Kultur und Bildung
Wissenschaft
Rahmenprogramm zur Heinrich Zille-Ausstellung der Städtischen Galerie
Ausstellungen vom 22. Juni bis 31. August 2008
Die Unaussprechlichen. Kleine Geschichte der Unterwäsche um 1900

Lustig auf der Leine flatternde Unterwäsche verführt auch heute noch Beobachter zum Schmunzeln, obwohl aktuelle Dessousmode sich nicht mehr so sehr als Windfang eignet. Heinrich Zille, dessen „zeichnerische und rhetorische Schlüpfrigkeit“ mit zu seinem Erfolg beitrug, hielt diesen Anblick mehrfach fotografisch fest. Unterwäsche auf der Leine galt zu seiner Zeit allerdings als Ausdruck von Armut: Es war verpönt, diese öffentlich auszustellen. Daher trockneten Wohlhabende sie an nicht einsehbaren Orten. Nur die ärmeren Schichten konnten diesem Gebot der Schicklichkeit nicht nachkommen. Insofern symbolisiert Unterwäsche auch den Zustand der Gesellschaft: Wie das Darunter der Kleidung „unaussprechlich“ war, so wurde auch das Lumpenproletariat und seine Lebensweise nach außen verborgen und tabuisiert. Diese Thematik ist der Aufhänger für eine kleine Zeitreise durch die Geschichte der Unterkleidung um 1900, zu welcher die Besucherinnen und Besucher des Franziskanermuseums im Zillejahr eingeladen sind.
Waldemar Flaig und der 1. Weltkrieg
Die Ansichten vom 1. Weltkrieg wandeln sich bei dem Villinger Maler Waldemar Flaig (1892 – 1932) in eindrucksvoller Weise. Als junger Kriegsteilnehmer übernimmt er zunächst die Kriegspropaganda und überträgt die Erzählung von den Sieben Schwaben auf die Alliierten, die beim Anblick eines deutschen Soldaten vor Schreck kapitulieren. Seine im Feld entstandenen Studien sind hingegen nüchterne Bestandsaufnahmen kriegszerstörter Landschaften. Nach schwerer Verwundung verarbeitet er in den 1920er Jahren nachträglich das Thema mit den Stilmitteln des politischen Expressionismus eines Otto Dix.
Die Wandlung vom Kriegsbefürworter zum Gegner hat Flaig mit vielen Künstlern seiner Zeit gemein – auch mit Heinrich Zille.
Die Arbeiten werden während der Laufzeit der Zille-Ausstellung innerhalb der Dauerausstellung im 2. OG des Franziskanermuseums ausgestellt.

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