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Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Mittwoch, 25. April 2012, 20:00 Uhr

Schauspiel nach Heinrich Böll

Württembergische Landesbühne Esslingen

ABO III
und freier Verkauf

Heinrich Böll

'Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann' – so lautet der Untertitel der 1974 in der heißen Phase der deutschen Studentenbewegung und des RAF-Terrorismus erschienenen Erzählung von Heinrich Böll. Die Studie über die sublimen Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und den nicht immer unabhängigen Medien ist schockierend zeitlos.

Katharina Blum ist Ende zwanzig, geschieden und hat sich durch mehrere Jobs einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet. Auf einer Party ihrer Tante lernt sie den Bundeswehrdeserteur Ludwig Götten kennen, der wegen Raubes bereits observiert wird. Die beiden verbringen die Nacht miteinander und Katharina verhilft ihm zu einem Unterschlupf. Schon am Morgen steht die Polizei in Katharinas Wohnung, und sie wird in einen Strudel aus Wahrheitssuche und Stimmungsmache gezogen. Ihr Leben wird durchleuchtet; Worte verdrehen Tatsachen und moralische Prinzipien stehen neben einem öffentlichen Interesse, das der Boulevardjournalist Werner Tötges vertreten will. Katharina Blum kann in diesem Strudel nur selbst zur Gewalt greifen.

Nachdem 'Der Spiegel' im Jahr 1972 Heinrich Bölls Essay 'Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?' veröffentlicht hatte, wurde der Schriftsteller zeitweilig selbst zur Zielscheibe heftiger medialer Attacken. Böll hatte die unseriöse Berichterstattung kritisiert, da diverse Straftaten von vornherein der Roten Armee Fraktion zugeschrieben worden waren, was seinerzeit noch keineswegs als gesichert galt. In Folge der sich steigernden öffentlichen Auseinandersetzung schrieb er 'Die verlorene Ehre der Katharina Blum'. Dem Nobelpreisträger ist mit diesem Stoff eine nachhaltige Gesellschaftskritik – mit geringem Verfallsdatum – gelungen.

»Die Gewalt von Worten kann manchmal schlimmer sein als die von Ohrfeigen und Pistolen.«
Heinrich Böll

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