aber gerade für die Betreuung in der Erstaufnahmeeinrichtung werden Ehrenamtliche gesucht, die sich mit Angeboten einbringen möchten, um für etwas Abwechslung und Struktur im Alltag der Bewohner zu sorgen«, hofft Hagel, dass die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung auch in den kommenden Monaten weiter anhält.

Sie sieht die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. »Das Thema wird uns noch lange Zeit beschäftigen. Hier möchte ich durch meine neue Tätigkeit einen Beitrag zur Bewältigung dieser großen Herausforderung leisten«, sagt Hagel, die an der Hochschule in Ludwigsburg Europäisches Verwaltungsmanagement studiert hat.

Neue Rufnummer für Bürger bei Flüchtlingsfragen

Nach Auslandsstationen im kanadischen Winnipeg und im belgischen Brüssel hat sie zuletzt erfolgreich mehrere Umwelt-, Bildungs- und Freiwilligenprojekte in Namibia und Uganda geleitet und möchte diesen Erfahrungsschatz und ihre interkulturelle Kompetenz bei ihrer Tätigkeit in Villingen-Schwenningen in die Waagschale werfen. »Insbesondere die Zeit in Uganda hat mich sehr geprägt. Die Menschen dort sind sehr offen, höflich und haben mich toll aufgenommen. Ich habe mir vorgenommen, diese Gastfreundlichkeit auch für mein Leben und meine Arbeit zu übernehmen. Ich kann mich nun gut in die Menschen, die derzeit fremd in Deutschland sind, hineinversetzen«, beschreibt sie diesen wichtigen Perspektivwechsel, der ihr noch eine weitere Erkenntnis gebracht hat: »In Afrika wurde ich mit Problemen konfrontiert, die es so bei uns nicht gibt. Da wird man wieder ein Stück demütiger, wenn man weiß wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht«, ist Hagel gerade deshalb fest davon überzeugt, dass die Flüchtlingskrise gemeistert werden wird.

Unterstützung bei ihrer Arbeit erhält Hagel in Kürze durch einen weiteren Mitarbeiter, dessen Stelle bis Ende 2017 befristet ist. Angesiedelt ist die Flüchtlingsbeauftragte beim Amt für Familie, Jugend und Soziales (Justinus-Kerner-Str. 7). Sie ist per E-Mail an fluechtlingsbeauftragte@villingen-schwenningen.de und unter der Telefonnummer 82-2176 zu erreichen. Die Nummer ersetzt das bisherige Flüchtlingstelefon der Stadt.

Nr. 8/2016 vom 17.05.2016
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