Kultur und Bildung
Wissenschaft
Ein Goldjunge für Emily
Samstag, 14. April 2012, 20:00 Uhr
Komödie von Folker Bohnet und Alexander Alexy
Mit Brigitte Grothum, Folker Bohnet und Markus Lorenz
Regie: Folker Bohnet
Theater im Rathaus
Essen
ABO IV
und freier Verkauf
Die Oscar-Verleihung: die Nacht der Nächte im Filmgeschäft. Alljährlich fiebern Emily und Henry diesem Ereignis voller Vorfreude entgegen, denn vielleicht erhalten sie diesmal die erhoffte Auszeichnung für ihr Lebenswerk?
Seit Jahrzehnten sind die beiden alternden Schauspieler ein Ehepaar, aber Routine gibt es in ihrer Beziehung nicht – sie überbieten sich in Schlagfertigkeit. Schon immer waren der Film und das Theater ihr Leben, so haben sie sich auch auf der Schauspielschule kennengelernt. Während Henry in Erinnerungen an Elizabeth Taylor schwelgt, mit der er einmal fast gespielt hätte, fällt Emily immer wieder in alte Rollen zurück, die sie nach eigenen Angaben einst auf großer Bühne verkörperte. Nicht nur die bald nahende Oscar-Verleihung ist Thema des Tages, sondern irgendwie auch der gemeinsame Sohn. Ist er nun Anwalt in New York, wie Henry sagt, oder Arzt in Miami, wie Emily dem verdutzten jungen Mann Jeff verkündet, der ihnen täglich das 'Essen auf Rädern' liefert. Jeff fühlt sich von der theatralen Welt des Ehepaares merklich angezogen, hat aber ebenso etwas zu verbergen.
Das Stück lebt von brillant geschriebenen Dialogen, die komisch sind und zugleich Bissigkeit und Biestigkeit in sich tragen. Die Spannung wird dramaturgisch reizvoll bis zuletzt gehalten – ein Verdienst von Mitautor Folker Bohnet, gleichzeitig Schauspieler und Regisseur des Stücks. Er stand schon während seiner Schauspielschulzeit dreimal kurz hintereinander vor der Kamera, darunter 1959 im Welterfolg 'Die Brücke'. Zur gleichen Zeit startete auch die Karriere von Brigitte Grothum. Neben ihren vielen TV-Rollen (u.a. 'Drei Damen vom Grill') und Engagements als Synchronsprecherin hat es sie immer wieder zurück auf die Theaterbühne gezogen.
»Brigitte Grothum und Folker Bohnet erwecken mit ihrem Spiel die Sehnsucht nach der goldenen Zeit des Theaters, als Charme, Ausstrahlung und große Gesten noch wichtiger waren als billige Effekte und intellektuelle Verkopftheit. Der 'Goldjunge' ist ein echtes Goldstück.«
Westdeutsche Allgemeine/Neue Ruhrzeitung

