Kultur und Bildung
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Aktuelles aus dem Stadtarchiv
Land Baden-Württemberg und Stadt Villingen-Schwenningen feiern Geburtstag
Die Stadt Villingen-Schwenningen feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Aus diesem Anlass bieten Kultureinrichtungen der Stadt und Vereine eine Vielzahl an Veranstaltungen zum Jubiläum an, welche die Geschichte und Gegenwart der jungen Stadt zum Thema haben.
Auch das Land Baden-Württemberg hat Grund zum Feiern. Es blickt im Jahr 2012 auf sein 60-jähriges Bestehen zurück. Wir freuen uns besonders, dass sich das Land unter dem Motto
'Gemeinsam sind wir 100.
40 Jahre Villingen-Schwenningen – 60 Jahre Baden-Württemberg'
an den Feierlichkeiten bei der langen Schwenninger Kulturnacht beteiligt.
Vereine und Kultureinrichtungen, die Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr planen, können diese gerne dem Stadtarchiv per Mail an stadtarchiv@villingen-schwenningen.de mitteilen.
Das vorläufige Jubiläumsprogramm können Sie nachfolgend downloaden. Es wird ständig für Sie aktualisiert.
zum Jubiläumsprogramm (PDF, 189 KB)

Eric Carle – Die kleine Raupe Nimmersatt
Warum gibt es ein Exemplar des allseits bekannten Kinderbuchs 'Die kleine Raupe Nimmersatt' von Eric Carle in der Wissenschaftlichen Spezialbibliothek Stadtarchiv und Museen Villingen-Schwenningen?
Man würde es eher im Bestand der Stadtbibliothek vermuten und findet es dort natürlich auch.
Allerdings ist das Exemplar im Bestand der Wissenschaftlichen Spezialbibliothek ein Unikat:
Handsigniert und mit der Zeichnung einer Raupe versehen, von Eric Carle am 26. Oktober 2003 der Stadt Villingen-Schwenningen übergeben.

- Titelbild mit Signatur
Welche Verbindung besteht zwischen dem weltbekannten, in den USA lebenden Kinderbuchautor Eric Carle und Schwenningen?
Carle wurde 1929 als Kind deutscher Auswanderer in den USA geboren, kam aber 1935 als Sechsjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland zurück und lebte zunächst in Stuttgart.
Eric Carle und seine Mitschüler der Oberschule in Stuttgart-Feuerbach wurden aus dem zerbombten Stuttgart evakuiert und kamen am 26. Oktober 1943 als Kinderlandverschickte nach Schwenningen. Hier wurde er von Familie Gutekunst 'liebevoll aufgenommen', fand bei ihnen vorübergehend als Sohn und Bruder bis kurz vor Kriegsende ein neues Zuhause.
Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart kehrte Erich Carle 1952 in die USA zurück. Dort begann nach mehreren anderen Jobs, z.B. als Graphikdesigner bei der New York Times und in Werbeagenturen, sein Erfolg als Kinderbuchautor und Buchillustrator.
1968 erschien sein erstes Kinderbuch '1, 2, 3 ein Zug zum Zoo', ein Jahr später 'Die kleine Raupe Nimmersatt' und viele weitere folgten.
Heute lebt Eric Carle in Florida, USA.
Dass die Schwenninger Zeit für Carle 'einprägsam und unvergesslich' war, zeigt sein Besuch am 26. Oktober 2003 in Schwenningen, 60 Jahre nach seiner ersten Ankunft. Auch zu den Nachkommen der Familie Gutekunst und seiner ersten Liebe Mathilde aus Schwenningen hält er weiterhin Kontakt.
Das Buch 'Die kleine Raupe Nimmersatt' und zwei weitere Bücher von Eric Carle, die ebensfalls mit Zeichnungen und Widmungen des Autors versehen sind, können im Stadtarchiv, Stadtbezirk Villingen, Lantwattenstraße 4, eingesehen werden.
Ökumenisches Mahnmalprojekt – Gedenkstein für deportierte Villinger Juden geplant
Am 22. Oktober 1940 wurden 6500 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland nach Gurs deportiert. Unter ihnen waren auch 11 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Villingen. In Erinnerung an deren Deportation soll auf Ininitiative einer Schülergruppe vor dem Villinger Bahnhof ein Memorialstein errichtet werden.
Die Idee des Ökumenischen Mahnmalprojekts
Seit 2002 begleiten die Abteilung Jugendpastoral der Erzdiözese Freiburg und das Evangelische Amt für Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirche Baden das 'Ökumenische Mahnmalprojekt', welches vom Forum 'erinnern und begegnen' und dem Bund Deutscher Katholischer Jugend initiiert wurde.
Ziel des badischen Projektes ist es, junge Menschen zu einer verantwortlichen und vertieften Auseinandersetzung mit der eigenen Stadt- bzw. Dorfgeschichte zu ermutigen und dadurch die Erinnerung an die Deportation von 1940 wach zu halten. Angesprochen sind vor allem die 137 badischen Städte und Dörfer, aus denen die jüdischen Bürgerinnen und Bürger verschleppt wurden. Dazu erstellt eine örtliche Projektgruppe eine Dokumentation über die Deportationsgeschichte ihrer Stadt. Am Ende des Projektes sollen 137 Gedenksteine an einem zentralen Mahnmal in Neckarzimmern zusammenkommen – für jede ehemalige jüdische Gemeinde einer. Außerdem soll in jeder Heimatgemeinde ein identischer Memorialstein aufgestellt werden.
Über 100 Steine sind bereits zusammengekommen. Villingen-Schwenningen gehört zu den letzten Orten, die sich an diesem großen ökumenischen Jugendprojekt bisher noch nicht beteiligt haben.
Das zentrale Mahnmal in Neckarzimmern wurde vom Gondelsheimer Künstler Karl Vollmer entworfen, der auch die künstlerische Leitung des Gesamtprojekts innehat.
zur Website des Ökumenischen Mahnmalprojekts für Jugendliche
Die Villinger Projektgruppe

Im Dezember 2009 schlossen sich mehrere Jugendliche mit dem Ziel zusammen, sich an dem badischen Mahnmalprojekt zu beteiligen. Einige von ihnen sind Schülerinnen und Schüler der St.-Ursula-Schule Villingens, die schon unter der Leitung von Schuldekan Heinrich Schidelko über die jüdischen Mitschülerinnen vor 1945 eine Schulprojektarbeit verfasst haben. Daraus erwuchs unter Begleitung von Pastoralreferent Tobias Weiler die Gruppe für das Mahnmalprojekt. Jugendliche aus der kirchlichen Jugendarbeit verstärkten die bereits bestehende Schülergruppe. Ferner haben die Historiker Dr. Heinz Lörcher und Michael Zimmermann die Projektgruppe mit viel Fachkompetenz unterstützend begleitet. Die Jugendlichen sind: Alexandra Eberhard, Julia Ganter, Tim Hauser, Jonas Mauch, Johannes Staudt, Lea Sturm, Michaela Schwert und Fabian Veil.
Seit Juli 2010 liegt eine Projektdokumentation der Jugendlichen vor. Sie ist das Ergebnis von Recherchen und Interviews mit Zeitzeugen, die die Jugendlichen über ein halbes Jahr lang ehrenamtlich betrieben und geführt haben.

- Die Villinger Projektgruppe des ökumenischen Mahnmalprojekts für deportierte Juden in Baden
Memorialstein im Stadtbezirk Villingen

- Geplanter Standort des Gedenksteins für die deportierten Villinger Juden vor dem Bahnhof Villingen
Der Projektgruppe ist es ein großes Anliegen, im Zuge des ökumenischen Mahnmalprojektes einen Memorialstein auch im Stadtbezirk Villingen aufzustellen. Der Stein soll zu einer würdigen und zugleich mahnenden Erinnerungskultur in der Stadt beitragen. Eine Kopie des Steines wird auf dem Zentralmahnmal in Neckarzimmern installiert werden. Anfertigen soll die Steinstele mit einer Grundfläche von 50 auf 50 Zentimeter und einer Höhe von einem Meter der Villinger Steinmetz Matthias Schmiechen. Die jüdische Gemeinde Rottweil/Villingen-Schwenningen begrüßt das Vorhaben.
Aufgestellt werden soll der Gedenkstein auf dem Grünstreifen vor dem Bahnhof Villingen, zwischen Bahnhof und dem Zebrastreifen. Der Ort liegt an dem Weg zum Bahnhof Villingen, den die Deportierten gingen, als sie die Stadt mit der Bahn verlassen mussten. Die Projektgruppe sorgt für die Finanzierung des Memorialsteines und dessen Aufstellung.
Die Entwurfsidee für den Villinger Gedenkstein
"Der Stein soll in der Grundfläche rautenförmig werden mit abgeschrägter oberer Fläche. Auf dem Stein werden auf der Rückseite die Worte 'Villingen' und 'Gurs' und das Datum '22.10.1940' zu lesen sein. Auf der Vorderseite wird ein stilisiertes (vereinfachtes) Villinger Wappen eingearbeitet, dem ein Stück fehlt in Form eines herausgenommenen Davidstern. Der herausgenommene, herausgerissene Davidstern wird dann oben am Stein herausgearbeitet sein. Damit soll zum Ausdruck kommen: Die jüdische Gemeinde wurde ihrer Heimat Villingen beraubt. Damit ist aber auch Villingen nicht mehr 'vollständig' oder 'ganz', es entsteht eine schmerzhafte Lücke. Der herausgerissene Teil lässt sich (oben auf dem Denkmal liegend) nicht mehr problemlos hineinfügen bzw. 'wiedergutmachen', aber es ist unsere Aufgabe, sich für die Versöhnung und Erinnerung einzusetzen, im wahrsten Sinne des Wortes diesen Teil der Geschichte in unser Bewusstsein 'einzusetzen’', um ein 'ganzes Bild zu bekommen'."
Die Initiatoren des Projekts
Das Ökumenische Mahnmalprojekt ist ein Projekt der Abteilung Jugendpastoral der Erzdiözese Freiburg und dem Evangelischen Amt für Kinder- und Jugendarbeit der Landeskirche Baden, initiiert von 'erinnern und begegnen – forum christlicher gedenkarbeit' und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Diözesanverband Freiburg (BDKJ), unterstützt vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden unter der Schirmherrschaft von Kultusminister a. D. Helmut Rau.
Finanziell gefördert wird das Projekt durch die Erzdiözese Freiburg, die Evangelische Landeskirche Baden, die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, die Stiftung 'Erinnerung, Verantwortung, Zukunft' sowie das Regierungspräsidium Freiburg – Abteilung 7 'Schule und Bildung'
