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Joseph Haberer – ein Villinger Jude

Joseph Haberer diskutiert 2009 mit Schülern des Gymnasiums am Hoptbühl
Joseph Haberer mit Schülern des Gymnasiums am Hoptbühl (2009)

Joseph Haberer wurde am 31. Januar 1929 in Villingen geboren. Seine Eltern, Berthold und Georgine Haberer, waren Juden und lebten zur Miete in einer kleinen Wohnung in der Herdstraße 18. Die jüdische Gemeinde in der Stadt umfasste nur zehn bis 20 Familien. Sein Vater arbeitete in Villingen auf dem Finanzamt, das er 1933 mit einer geringen Pension verlassen musste. "Wir waren arm, aber wir mussten nicht hungern." In der Schule wollte Joseph sein wie die anderen Mitschüler. Er wollte ein Deutscher sein. "Meine Eltern schlugen mich, als ich einmal 'Heil Hitler' sagte." Joseph wurde von Mitschülern geschmäht und hatte eine harte Schulzeit. Wenn er und seine Familie in den Park gehen wollten, standen sie vor einem Schild 'Juden verboten'. Sie durften in kein Schwimmbad, sie durften dieses und jenes nicht tun, was Joseph fragen ließ "Warum ich?".

"Dein ganzes Leben geriet aus den Fugen."

Die Eltern fühlten sich als Deutsche und in diesem Geist erzogen sie ihren Sohn. Im Laufe der 1930er Jahre mussten sie jedoch erfahren, dass im NS-Deutschland kein Platz mehr für sie war. Am 11. November 1938, am Tag der 'Kristallnacht', zeigten alle Schüler mit dem Finger auf den jüdischen Schulkameraden. Die Lebensverhältnisse wurden für Joseph und seine Eltern unerträglich. "Dein ganzes Leben geriet aus den Fugen, wenn Du aus der Schule geworfen wurdest", schrieb er später über diese Zeit. Die Eltern erkannten, dass in Deutschland für Juden höchste Gefahr drohte und beschlossen, ihren Sohn nach England zu schicken.

Allein nach England

Nach der 'Kristallnacht' erlaubte die britische Regierung jüdischen Flüchtlingskindern die Einreise ohne Eltern. Jüdische Organisationen mussten garantieren, dass Reise- und Aufenthaltskosten von ihnen und nicht vom britischen Staat getragen würden. So fuhr Joseph mit seinem Vater nach Holland und verließ Deutschland Anfang Dezember 1938 im Alter von neuneinhalb Jahren. In einem Kindertransport fuhr er per Schiff mit mehreren hundert Kindern im kältesten Winter seit hundert Jahren nach England. Wie viele der 10 000 Kinder und Jugendlichen, die mit Kindertransporten Deutschland verließen, sah er seine Eltern zum letzten Mal.

Ermordung der Eltern

Die Eltern blieben in Villingen, bis sie im Oktober 1940 mit mehr als 15 000 Juden aus Baden, Saarland und der Pfalz in das Konzentrationslager Gurs in Vichy-Frankreich deportiert wurden. Dort lebten sie unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und bei schlechter Ernährung. Sein Vater starb in diesem Lager und seine Mutter wurde schließlich nach Auschwitz transportiert, wo sie ermordet wurde.

Emmigration in die USA

Bis 1946 lebte Joseph in England in einer Herberge für Flüchtlingskinder, als ein Onkel und eine Tante aus Kalifornien ihm ermöglichten, in die Vereinigten Staaten zu emigrieren. Er begann seine Universitätskarriere mit einem Doktor in Politologie an der Berkeley-Universität in Kalifornien. Seit 35 Jahren lehrt er an der Purdue Universität in Indiana, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1999 Professor für Politologie und Direktor der Jüdischen Studien war.

Besuche in Villingen

Als Joseph Haberer auf Einladung von Oberbürgermeister Rupert Kubon seine Heimatstadt im Jahre 2009 zum dritten Mal nach seiner Flucht wieder besuchte - nach mehr als 70 Jahren -, sprach er zu mehreren Schulklassen und bei einer öffentlichen Veranstaltung. Rückblickend auf sein Leben in Villingen und in Deutschland sagte er: "Was geschah, hat Bedeutung für die Gegenwart: Völkermord ist gegenwärtig", und wies auf die Situation in Ruanda und Darfur hin.

"Wenn Du Vorurteilen begegnest, spreche sie an."

"Sogar Schüler können helfen, Hass und Vorurteile verschwinden zu lassen", sagte er, machte den Heranwachsenden aus Villingen-Schwenningen Mut zu einer eigenen Meinung und forderte sie auf, sich aktiv ins gesellschaftliche Geschehen einzumischen. "Wenn Du Vorurteilen begegnest, spreche sie an, sitze nicht herum, sag etwas oder tu etwas!" Den Schülerinnen und Schülern gab er zudem die aufmunternde Aufforderung auf den Weg: "Mache Dich nicht geringer als Du bist. Du kannst mehr tun, als Du denkst."

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