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Ökumenisches Mahnmalprojekt
Ökumenisches Mahnmalprojekt – Gedenkstein für deportierte Villinger Juden geplant
Am 22. Oktober 1940 wurden 6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland nach Gurs deportiert. Unter ihnen waren auch 11 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Villingen. In Erinnerung an deren Deportation soll auf Ininitiative einer Schülergruppe vor dem Villinger Bahnhof ein Memorialstein errichtet werden.
Die Idee des Ökumenischen Mahnmalprojekts
Seit 2002 begleiten die Abteilung Jugendpastoral der Erzdiözese Freiburg und das Evangelische Amt für Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirche Baden das 'Ökumenische Mahnmalprojekt', welches vom Forum 'erinnern und begegnen' und dem Bund Deutscher Katholischer Jugend initiiert wurde.
Ziel des badischen Projektes ist es, junge Menschen zu einer verantwortlichen und vertieften Auseinandersetzung mit der eigenen Stadt- bzw. Dorfgeschichte zu ermutigen und dadurch die Erinnerung an die Deportation von 1940 wach zu halten. Angesprochen sind vor allem die 137 badischen Städte und Dörfer, aus denen die jüdischen Bürgerinnen und Bürger verschleppt wurden. Dazu erstellt eine örtliche Projektgruppe eine Dokumentation über die Deportationsgeschichte ihrer Stadt. Am Ende des Projektes sollen 137 Gedenksteine an einem zentralen Mahnmal in Neckarzimmern zusammenkommen – für jede ehemalige jüdische Gemeinde einer. Außerdem soll in jeder Heimatgemeinde ein identischer Memorialstein aufgestellt werden.
Über 100 Steine sind bereits zusammengekommen. Villingen-Schwenningen gehört zu den letzten Orten, die sich an diesem großen ökumenischen Jugendprojekt bisher noch nicht beteiligt haben.
Das zentrale Mahnmal in Neckarzimmern wurde vom Gondelsheimer Künstler Karl Vollmer entworfen, der auch die künstlerische Leitung des Gesamtprojekts innehat.
zur Website des Ökumenischen Mahnmalprojekts für Jugendliche
Die Villinger Projektgruppe

Im Dezember 2009 schlossen sich mehrer Jugendliche mit dem Ziel zusammen, sich an dem badischen Mahnmalprojekt zu beteiligen. Einige von ihnen sind Schülerinnen und Schüler der St.-Ursula-Schule Villingens, die schon unter der Leitung von Schuldekan Heinrich Schidelko über die jüdischen Mitschülerinnen vor 1945 eine Schulprojektarbeit verfasst haben. Daraus erwuchs unter Begleitung von Pastoralreferent Tobias Weiler die Gruppe für das Mahnmalprojekt. Jugendliche aus der kirchlichen Jugendarbeit verstärkten die bereits bestehende Schülergruppe. Ferner haben die Historiker Dr. Heinz Lörcher und Michael Zimmermann die Projektgruppe mit viel Fachkompetenz unterstützend begleitet. Die Jugendlichen sind: Alexandra Eberhard, Julia Ganter, Tim Hauser, Jonas Mauch, Johannes Staudt, Lea Sturm, Michaela Schwert und Fabian Veil.
Seit Juli 2010 liegt eine Projektdokumentation der Jugendlichen vor. Sie ist das Ergebnis von Recherchen und Interviews mit Zeitzeugen, die die Jugendlichen über ein halbes Jahr lang ehrenamtlich betrieben und geführt haben.

- Die Villinger Projektgruppe des ökumenischen Mahnmalprojekts für deportierte Juden in Baden
Memorialstein im Stadtbezirk Villingen

- Geplanter Standort des Gedenksteins für die deportierten Villinger Juden vor dem Bahnhof Villingen
Der Projektgruppe ist es ein großes Anliegen, im Zuge des ökumenischen Mahnmalprojektes einen Memorialstein auch im Stadtbezirk Villingen aufzustellen. Der Stein soll zu einer würdigen und zugleich mahnenden Erinnerungskultur in der Stadt beitragen. Eine Kopie des Steines wird auf dem Zentralmahnmal in Neckarzimmern installiert werden. Anfertigen soll die Steinstele mit einer Grundfläche von 50 auf 50 Zentimeter und einer Höhe von einem Meter der Villinger Steinmetz Matthias Schmiechen. Die jüdische Gemeinde Rottweil/Villingen-Schwenningen begrüßt das Vorhaben.
Aufgestellt werden soll der Gedenkstein auf dem Grünstreifen vor dem Bahnhof Villingen, zwischen Bahnhof und dem Zebrastreifen. Der Ort liegt an dem Weg zum Bahnhof Villingen, den die Deportierten gingen, als sie die Stadt mit der Bahn verlassen mussten. Die Projektgruppe sorgt für die Finanzierung des Memorialsteines und dessen Aufstellung.
Die Entwurfsidee für den Villinger Gedenkstein
"Der Stein soll in der Grundfläche rautenförmig werden mit abgeschrägter oberer Fläche. Auf dem Stein werden auf der Rückseite die Worte 'Villingen' und 'Gurs' und das Datum '22.10.1940' zu lesen sein. Auf der Vorderseite wird ein stilisiertes (vereinfachtes) Villinger Wappen eingearbeitet, dem ein Stück fehlt in Form eines herausgenommenen Davidstern. Der herausgenommene, herausgerissene Davidstern wird dann oben am Stein herausgearbeitet sein. Damit soll zum Ausdruck kommen: Die jüdische Gemeinde wurde ihrer Heimat Villingen beraubt. Damit ist aber auch Villingen nicht mehr 'vollständig' oder 'ganz', es entsteht eine schmerzhafte Lücke. Der herausgerissene Teil lässt sich (oben auf dem Denkmal liegend) nicht mehr problemlos hineinfügen bzw. 'wiedergutmachen', aber es ist unsere Aufgabe, sich für die Versöhnung und Erinnerung einzusetzen, im wahrsten Sinne des Wortes diesen Teil der Geschichte in unser Bewusstsein 'einzusetzen’', um ein 'ganzes Bild zu bekommen'."
Die Initiatoren des Projekts
Das Ökumenische Mahnmalprojekt ist ein Projekt der Abteilung Jugendpastoral der Erzdiözese Freiburg und dem Evangelischen Amt für Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirche Baden, initiiert von 'erinnern und begegnen – forum christlicher gedenkarbeit' und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Diözesanverband Freiburg (BDKJ), unterstützt vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden unter der Schirmherrschaft von Kultusminister a. D. Helmut Rau.
Finanziell gefördert wird das Projekt durch die Erzdiözese Freiburg, die Evangelische Landeskirche Baden, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die Stiftung 'Erinnerung, Verantwortung, Zukunft' sowie das Regierungspräsidium Freiburg – Abteilung 7 'Schule und Bildung'
